Zapf, Märklin, Lego und Brio sind wieder da: Comeback für Spielzeugfirmen
VON TH. BREITKOPF UND CH. NÜNEMANN - zuletzt aktualisiert: 25.12.2010 - 11:17Düsseldorf (RP). Spielzeug-Hersteller bildeten über Jahrzehnte hinweg eine boomende Branche. Aber einige von ihnen sind in den vergangenen Jahren in eine tiefe Krise geraten. Wir stellen vier Unternehmen vor, die diese Krise überwunden haben, teilweise dabei den Zusammenbruch vermeiden mussten.
Zapf Die niedlichen und äußerst realistischen Babypuppen von Zapf gehören seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Geschenken unterm Weihnachtsbaum. Doch beinahe hätten sich in diesem Jahr keine Kinder mehr über die Puppen aus Rödental in Bayern freuen können. Jahrelang sah es blendend aus bei Zapf. Das Unternehmen expandierte nach Asien, Spanien, England und in viele andere Länder. 1999 ging Zapf an die Börse, um schneller wachsen zu können. Dann kam die Wirtschaftskrise.
Der Puppenhersteller musste einen Umsatzrückgang um ein Viertel auf 78,8 Millionen Euro verkraften und machte neun Millionen Euro Verlust. Vor einem Jahr lag die Nettoverschuldung bei 25 Millionen Euro. Die Banken wollten die Kredite streichen. Zapf halte sich nicht an die Sanierungsvorgaben, so der Vorwurf. Erst Anfang Oktober kam die Entwarnung. Investoren lösten die Kredite des klammen Puppenherstellers mit einer 20-Millionen-Euro-Spritze ab. Zapf scheint gerettet. Das freut nicht nur Kinder, sondern auch Aktionäre: Der Aktienkurs stieg an nur einem Tag um über 40 Prozent.
Märklin Viele Jahre war das Krokodil, eine große grüne Lokomotive im Maßstab 1:87, der Weihnachtstraum kleiner Jungen. Die junge Bundesrepublik ließ den Modellbahnhersteller Märklin weiter und weiter wachsen. Er übernahm Wettbewerber wie LGB und Trix. Doch bei der schwäbischen Modellbahnschmiede hatte man die Zeichen der Zeit übersehen. Statt vieler kleiner, technikliebender Kinder spielten irgendwann nur noch wenige betuchte und betagte Herren mit den Loks aus Göppingen, angesichts von Preisen von mehreren hundert Euro pro Fahrzeug.
2009 sollte eigentlich das Jahr der großen Feier zum 150. Firmengeburtstag werden. Stattdessen kam der Insolvenzantrag. Der Insolvenzverwalter suchte zunächst erfolglos einen Investor. Die Mitarbeiter bangten fast zwei Jahre um ihren Job. Diese Woche kam die erlösende Nachricht: Märklin steht wieder auf eigenen Beinen. Eigentümer sind die Gläubiger. Allerdings ist die Schrumpfkur hart. 430 Jobs gehen verloren. Etliche Gläubiger müssen auf 90 Prozent der Forderungen verzichten und erhielten "Besserungsscheine".
Lego Stein auf Stein auf Stein – so lassen sich Hubschrauber, Bahnhöfe und Bagger bauen. Die kleinen Klötzchen von Lego begeistern Kinder und Erwachsene. Im Jahr 2003 war davon allerdings nur noch wenig zu spüren. Die Umsätze brachen ein, die Verluste stiegen. Lego stand kurz vor der Pleite. Die Strategie, mit völlig neuen Produkten wie etwa Videospielen, Film-Figuren und Fahrrädern Wachstum und Gewinne zu sichern, war fehlgeschlagen. Auch die Aufgabe des Markennamens Duplo und die zunehmende Konkurrenz durch Computerspiele zehrten an dem dänischen Spielzeughersteller. Die Rückbesinnung auf das Klötzchen-Geschäft und eine Grundsanierung des Konzerns brachten Lego im Jahr 2006 zurück auf Wachstumskurs.
Brio Die schwedische Traditionsfirma Brio ist weltbekannt für ihreHolzeisenbahn. Sie scheint so natürlich, so fern von billigem Plastik, dass Eltern sie gern unter den Weihnachtsbaum legen. Heute ist Brio weltweit die Nummer eins für Holzspielzeug – in Brios Anfängen war davon noch nichts zu ahnen. Schließlich war es ein Korbmacher, Ivar Bengtsson, der die Firma im Jahr 1884 in der kleinen Stadt Osby gründete. Bengtsson betrieb Brio zunächst als Katalogversand, zehn Jahre später produzierte er dann auch Holzspielzeug. Seine drei Söhne bauten Brio dann zu einem internationalen Konzern aus.
Im neuen Jahrtausend begann Brio dann aber zu straucheln. Die Gewinne blieben aus, die Umsatzzahlen sanken, die Schulden stiegen.Vor zwei Jahren stand ein Verlust von 6,7 Millionen Euro in der Bilanz. Mit der Krise kam die Liquiditätsklemme: Zu Beginn des vergangenen Jahres brauchte Brio dringend eine Kapitalspritze von rund 27 Millionen Euro – ansonsten hätte der Zusammenbruch gedroht. Brio bekam die Liquidität und fuhr in den ersten drei Quartalen 2010 wieder ein Umsatzplus von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ein.
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