Vernunft statt Kampf: Conti-Aufsichtsratschef gegen Übernahmeschlacht
zuletzt aktualisiert: 22.07.2008 - 21:05Hannover (RPO). Die Beratungen des Conti-Aufsichtsrates über das Schäffler-Angebot stehen vor der Tür. Conti-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg kündigt an: Er wolle sich nicht mit aller Macht gegen die Übernahmeofferte der Schaeffler-Gruppe stellen. Vorstandschef Manfred Wennemer hatte zuvor das Angebot abgelehnt.
"Vernunft ist angesagt, nicht Kampf um jeden Preis", sagte Conti-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg dem "Manager-Magazin" vor den Beratungen des Aufsichtsrates am Mittwoch. "Wenn die Übernahme wahrscheinlich ist, dann bevorzuge ich, dass wir keine verbrannte Erde hinterlassen", sagte er.
Grünberg gab Meinungsverschiedenheiten mit Wennemer zu, bezeichnete sie aber als nicht grundlegend. Das Unternehmen müsse sich so schnell wie möglich wieder auf operative Aufgaben konzentrieren, sagte er.
Bei seinem Kampf gegen die Übernahme kann Wennemer kaum auf die Unterstützung des Continental-Gesamtbetriebsrates hoffen. Die Vorsitzende des Gremiums, Bärbel Bruns, sieht wenig Chancen, sich gegen die Übernahme des DAX-Konzerns durch Schaeffler zu stellen. "Die Arbeitnehmerseite hat wenig Einfluss auf die Frage, ob Conti von Schaeffler übernommen wird oder nicht", sagte sie.
Betriebsrat will Arbeitsplatzzusagen von Schaeffler
Der stellvertretende Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates in Hannover, Michael Deister, der dem Aufsichtsrat als Arbeitnehmervertreter angehört, betonte: "Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass die Schaeffler-Gruppe im Hause ist mit 36 Prozent, und müssen damit umgehen." Wie Bruns ist Deister Mitglieder der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE).
Der Gesamtbetriebsrat veröffentlichte zudem einen offenen Brief an Maria-Elisabeth Schaeffler und ihre Unternehmensgruppe. Der Brief verlangt von der Unternehmerin ein klares Bekenntnis zum Erhalt der Arbeitsplätze. Außerdem müsse es die Zusage geben, dass die Continental-Reifensparte nicht verkauft und der Konzern nicht zerschlagen werde, sagte Bruns.
"Wir haben nichts gegen einen Investor aus einem deutschen Familienunternehmen", fügte sie hinzu. Aber die Art und Weise des Einstiegs habe bei den Arbeitnehmern Skepsis ausgelöst.
Schaeffler begrüßte die Haltung des Gesamtbetriebsrats. Man wolle zeitnah das Gespräch aufnehmen. Außerdem stehe man zu den mehrfach gemachten Zusagen: "Continental soll als Ganzes bestehen bleiben, auch mit Bezug auf das Reifengeschäft, als eigenständiger, börsennotierter Konzern mit Sitz in Hannover, selbstverständlich auch künftig mit einem mitbestimmten Aufsichtsrat", sagte Schaeffler-Vorstandschef Jürgen Geißinger. Zur Verlagerung oder einem Abbau von Arbeitsplätzen werde es in Folge des Angebots nicht kommen.
Grünberg sieht bei Übernahme keine Zerschlagung
Der Continental-Aufsichtsrat berät am (morgigen) Mittwoch ab 13.00 Uhr über das Übernahmeangebot von Schaeffler. Der Vorsitzende Grünberg wandte sich vor der Sitzung auch gegen die Befürchtung, die Schaeffler-Gruppe wolle Continental zerschlagen. Für eine Aufteilung stehe er nicht zur Verfügung, sagte er. Der Familienkonzern aus Herzogenaurach habe zugesichert, Continental nicht zu zerschlagen. "Schaeffler will das sogar vertraglich garantieren", sagte er.
Der Verdacht, er sei bei dem Übernahmeversuch der Architekt im Hintergrund gewesen, wies der Aufsichtsratschef aber zurück. Diese Vermutung sei falsch. Der Angriff sei nicht vorhersehbar gewesen. Im Fall eines Erfolgs werde die Schaeffler-Eigentümerin vermutlich Anspruch auf den Posten des Continental-Aufsichtsratschefs erheben, sagte Grünberg.
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