Minister Ramsauer im Interview: "Das Stadtauto der Zukunft ist elektrisch"
VON MICHAEL BRÖCKER - zuletzt aktualisiert: 10.02.2010 - 15:26Berlin (RP). Mit 7,5 Millionen Euro unterstützt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) die Entwicklung der Elektromobilität an Rhein und Ruhr. Das Elektroauto soll das Stadtauto der Zukunft werden, sagte der Minister im Interview mit unserer Redaktion. Bis 2020 sollen eine Million Autos in Deutschland mit Strom fahren.
Wann wird das Elektroauto den Benziner ersetzen können?
Ramsauer Batterie und Brennstoffzellenfahrzeuge können den Verbrennungsmotor nicht über Nacht ablösen. Elektroautos werden aber auf mittlere bis längere Sicht eine herausragende Rolle spielen. Vor allem in den Städten hat das Elektromobil eine große Zukunft. Das Ziel der Bundesregierung steht: Bis 2020 sollen auf deutschen Straßen insgesamt eine Million Elektroautos fahren. Zum Vergleich: In zehn Jahren werden in etwa 45 Millionen Pkw auf deutschen Straßen unterwegs sein. Dann wäre jeder 45. Pkw elektrisch betrieben. Das ist mir eigentlich zu wenig. Die eine Million ist deshalb als Minimalziel zu verstehen.
Welche Chancen für die Automobilindustrie und die Zulieferer in NRW bietet die Elektromobilität?
Ramsauer Wir wollen Leitmarkt für Elektromobilität werden. Mit unseren Förderprogrammen unterstützen wir deshalb die heimische Wirtschaft. Meine Vision ist: So wie wir jetzt schon die besten Autos mit Verbrennungsmotor bauen, müssen wir in Zukunft auch weltweit die besten Elektroautos weltweit produzieren. Die Elektromobilität bietet für den Technologie- und Wirtschaftsstandort Deutschland große Chancen. Davon wird auch NRW als Automobil- und Energieland profitieren.
Wie unterstützt der Bund die Elektromobilität?
Ramsauer Für unsere Förderprogramme stehen uns inzwischen mehr als zwei Milliarden Euro zur Verfügung. Davon investieren wir 700 Millionen Euro in die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie. Die Wirtschaft gibt noch einmal den gleichen Betrag dazu. Aus dem Konjunkturpaket II fließen zusätzliche 500 Millionen Euro in die Elektromobilität. Davon allein 115 Millionen Euro in unsere Modellregionen. Auch hier kommt noch eine Industriebeteiligung dazu. Die finanzielle Beteiligung ist aber nur ein Aspekt. Wir werden auch geeignete Rahmenbedingungen schaffen, damit die Verbreitung der Elektromobilität schnell vorankommt. Außerdem wollen wir Akzeptanz für neue Formen der Mobilität schaffen. Die Elektromobilität soll die Köpfe der Menschen erreichen.
Was ist genau an Rhein und Ruhr geplant?
Ramsauer In der Modellregion Rhein/Ruhr wollen wir zum Beispiel mit „Simply E-Mobility“ Flottenversuche mit Elektrofahrzeugen im Pendler- und im Wirtschaftsverkehr durchführen. Dafür geben wir rund 7,5 Millionen Euro aus. Die Privatwirtschaft beteiligt sich in etwa in gleicher Höhe. Unser Projektpartner Ford stellt 15 Pkw und 10 Nutzfahrzeuge mit Elektroantrieb bereit. Von den Tests versprechen wir uns neue Erkenntnisse über die Erwartungen der Kunden, über Anforderungen an die Infrastruktur und mögliche Energiemodelle. Wir werden aber auch Fragen der Sicherheit oder des Recyclings untersuchen. Die Universität Essen-Duisburg wird die Ergebnisse wissenschaftlich auswerten.
Wird das Elektroauto die Gewohnheiten der Deutschen verändern?
Ramsauer Das Verkehrsverhalten der Menschen wird sich mit der Elektromobilität sicherlich verändern. Nur von Tempo zu sprechen, wäre mir aber zu kurz gegriffen. Wir müssen den Verkehr ganz neu denken: Wo werde ich in Zukunft tanken? Reicht zum Beispiel die Steckdose vor dem Haus? Welche Strecken fahre ich mit dem Auto und wann steige ich lieber auf andere Verkehrsträger um? Das Fahrgefühl wird sich ebenfalls verändern - und auch die Wahrnehmung des Verkehrs. Es wird leiser und sauberer in unseren Städten und Regionen. Mit unseren acht Modellregionen haben wir jetzt ein Labor für Elektromobilität in Deutschland. Dort werden wir all diese Aspekte gründlich untersuchen. Außerdem organisieren wir am 3. Mai einen Elektromobilitätsgipfel. Autohersteller, Batterieproduzenten, Zulieferer, Forscher und Energieversorger sollen teilnehmen und über die Zukunft der Elektromobilität beraten.
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