Schaeffler vor Einstieg: Conti droht Zerschlagung
VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 14.07.2008 - 22:07Düsseldorf/Hannover (RP). Das Familienunternehmen Schaeffler greift nach Deutschlands zweitgrößtem Automobil-Zulieferer. Continental ist alarmiert: Angeblich Schaeffler den Dax-Riesen von der Börse nehmen und die Reifensparte verkaufen. Offenbar hat sich das Unternehmen bereits 30 Prozent an Aktien über Optionen gesichert.
Vor genau einem Jahr machte Continental mit der elf Milliarden Euro schweren Übernahme der Siemens-Tochter VDO Schlagzeilen. Jetzt ist Deutschlands zweitgrößter Automobilzulieferer selbst von einer Übernahme bedroht. Ausgerechnet ein fränkisches Familienunternehmen setzt an, sich den 150.000-Mann-Konzern einzuverleiben: Die Schaeffler-Gruppe aus Herzogenaurach, die unter anderem im Wuppertaler FAG Kugelfischer-Werk mit 1500 Mitarbeitern Industrielager produziert.
Als Schaeffler vor sieben Jahren genau diese FAG übernahm, stand die Welt Kopf: Nach einem fünfmonatigen Machtkampf hatte die steinreiche Großindustriellen-Witwe Maria-Elisabeth Schaeffler den Willen des Kugelfischer-Managements gebrochen und in Deutschland die erste feindliche Übernahme durch ein Privatunternehmen exekutiert. Genau wie heute Conti galt auch die FAG damals an der Börse als stark unterbewertet. Wird der FAG-Coup nun Blaupause für die Conti-Übernahme?
Nach dem Tod ihres Mannes übernahm Maria-Elisabeth Schaeffler 1996 den internationalen Konzern. Schaeffler ist heute ein weltweit führender Anbieter von Wälz- und Gleitlagern, Kupplungen und Motortechnik für den Autobau, die Luft- und Raumfahrt und gehört komplett Maria-Elisabeth Schaeffler und ihrem Sohn Georg.
Es sieht so aus: Wie "FAZ" und "FTD" berichten, will die ehemalige Medizin-Studentin den Dax-Riesen Continental für etwas mehr als zehn Milliarden Euro schlucken, wie seinerzeit die FAG von der Börse nehmen und Contis Reifen-sparte verkaufen. Sowohl ihr Sprecher als auch eine Conti-Sprecherin bestätigten ein erstes Gespräch. Der Schaeffler-Sprecher sagte, dass weitere Gespräche folgen werden.
Wenn es stimmt, dass die 67-jährige Multimilliardärin Conti von der Börse nehmen und die Reifensparte abtrennen will, werden diese Gespräche nicht gerade freundlich verlaufen. "Wir begrüßen jeden Investor, der unsere Strategie unterstützt", sagte die Conti-Sprecherin. Was im Klartext heißt, dass ein Zerschlagungs- und Delistingplan zwangsläufig auf eine feindliche Übernahme hinauslaufen würde, denn das ist das Gegenteil der aktuellen Conti-Strategie.
Die Übernahme durch die Schaeffler-Gruppe - nur noch eine Frage der Zeit. Laut Medienberichten hat sich das Unternehmen bereits mittels Optionen einen Anteil von etwa 30 Prozent an Continental gesichert. Eine Gruppe internationaler Banken habe Aktien des Autozulieferers gekauft und Schaeffler mit sogenannten Call-Optionen ausgestattet, berichteten das "Handelsblatt" und die "Financial Times Deutschland".
Maria-Elisabeth Schaeffler, Mutter eines Anwalts im amerikanischen Dallas, bekennt sich zu Entscheidungen, bei denen sie "notgedrungen Herz und Seele ausschalten muss". Im Gegenzug übernimmt sie aber auch schon mal die Kosten für die Suche nach einem Knochenmarkspender für einen ihrer 66.000 Mitarbeiter. Die elf Milliarden Schulden, die Conti seit der VDO-Übernahme mit sich herumschleppt, schrecken sie offenbar ebenso wenig ab wie die Tatsache, dass Conti mit einem Umsatz von 26 Milliarden Euro (inklusive VDO) fast drei Mal größer ist als ihr eigenes Imperium (8,9 Milliarden Euro Umsatz).
Mit ihrer Produktion von Lagern, Kupplungen und Motortechnik gehört Schaeffler wie Conti zu den großen deutschen Zulieferern. Nach der Übernahme stiege Schaeffler zum drittgrößten Automobil-Zulieferer der Welt auf. Es wäre in Europa die bislang größte Übernahme des Jahres.
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