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Daimler und Renault Panorama, ddp 2010-0406
  Foto: ddp, ddp
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Allianz mit Renault: Daimler wagt die nächste Partnerschaft

zuletzt aktualisiert: 07.04.2010 - 14:09

Düsseldorf (RP/RPO). Daimler verbündet sich mit Renault-Nissan. Das Desaster mit Chrysler und Mitsubishi steckt dem Konzern noch in den Knochen. Dennoch gilt die neue Partnerschaft bei vielen Experten als kluger Schachzug. Beide Konzerne versprechen sich strategische Vorteile im weltweiten Kampf um die Märkte. Beide Konzerne sind aber auch von der Not getrieben.

Am Mittwochvormittag besiegelten beide Seiten offiziell die neue Partnerschaft. Daimler übernimmt je 3,1 Prozent an Renault und Nissan, wie die Konzerne in einer gemeinsamen Mitteilung erklärten. Im Gegenzug steigt die französisch-japanische Allianz mit dem gleichen Prozentsatz bei den Deutschen ein. Renault selbst hält rund 44 Prozent an Nissan.

Das Projekt soll für beide Seiten Kosten dämpfen und neue Märkte erschließen. "Die Synergien mit Daimler haben einen gegenwärtigen Nettowert von mindestens zwei Milliarden Euro für die Renault-Nissan-Allianz", sagte deren Chef Carlos Ghosn am Mittwoch in Brüssel. Sein Unternehmen erwartet demnach höhere Einnahmen und niedrigere Kosten in den nächsten fünf Jahren. Daimler-Chef Dieter Zetsche sagte, dass der Wert für Daimler voraussichtlich "in der gleichen Größenordnung liegen wird".

Für Daimler, dessen Mini-Flitzer Smart auf dem Automarkt bisher nur mäßige Erfolge eingefahren hat, ist das französische Knowhow über Kleinwagen reizvoll. Renault konnte bisher nicht im oberen Klassensegment Fuß fassen, Daimler mit seinem Kleinwagen Smart nur Misserfolge einfahren. Nach Berechnungen der Analysten von Bernstein Research verlor Daimler seit 1997 mehr als sieben Milliarden Euro mit der Produktion seiner Kleinwagen.

Der Wettbewerb zwingt zu Bündnissen

Der Kern der Idee liegt demnach in der Zusammenarbeit bei Modellen und Motoren. Unter anderem soll eine gemeinsame Plattform für die beiden Kleinwagen Smart und Twingo aufgebaut werden.

Für Daimler ist das Projekt ein Wagnis. Die Ehe mit Chrysler ging erst vor drei Jahren in die Brüche. Sie bescherte den Stuttgartern jede Menge und Verluste. Auch die Zusammenarbeit mit Mitsubishi in Japan scheiterte.

Doch der Wettbewerb auf dem weltweiten Automarkt ist brutal. Schon vor der globalen Wirtschaftskrise galt den Experten als sicher, dass nur fünf bis sechs Konzerne überleben können. Seitdem sind die Akteure im knallharten Verdrängungswettbewerb auf der Suche nach Partnern. VW paktiert mit Suzuki und Porsche, Fiat mit Chrysler, BMW mit Peugeot.

Nur nicht zu eng binden

Die Autobosse gehen dabei mit äußerster Vorsicht zu Werke. Das Risiko, bei einem Zusammenschluss die eigene Markenidentität zu verlieren, ist groß. Das hat letzten Endes auch die langwierigen Verhandlungen über eine Zusammenarbeit zwischen Daimler und BMW scheitern lassen. Meist beschränken die Unternehmen sich daher auf eine punktuelle Zusammenarbeit in bestimmten Bereichen. "Es ist keine Heirat, sondern eine strategische Kooperation", ließ das Unternehmen in einer Pressemitteilung verlauten.

So praktizieren es nun auch Daimler und Renault-Nissan. Daimler-Chef Dieter Zetsche wollte seine Edelmarke nur ja nicht zu eng an den französischen Massenhersteller binden. Beide Konzerne werden nicht müde zu betonen, dass sich die Modelle trotz  der gemeinsamen Fahrzeugarchitektur klar voneinander unterscheiden werden.

Anderseits war eine gewisse Verbindlichkeit nötig. Renault-Chef Carlos Ghosn sagte: "Es ist schwierig, die Ingenieure von zwei konkurrierenden Unternehmen davon zu überzeugen, ihr Wissen zu teilen, wenn es keine Bindung gibt." Die gegenseitigen Beteiligungen seien ein Symbol dafür, dass die Verbindung langfristig angelegt ist.

Was konkret geplant ist

Die Autohersteller vereinbarten nun, bei der nächsten Generation des Smart Fortwo und des Renault Twingo zusammenzuarbeiten. Geplant ist zudem eine gemeinsame Nutzung und Entwicklung von Diesel- und Benzinmotoren aus der Renault-Nissan Allianz, der Einsatz im neuen Smart und im Renault Twingo sowie in der künftigen Generation der Premium-Kompaktwagen von Mercedes-Benz.

Die Unternehmen verabredeten darüber hinaus die Nutzung von Benzin- und Dieselmotoren von Daimler durch Infiniti, der Luxusmarke von Nissan, sowie die Nutzung von Dieselmotoren und Getrieben aus der Renault-Nissan Allianz im Mercedes-Benz Vito. Die Unternehmen wollen zudem gemeinsame Einkaufsmöglichkeiten erschließen.

Renault ist scharf auf die Dieselmotoren

Die französischen Zeitungen schwärmten noch am Vortag von den Vorteilen, die Daimler aus der Allianz ziehen werde. Anders als die Deutschen mit ihren PS-starken Modellen ist Renault-Nissan im Kleinwagen-Segment bestens aufgestellt. Wegen der geringen Verdienstmargen bei Kleinwagen ist allerdings eine hohe Stückzahl nötig, um damit Gewinn zu machen.

Renault und der japanische Hersteller Nissan, an dem die Franzosen 44 Prozent halten, wiederum sind an den leistungsstarken Mercedes-Dieselmotoren für allem für Lkw interessiert. Renault will sich mit Hilfe von Daimler stärker auf dem deutschen Markt positionieren. Im vergangenen Jahr überstieg die Präsenz hier nicht die Sechs-Prozent-Marke. "Es ist schwierig, in Europa ohne eine starke Präsenz in Deutschland Erfolg zu haben", urteilt Bernard Jullien, Leiter des Forschungsinstituts Gerpisa. Die Kooperation hat auch den Charme, dass man auf staatliche Fördermittel aus beiden Ländern zugreifen könne.

Daimler handelt sich Risiken ein

Die Allianz birgt für Daimler allerdings auch einige Risiken. Da ist zum einen die Gefahr eines Imageverlusts, wenn unter der Haube der Nobelmarke Daimler plötzlich die Technologie eine französischen Massenherstellers steckt. Zum anderen entscheidet der französische Staat, der an Renault 15 Prozent hält, bei seinem Autobauer gerne mit. Erst jüngst hatte Staatschef Nicolas Sarkozy Ghosn in den Elysée-Palast zitiert, um ihm eine Verlagerung der Produktion des Kleinwagens Clio in die Türkei auszureden.

Quelle: RP/AP

 
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