Dieselmotoren: DaimlerChrysler kann MTU verkaufen
zuletzt aktualisiert: 16.09.2005 - 13:36Stuttgart (rpo). Nach wochenlangem Streit mit den Aktionärsfamilien kann DaimlerChrysler den Dieselmotorenhersteller MTU Friedrichshafen doch wie geplant verkaufen. Das Stuttgarter Unternehmen übernimmt die Anteile der Minderheitsgesellschafter. Ein Preis wurde nicht genannt.
Es werde ein langfristiger Investor gesucht. Es gebe mehrere Interessenten für MTU, sagte ein Daimler-Sprecher ohne Namen zu nennen. Auf die Liquidation des Motorenbauers werde verzichtet.
DaimlerChrysler hatte zuletzt 88 Prozent der Anteile gehalten. Den Rest die Familienstämme Maybach und Zeppelin. Mit der Verständigung hätten alle Beteiligten - vor allem die Familiengesellschafter - ihrer Verantwortung für die MTU Rechnung getragen, teilte der Autobauer mit. "Die Unsicherheit für das Unternehmen und seine Mitarbeiter ist damit beendet. Durch die konstruktive Haltung sämtlicher Familiengesellschafter kann nun die Liquidation des Unternehmens vermieden werden."
Um den Verkauf zu ermöglichen hatte DaimlerChrysler die Minderheitsgesellschafter unter Druck gesetzt. Der Konzern hatte bei einer Gesellschafterversammlung gegen die meisten Stimmen der Minderheitsgesellschafter die Liquidation der Firma durchgesetzt. Mit der Liquidation wollte DaimlerChrysler verhindern, dass MTU an den US-Investor Carlyle geht, dem die Familiengesellschafter bereits exklusiv ihre Anteile zugesichert hatten.
Als Kaufinteressenten für den Hersteller von Großdieselmotoren für Eisenbahnen, Schiffe und Baufahrzeuge sind laut einem Medienbericht auch die Beteiligungsgesellschaft KKR und die schwedische Wallenbergtochter EQT im Rennen.
Als Favorit wird MAN gehandelt. Die Verkaufsverhandlungen waren aber abgebrochen worden. Das Unternehmen hat rund 6.700 Beschäftigten. Eine Zerschlagung soll verhindert werden. DaimlerChrysler erwartet nach Angaben des scheidenden Vorstandschefs Jürgen Schrempp Erlöse von etwa einer Milliarde Euro aus dem Verkauf von MTU Friedrichshafen. Der Konzern trennt sich aus strategischen Gründen von allen Beteiligungen, die nicht zum Kerngeschäft Auto gehören. Einzige Ausnahme ist die Beteiligung am europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS.
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