Kunden bleiben Karstadt treu: Das Sorgenkind heißt Quelle-Versand
zuletzt aktualisiert: 18.06.2009 - 16:04Essen (RPO). Die Lage von Karstadt ist besser als gedacht. Die Warenhauskette des insolventen Mutterkonzerns Arcandor benötigt keinen staatlich abgesicherten Massekredit. Sorgen bereitet dem Konzern allerdings das Versandhaus Quelle. Dem Insolvenzverwalter zufolge muss so schnell wie möglich der Druck des Herbst-Winter-Katalogs in zweistelliger Millionenhöhe finanziert werden. Eine staatliche Bürgschaft wird benötigt.
Hoffung bei Karstadt, Bangen bei Quelle: Die Warenhauskette des insolventen Mutterkonzerns Arcandor benötigt keinen staatlich abgesicherten Massekredit, um ihre Geschäfte aufrechtzuerhalten. Die Finanzierung sei bis Jahresende gesichert, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg am Mittwoch in Essen. Die Kunden hielten Karstadt die Treue.
Bei Quelle versiegt der Geldfluss
Beim Versandhaus Quelle droht unterdessen, der Geldfluss zu versiegen. Die Valovis Bank, die für Quelle Geld eintreibt und weiterleitet, benötige dringend eine Bürgschaft. Er und sein Team arbeiteten derzeit mit Hochdruck an der Grundlagenfinanzierung von Quelle, sagte Görg. Sowohl beim Bund wie auch beim Land Bayern habe er bereits um öffentliche Unterstützung geworben.
Dem Insolvenzverwalter zufolge muss so schnell wie möglich der Druck des Herbst-Winter-Katalogs in zweistelliger Millionenhöhe finanziert werden. Zudem sei eine Summe in dreistelliger Millionenhöhe nötig, um die Warenausstattung sicherzustellen, andernfalls könne der Geschäftsbetrieb nicht fortgeführt werden.
Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) kündigte an, dass sich sein Kabinett am Donnerstagabend mit dem Insolvenzverwalter und wahrscheinlich auch Vertretern von Quelle und Arcandor treffen werde. Man werde sehen, was machbar sei, erklärte er. Das Ergebnis sei offen. Berichten zufolge soll es sich bei der Bürgschaft um einen Betrag von 50 Millionen Euro handeln.
Karstadt beim Umsatz im Juni über Vorjahreswert
Besser als gedacht sieht die Situation derweil bei Karstadt aus: "Die Finanzierung des Weihnachtsgeschäftes trauen wir uns im Rahmen der bestehenden Verträge zu", sagte Görg. Ein Massekredit, mit dem Unternehmen im Insolvenzverfahren zahlungsfähig gehalten werden können, sei nicht nötig. Beim Umsatz lag die Warenhauskette im Juni Görg zufolge über dem Wert des Vorjahres und über Plan.
Schließungen von Karstadt-Warenhäusern wollte er nach Abschluss des Insolvenzverfahrens dennoch nicht ausschließen. Auch betriebsbedingte Kündigungen werde es wohl geben, da einige Filialen nicht in der Gewinnzone seien.
Einem Notverkauf der Karstadt-Häuser an den Konkurrenten Metro erteilte Görg dagegen eine Absage."Meine Aufgabe ist es erst einmal, den Laden zusammenzuhalten und zu gucken, was man mit den einzelnen Teilen macht", sagte er. Bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 1. September seien Blitzverkäufe an Metro oder andere Interessenten daher kein Thema. Die Fülle seiner Pflichten habe ihm nicht einmal erlaubt, an Cordes zu denken, betonte er. Der Metro-Chef strebt eine Übernahme von rund 60 der 90 Karstadt-Häuser an, um sie mit seinen Kaufhof-Filialen zu einer Deutschen Warenhaus-AG zu verschmelzen.
Zahl der Folgeinsolvenzen steigt weiter
Die Zahl der Tochtergesellschaften, die mit in den Strudel der Arcandor-Insolvenz gezogen werden, hat sich unterdessen auf 22 erhöht. Am Donnerstag beantragten drei zusätzliche Gesellschaften Gläubigerschutz, teilte das Amtsgericht Essen mit, darunter der IT-Dienstleister der Arcandor-Gruppe, Itellium, und die Primondo Marketing Solutions GmbH. Mehr als 50.000 Mitarbeiter fürchten damit seit dem Zusammenbruch des Handels- und Touristikkonzerns um ihren Job. Es sei auch nicht auszuschließen, dass die Zahl der Folgeinsolvenezen noch weiter steige, sagte Görg. "Wir versuchen sie aber in Grenzen zu halten".
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