Die Opel-Mitarbeiter in Deutschland bangen um ihre Jobs. Sie sind die möglichen Opfer einer verfehlten Geschäftspolitik des Mutterkonzerns in Detroit. Verantwortlich für die Misere ist wie kein zweiter GM-Vorstandschef Rick Wagoner, den die US-Regierung Ende März 2009 zum Rücktritt gedrängt hat. Wir porträtieren den oft kritisierten Manager.
Wagoner gilt als dröger Zahlenmensch. Mit 24 begann der 56-Jährige seine Karriere bei General Motors in der Finanzabteilung. 23 Jahre später wird er Vorstandschef.
Das spiegelte sich auch bald in der Konzernstrategie wieder. Anstatt in Forschung und innovative Modelle zu investieren, begegnete GM dem zunehmenden Konkurrenzdruck auf dem US-Markt mit "Null-Prozent-Rabatten".
Wagoner setzte für die Sanierung des Konzerns auf ein drastisches Sparprogramm.
Unvergessen bleibt sein peinlicher Bettel-Auftritt vor dem US-Kongress im Dezember, zu dem Wagoner (vorne links) mit dem Firmenjet angereist war und zusammen mit seinen Kollegen lautstark 34 Milliarden einforderte. In der Öffentlichkeit löste der als erpresserisch empfundene Auftritt Empörung aus.
Erst auf Drängen der Senatoren erklärte er sich zu einem Gehaltsverzicht bereit.
Wagoner gilt als gewiefter Taktiker. Mitten in der Krise ließ er sich von der Belegschaft das Vertrauen aussprechen. Auch wehrte er einen aggressiven Angriff des Milliardärs Kirk Kerkorian ab, der GM in eine Allianz mit Renault Nissan zwingen wollte.
Danach hat sich Wagoner demütig gezeigt. Dem US-Senat sagte er die Entwicklung sparsamerer Motoren und umweltfreundlicher Modelle zu.
In einer ungewöhnlich offenen Zeitungsanzeige räumte Wagoner ein, GM sei der Pleite beängstigend nahe. Der Konzern habe zudem manchmal das Vertrauen der Verbraucher missbraucht. Wagoner konnte sich nicht mehr länger an der GM-Spitze halten.