Fünf Mitarbeiter "beurlaubt": Datenskandal bei der Telekom weitet sich aus
zuletzt aktualisiert: 29.10.2008 - 14:46Bonn (RPO). Die Deutsche Telekom kommt nicht zur Ruhe: Das Unternehmen hat eine erneute missbräuchliche Auswertung von Verbindungsdaten eingeräumt. Bei den internen Ermittlungen nach dem Diebstahl von 17 Millionen Kundendaten von T-Mobile seien im Jahr 2006 Verbindungsdaten von etwa 20 Personen überprüft worden.
Dies sagte der neubestellte Vorstand für Datenschutz, Manfred Balz, am Mittwoch in Bonn. Dies sei jetzt durch interne Hinweise bekannt geworden. Zudem wurden mindestens einmal Verbindungsdaten von einem inländischen Konkurrenten von T-Mobile sowie von einem ausländischen Unternehmen beschafft.
Zumindest bei den beiden letzten Punkten sieht Balz Anhaltspunkte für strafrechtlich relevante Verfehlungen. Nähere Angaben zu den beteiligten Unternehmen wollte er unter Hinweis auf die bei der Staatsanwaltschaft Bonn laufenden Ermittlungen nicht machen. Balz machte deutlich, dass derartige Methoden "in Zukunft bei der Telekom geächtet" seien.
Die fünf Manager und Mitarbeiter, die mit diesen Fällen befasst waren, seien von ihren Aufgaben entbunden worden und befänden sich in einem "Erholungsurlaub". Unter ihnen sei auch der Angestellte, der vor rund einem Jahr die Bespitzelung von Journalisten durch die Telekom offenbart hatte. Ihm sei als "Kronzeuge" in dieser Angelegenheit zugesichert worden, dass er wegen seines Geständnisses keine Sanktionen seines Arbeitgebers zu befürchten habe. Balz nannte das Bespitzeln der Journalisten einen "monströsen Angriff auf die Pressefreiheit", der das Unternehmen schwer erschüttert habe.
Er räumte ein, dass der Konzern noch nicht wisse, wie er mit den beschuldigten Mitarbeitern umgehen werde. Allerdings soll es keine "Schauprozesse oder Bauernopfer" geben.
Seit Anfang Oktober hatte die interne Konzernrevision untersucht, wie das Unternehmen im Jahr 2006 mit dem Diebstahl der Kundendaten umgegangen ist. Ein jetzt vorgelegter vorläufiger Bericht bescheinigt Mängel in der organisatorischen Umsetzung und Bearbeitung des Falles. Dies betreffe besonders die Aufsicht über die ermittelnden Mitarbeiter, die dabei verwendeten Methoden und auch das Vorgehen bei der Sicherstellung der Daten bei Dritten, wie Balz einräumte.
"Datenschutz hat jetzt ein eigenes Gesicht auf Vorstandsebene: Ich stehe als neuer Vorstand persönlich für das Thema ein", unterstrich der neue Vorstand für Datenschutz, Recht und Compliance. "Zugleich nehme ich jeden Manager und Mitarbeiter in die Pflicht, der mit dem Schutz und der Sicherheit von Kundendaten befasst ist."
Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Datendiebstahls sind für die Telekom offenbar eher gering. Nach Angaben eines Unternehmenssprechers haben sich nach Bekanntwerden der Affäre lediglich 6000 der 17 Millionen betroffenen Kunden telefonisch bei der Telekom gemeldet, weitere 1000 reagierten per Mail. Etwa 640 beantragten eine neue Telefonnummer. Balz betonte, dass die Kunden wegen des Diebstahls ihrer persönlichen Daten kein Sonderkündigungsrecht haben. Er konnte auch nicht ausschließen, dass es weitere Fälle des Missbrauchs von Verbindungsdaten gegeben habe. Konkrete Anhaltspunkte dafür gebe es allerdings derzeit nicht.
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