"Opportunistische Offerte": Continental lehnt Übernahmeangebot von Schaeffler ab
zuletzt aktualisiert: 16.07.2008 - 15:11Hannover (RPO). Der Automobilzulieferer Continental hat die Übernahmeofferte von Schaeffler abgelehnt. Die "opportunistische Offerte" spiegele den wahren Wert des Unternehmens nicht annährend wider, teilte Conti in Hannover mit.
Die Übernahmeschlacht um den Autozulieferer Continental ist voll entbrannt. Conti wies am Mittwoch die rund 11 Milliarden Euro schwere Offerte des kleineren Familienkonzerns Schaeffler brüsk zurück. Conti-Chef Manfred Wennemer kritisierte das Vorgehen Schaefflers als "egoistisch, selbstherrlich und verantwortungslos". Der Wälzlagerhersteller will sein Angebot vorerst nicht anheben.
Wennemer sagte, Continental sei "kein willfähriges Opfer für Schnäppchenjäger". Schaeffler habe sich "unter Einsatz rechtswidriger Mittel" den Zugriff auf 36 Prozent der Conti-Aktien verschafft. Dabei seien die gesetzlichen Meldeschwellen umgangen worden.
Die Schaeffler-Gruppe wolle möglichst schnell und kostengünstig die Kontrolle über Continental übernehmen. Das Angebot entspreche in keiner Weise dem fairen Wert von Continental. Ihm fehle zudem die Fantasie zu sehen, wo bei einer Übernahme der Vorteil für Conti liegen könne. "Continental würde Schaeffler nützen, Schaeffler aber nicht Continental", sagte er.
Zugleich warnte Wennemer vor einer Zerschlagung des DAX-Konzerns. "Wenn der Vorstoß von Schaeffler erfolgreich wäre, würde Continental früher oder später aufhören, als eigenständiges Unternehmen zu existieren", sagte er. "Ja dieser Konzern würde wahrscheinlich sogar zerschlagen werden. Die Reifensparte würde verkauft werden, vielleicht noch einiges obendrauf."
Der Continental-Vorstand habe die Bereitschaft erklärt, eine bis zu 20-prozentige Finanzbeteiligung zu unterstützen. "Die Schaeffler Gruppe beharrte jedoch auf einer über 30 Prozent hinausgehenden Kontrollbeteiligung."
Schaeffler für weitere Gespäche offen
Nach dem Nein von Continental will Schaeffler zunächst keine neue Offerte vorlegen. "Das ist nicht das Thema", sagte Sprecher Detlef Sieverdingbeck der AP. "Die Aktionäre von Conti werden entscheiden, ob sie das Angebot annehmen oder nicht." Die Ablehnung von Conti habe Schaeffler zur Kenntnis genommen und analysiere jetzt alles in Ruhe. Für weitere Gespräche stehe Schaeffler zur Verfügung.
Der Wälzlagerhersteller hatte den Conti-Aktionären am Dienstag 69,37 Euro je Stückaktie angeboten. Laut Schaeffler soll Continental nicht zerschlagen werden, sondern als eigenständiges Unternehmen im Ganzen bestehen bleiben. Derzeit hält Schaeffler eigenen Angaben zufolge 2,97 Prozent der Conti-Aktien und ist auf der Grundlage von Finanzinstrumenten berechtigt, weitere 4,95 Prozent zu erwerben. Darüber hinaus hat Schaeffler Optionen auf weitere 28 Prozent der Conti-Anteile.
Gewerkschaft wirft Conti-Vorstand Versäumnisse vor
Unterdessen warf die Gewerkschaft IG BCE dem Conti-Vorstand Versäumnisse vor. "Man muss schon fragen, welche Vorsorge Conti-Chef Manfred Wennemer getroffen hat", sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Hubertus Schmoldt der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung".
Nach der Übernahme der Siemens-Sparte VDO und der Aufnahme riesiger Kredite habe Wennemer damit rechnen müssen, "dass andere auch Monopoly spielen", sagte Schmoldt.
Nach Einschätzung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kann sich die Übernahmeschlacht nun über Wochen hinziehen. "Letztendlich dürfte Continental aber schlechte Karten haben", sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker der Nachrichtenagentur AP. Gerade angesichts der starken Kursrückgänge an der Börse seien Aktionäre im Moment über jede Gelegenheit froh, mit ihren Anteilsscheinen noch einen ordentlichen Gewinn zu erzielen.
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