Nach Finanzkrise: Citibank an französische Bank verkauft
zuletzt aktualisiert: 11.07.2008 - 14:45Düsseldorf (RPO). Der Kampf um die Übernahme der Citibank ist beendet. Das krisengeschüttelte US-Finanzinstitut Citigroup hat das deutsche Privatkundengeschäft für 4,9 Milliarden Euro an die französische Genossenschaftsbank Credit Mutuel verkauft. Die Deutsche Bank hatte ebenfalls ein Angebot abgegeben.
Im wochenlangen Milliardenpoker um die Citibank hat die Crédit Mutuel die Deutsche Bank ausgestochen. Die Franzosen übernehmen für rund 4,9 Milliarden Euro von der US-Großbank Citigroup die auf Verbraucherkredite spezialisierte deutsche Tochter, wie Citi und die Crédit Mutuel am Freitag bekannt gaben.
Neben dem Kaufpreis bekommt die Citigroup noch die dieses Jahr bis zum Abschluss der Transaktion auflaufenden Gewinne der Citibank, heißt es in einer Stellungnahme von Credit Mutuel.
Arbeitnehmervertreter der Citibank reagierten erfreut. "Das ist eine gute Entscheidung", sagte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates, Rolf Dahmen, der Nachrichtenagentur AP. Sie werde vom Betriebsrat ausdrücklich begrüßt.
Dahmen betonte, Crédit Mutuel habe betriebsbedingte Kündigungen mindestens für die nächsten 18 bis 24 Monate ausgeschlossen und wolle auch keine Standorte infrage stellen. Das französische Institut wolle in Deutschland Fuß fassen und dazu auch investieren.
Der Deal soll bis Ende des Jahres abgewickelt werden, teilte Crédit Mutuel mit. Die Genossenschaftsbank will 100 Prozent der Aktien übernehmen und dafür 4,9 Milliarden Euro zahlen sowie den Gewinn der Citibank des Jahres 2008, der bis zum Abschluss der Transaktion anfällt. Der Preis liegt am oberen Ende des von Analysten geschätzten Wertes. Vor dem Vollzug muss noch das grüne Licht der Wettbewerbshüter abgewartet werden.
Die Franzosen haben in den vergangenen zehn Jahren bereits in Belgien, Luxemburg und der Schweiz expandiert. Mit der Übernahme der Citibank wolle man insbesondere seine Aktivitäten im Kreditwesen, bei Versicherungen und internationalen Finanzdienstleistungen ausweiten.
Kein Rückschlag für Deutsche Bank
An einer Übernahme der Citibank hatten laut Medienberichten mehrere Institute Interesse, die Deutsche Bank war bis zuletzt im Rennen. Allerdings hatte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mehrfach betont, es werde keine Zukäufe um jeden Preis geben.
Bankenexperte Wolfgang Gerke sieht im Coup der Crédit Mutuel keinen Rückschlag für die Deutsche Bank. Das Institut sei in Deutschland sehr gut aufgestellt. Für den deutschen Branchenprimus wäre ein vergleichbares Geschäft im europäischen Ausland viel attraktiver, sagte er der AP.
"Bei einer Übernahme der Citibank hätte sich die Deutsche Bank nur Probleme mit ver.di geholt", sagte Gerke. Ein Stellenabbau wäre wegen Doppelfunktionen unvermeidlich gewesen. "Dieses Problem haben die Franzosen nicht", betonte der Börsen- und Bankenexperte. Für die Credit Mutuel sei der Erwerb der Citibank ein geschickter Schachzug, auch wenn der Preis recht hoch sei.
Vergangene Woche hatte die Commerzbank ihr Angebot für Citi zurückgezogen. Neben der Deutschen Bank waren zeitweise auch die spanische Großbank Santander und der niederländische ING-Konzern noch mit im Bieterrennen.
Die Citigroup will die Citibank verkaufen, weil sie im Zuge der weltweiten Finanzkrise massive Verluste erlitten hat und dringend Kapital braucht. Die Citibank bildet das Herzstück der Privatkundenaktivitäten der Citigroup in Europa, betreut 3,2 Millionen Kunden und hat rund 6.800 Mitarbeiter.
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