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Umweltschützer empört
Schluss mit Mehrweg? Schwere Vorwürfe gegen Coca-Cola

Coca-Cola schafft Mehrwegflaschen ab
FOTO: ap
Düsseldorf. Coca-Cola nimmt PET-Mehrwegflaschen in den Größen 0,5 Liter und 1,5 Liter aus dem Sortiment. Der Vertrieb ist dem Unternehmen zu teuer. Umweltverbände warnen vor einer unheilvollen Signalwirkung für die ganze Branche. Die Deutsche Umwelthilfe wirft dem Konzern vor, in Wirklichkeit den Komplettausstieg vorzubereiten.  Von Philipp Stempel

Coca-Cola Deutschland macht Schluss mit Mehrweg: PET-Flaschen in der Größe von 0,5 und 1,5 Litern will das Unternehmen nicht mehr produzieren und stattdessen nur noch Einweg anbieten. Für den Verbraucher bedeutet das zunächst einmal wenig. Statt 15 Cent Pfand bezahlt er für Einwegflaschen weiterhin 25 Cent, die entsprechenden Größen findet er im Supermarkt nur noch als Einweg und das vermutlich sogar zu günstigeren Preisen.

Betroffen sind auch die Marken Fanta und Sprite. Die 1-Liter-Mehrwegflasche bleibt wie gehabt im Sortiment, die Glasflaschen im klassischen Design sind von der Umstellung ebenso wenig betroffen. Die 0,5-Liter- und 1,5-Liter-PET-Mehrwegflaschen sollen schrittweise von diesem Sommer an aus den Regalen verschwinden.

Coca-Cola will vor allem effizienter werden

Ökologisch ist die Umstellung aus Sicht von Umweltschützern bedenklich. Mit der Öko-Bilanz von Mehrweg kann Einweg nicht mithalten, stellt das Bundesumweltamt klar. 15 bis 20 mal kann eine solche Flasche wiederbefüllt werden, die Wegwerf-Flasche wird hingegen geschreddert und eingeschmolzen, um neue Flaschen oder auch ganz andere Produkte daraus herzustellen. Rohstoffe und Produktionsprozess verbrauchen in der Bilanz deutlich mehr Energie als das Spülen von Mehrwegflaschen.

Coca-Cola verweist auf die überdurchschnittliche Mehrwegquote des Unternehmens. So habe man im vergangenen Jahr bei den Erfrischungsgetränken einen Anteil 56,7 Prozent gehabt, die gesamte Branche aber nur 27,8 Prozent. Zudem würden 0,5-Liter-Flaschen nicht so oft wiederbefüllt wie andere Mehrwegflaschen, weil sie weniger oft den Weg zurück zum Hersteller fänden. "Sie werden anderweitig genutzt, zum Beispiel im Haushalt, in der Garage oder auf Kinderspielplätzen", heißt es in einer Mitteilung.

Durch die Umstellung will der Getränkehersteller vor allem effizienter werden. Ein Viertel des Mehrwegangebots fällt mit dem Verzicht auf die beiden Flaschenmodelle weg. Die Logik: Je weniger verschiedene Verpackungen befüllt werden müssen, desto geringer die Rüstzeiten für die Maschinen. "Unsere Abfüllanlagen können dann länger am Stück laufen", erläutert Coca-Cola.

Umweltschützer: Konzern plant Komplettausstieg

Die umfangreiche Logistik ist der zweite Grund für die Entscheidung des Getränkeherstellers. Insbesondere wenn eine Flasche nicht dort abgegeben wird, wo sie gekauft wurde, erhöht sich der Aufwand. Laut Coca-Cola trifft das vor allem die 0,5-Liter-Flasche zu, weil sie bevorzugt unterwegs getrunken wird. Die Folge: Die Lkw sind mehr unterwegs, weil sie leere Kisten transportieren.

Die Deutsche Umwelthilfe bleibt skeptisch. Schon unmittelbar nach der Ankündigung Coca-Colas hatte Geschäftsführer Jürgen Resch in der "Frankfurter Rundschau" vor einer Signalwirkung für die ganze Branche gewarnt und dem in der Branche führenden Konzern vorgeworfen, den Einstieg in den Ausstieg aus dem Mehrwegsystem vorzubereiten.

Das bekräftigt auf Nachfrage auch Thomas Fischer, Experte für Kreislaufwirtschaft bei der Umwelthilfe. Aus dem Konzern selbst will der Umweltverband erfahren haben, dass es Coca-Cola langfristig darauf anlegt, ganz mit dem Mehrweg Schluss zu machen. Der Konzern werde derzeit wegen Absatzproblemen brutal auf Effizienz getrimmt. Daher habe die Tochter in Deutschland Einwegprodukte zum Billigstpreisen gezielt in Discountern vertrieben. "Coca Cola setzt seine Getränke in Mehrwegflaschen selbst unter Druck. Durch die Listung von Einweg-Getränken zu Dumping-Preisen bei Aldi, werden solche in Mehrwegflaschen für Kunden unattraktiver, weil sie zu höheren Preisen angeboten werden", erklärt Fischer. Dass dadurch die Nachfrage nach Mehrweg sinkt, habe man bewusst gefördert.

Kommt jetzt die Zusatzabgabe für Einweg?

"Coca Cola versucht durch den Absatz von Getränken in Einwegverpackungen bei Discountern Marktanteile hinzuzugewinnen. Das Unternehmen nimmt dabei weder Rücksicht auf den Umweltschutz, noch auf seine Mitarbeiter", kritisiert nun Fischer. Nun sieht der Verband die Politik in der Pflicht. Um die im Regelfall teureren Mehrweggetränke wieder wettbewerbsfähig zu machen, fordert er Umweltministerin Barbara Hendricks auf, eine "Lenkungsabgabe" für Einweg einzuführen: 20 Cent Aufschlag für jedes verkaufte Gefäß.

Die Umwelthilfe verweist dazu auf die ökologischen Ziele der geltenden Verpackungsverordnung für Getränke. 80 Prozent, also vier von fünf Flaschen, sollen ins Mehrwegsystem gehen. Der Trend aber weist schon seit Jahren in die entgegengesetzte Richtung: Nach den jüngsten Zahlen des Bundesumeltamtes fielen im Jahr 2012 nur noch 45 Prozent im Mehrweg an. Zehn Jahre zuvor waren es noch etwa 70 Prozent. 

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