Autokrise: Daimler erwägt Kurzarbeit an allen Standorten
zuletzt aktualisiert: 08.12.2008 - 14:03Stuttgart (RPO). Der Autobauer Daimler will seine Pläne für die Kurzarbeit massiv ausweiten. Es laufen an allen Standorten bundesweit Gespräche über Arbeitszeitkürzungen, wie eine Sprecherin am Montag in Stuttgart berichtete. Für den Vormittag waren Betriebsversammlungen im Stammwerk in Stuttgart-Untertürkheim und in Sindelfingen geplant. Dort sollten die Beschäftigten über die Pläne der Unternehmensleitung informiert werden.
Bisher stand Kurzarbeit nur in den Mercedes-Werken Sindelfingen, Berlin, Bremen und Düsseldorf zur Diskussion. Die Sprecherin sagte, nun würden an allen Standorten zwischen Betriebsrat und Werksleitung die Möglichkeiten durchgesprochen, die Produktionsdrosselung über Arbeitszeitkonten, Arbeitszeitverkürzung oder Kurzarbeit zu organisieren. "Es wird geprüft, was wo anwendbar ist", erklärte die Sprecherin. Für das Werk Stuttgart-Untertürkheim wird den Angaben zufolge eine Entscheidung in den kommenden Tagen erwartet. Der Absatz der Marken Mercedes-Benz, Maybach und Smart war im November um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat eingebrochen. Durch eine Betriebsvereinbarung sind Daimler-Beschäftigte bis Ende 2011 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt.
Sindelfingen ist das größte inländische Mercedes-Werk. Hier rollen unter anderem die C-,E- und S-Klasse vom Band. In diesem Jahr werden bei Daimler etwa 80.000 bis 100.000 Autos weniger gebaut als geplant, wie aus mit der Sache vertrauten Kreisen verlautete. An allen 14 Standorten in Deutschland werden insgesamt 150.000 Daimler-Mitarbeiter in verlängerte Weihnachtsferien von bis zu vier Wochen geschickt.
Rettungsschirm für Zulieferer verlangt
Wegen der Absatzkrise schickte BMW die Beschäftigten seines Münchner Stammwerks schon zu Nikolaus in die Weihnachtsferien. "Ab Montag fangen die Weihnachtsferien im Werk München an", sagte Unternehmenssprecher Marc Hassinger am Wochenende auf Anfrage der Nachrichtenagentur AP. Es würden Überstunden abgebaut. Mitte November war bekanntgeworden, dass BMW wegen dem Absatzeinbruch in mehreren Werken Produktionspausen einlegt.
BMW will 2008 ungeachtet der Krise etwa so viele Fahrzeuge verkaufen wie im Rekordjahr 2007. "In Deutschland liegen wir aktuell noch über dem Vorjahresabsatz. Ende des Jahres werden wir wohl annähernd auf dem Niveau von 2007 landen", sagte Philipp von Sahr, Leiter des Deutschland-Vertriebs, dem "Tagesspiegel" (Montagausgabe).
BMW-Finanzvorstand Friedrich Eichiner hatte einen staatlichen Rettungsschirm für angeschlagene Zulieferer gefordert. "In einer so schwierigen Krisensituation muss der Staat einspringen", sagte er dem Nachrichtenmagazin "Focus". Staatliche Hilfe könnten bald auch die Autobanken in Anspruch nehmen, sagte der Manager.
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