Steinbrück hat keine Vorbehalte: Chinesen wollen Anteile der Bahn kaufen
VON MICHAEL BRÖCKER UND ALEXANDER VON GERSDORFF - zuletzt aktualisiert: 02.09.2008 - 20:57Peking/Berlin (RP). Überraschung aus dem Reich der Mitte: Ein chinesischer Staatsfonds hat Interesse an der Bahn angemeldet. Vorstand, Aufsichtsrat und Politik haben keine Einwände.
In einem Vier-Augen-Gespräch mit Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat der Vorstandsvorsitzende des chinesischen Staatsfonds China Investment Corporation, Lou Jiwei, Interesse an einer Beteiligung bei der Deutschen Bahn signalisiert. Steinbrück zeigte sich zufrieden. „Wir haben keine Vorbedingungen und Vorbehalte gegenüber einem chinesischen Einstieg bei der Bahn”, sagte der SPD-Politiker.
"Herzlich willkommen"
Die beiden Fraktions-Vize von Union und SPD, Klaas Hübner und Michael Meister, begrüßten das Interesse der Chinesen. „Als strategische Investoren sind sie herzlich willkommen”, betonten beide. Meister und Hübner begleiten Steinbrück auf seiner Asien-Reise. Bahn-Chef Hartmut Mehdorn war bereits vor einigen Wochen in Peking, um Regierungsvertretern die Vorzüge eines Einstiegs schmackhaft zu machen.
Der Bund will 24,9 Prozent seiner Aktien an der Verkehrs- und Logistiksparte der Bahn an Investoren, Kleinaktionäre und Mitarbeiter verkaufen. Als frühester Börsentermin gilt der 27. Oktober, möglich ist auch Anfang November. Weil es nur um eine Minderheitsbeteiligung geht, wären die Chinesen nicht von dem neuen Außenwirtschaftsgesetz betroffen, das das Bundeskabinett kürzlich verschärft hat. Danach kann der Wirtschaftsminister künftig außereuropäischen Investoren den Kauf deutscher Firmen ab einem Anteil von 25 Prozent verbieten.
Steinbrück um Mäßigung bemüht
In der Debatte um eine Beschränkung von Auslandsinvestments in sensiblen Branchen bemühte sich Steinbrück in China um Mäßigung. „Wir machen nur das, was die Amerikaner, Briten und Chinesen auch machen. Das haben meine chinesischen Gesprächspartner auch verstanden.”
Der Bahn-Aufsichtsrat steht einem chinesischen Angebot offen gegenüber. „Für Euphorie ist es zu früh”, sagte Georg Brunnhuber, CDU-Bundestagsabgeordneter und Bahn-Aufsichtsratsmitglied auf der Arbeitgeberseite, unserer Zeitung. „Aber grundsätzlich gilt: Wer am meisten bietet, erhält den Zuschlag.” Darüber werde der Aufsichtsrat „rechtzeitig vor dem Börsengang” entscheiden.
Ein Bahn-Sprecher lehnte einen Kommentar ab: „Wir äußern uns nicht zu konkreten Interessenten. Wir haben bei unseren bisherigen Kontakten vielerorts und vielerseits ein Interesse festgestellt, so dass wir zuversichtlich sind.”
Börsianer beurteilen die chinesischen Pläne als seriös. „Das Interesse besteht schon länger”, so ein Investmentbanker. Der Bahn-Börsengang wird von der Deutschen Bank, der US-Investmentbank Morgan Stanley und der Schweizer UBS vorbereitet. Pikanterweise hat sich die China Investment Corporation vor einem Jahr mit 3,5 Milliarden Euro an Morgan Stanley beteiligt.
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