Die Sorge um Japan bleibt: Dax am Mittag leicht im Minus
zuletzt aktualisiert: 28.03.2011 - 14:42Frankfurt/Main (RPO). Börse am Mittag: Insgesamt fiel der der Dax um 0,2 Prozent auf 6934 Punkte. Der Euro-Stoxx50 konnte sich dagegen knapp behaupten, an den US-Börsen zeichnete sich ebenfalls ein Start im positiven Bereich ab. "Dass der Dax sich heute schlechter präsentiert als andere Indizes, liegt auch an der starken Gewichtung der Autoaktien", sagte ein Händler. Die Titel der deutschen Autobauer gaben zwischen ein und zwei Prozent nach.
Der Wahlerfolg der Grünen bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz hat am Montag die Nachfrage nach Öko-Werten angetrieben. Der ÖkoDax, in dem die zehn größten deutschen Solar- und Windenergiewerte vertreten sind, schoss um bis zu acht Prozent nach oben. Die im Leitindex Dax gelisteten Aktien der Atomenergie-Anbieter Eon und RWE gerieten zum Handelsstart unter Druck, präsentierten sich später aber nur wenig verändert, was Händler mit technischen Faktoren begründeten.
Die Zuspitzung der Lage im Atomkraftwerk Fukushima, wo die japanische Regierung eine Kernschmelze in einem Reaktor einräumte, werde dagegen weitgehend ausgeblendet, erklärte Helaba-Analyst Christian Schmidt. "Sollten aber deutlich schlechtere Nachrichten aus Japan kommen, kann sich das schnell wieder ändern." Schmidt erklärte, viele Anleger konzentrierten sich ansonsten auf das bevorstehende Quartalsende. Daher gebe es kaum Bereitschaft, sich von Positionen zu trennen. Seit vergangener Woche sind die Umsätze deutlich geschrumpft. "Für den Markt ist es kein gutes Zeichen, wenn der Dax mit hohem Umsatz fällt, aber bei wenig Umsatz steigt", erklärte ein Börsianer. In der Vorwoche gewann der Dax bei meist schleppendem Geschäft 4,2 Prozent. In der Woche zum 18. März verlor er angesichts des Bebens in Japan bei hohen Umsätzen 4,5 Prozent.
Öko-Aktien im Blick
Hoch im Kurs standen nach dem Wahlerfolg der Grünen vor allem die Aktien von alternativen Energie-Anbietern, von denen viele im TecDax gelistet sind. Mit 10,3 Prozent Plus waren die Titel von Nordex die größten Gewinner. Der Windkraft-Spezialist erklärte am Montag, dass sich sichtbare Wachstumsimpulse 2012 in Umsatz und Ergebnis niederschlagen würden. Auch die Papiere von Solarworld, Centrotherm und Q-Cells legten bis zu zehn Prozent zu.
Einige Börsianer rechnen nach den Wahlergebnissen damit, dass der Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland schneller passieren könnte als bisher erwartet. Die Aktien von Eon notierten am frühen Nachmittag 0,3 Prozent schwächer, die von RWE legten dagegen um 0,3 Prozent zu. Der Wahlerfolg der Grünen sei von vielen erwartet worden, fassten Analysten zusammen. Zudem würden die Grünen an der Börse nicht mehr als Schreckgespenst gesehen. "Es wird auch mit den Grünen in Stuttgart keine komplette Abkehr von der Industriepolitik in Baden-Württemberg geben", erklärte Marktstratege Heino Ruland von Ruland-Research.
Größte Verlierer im Dax waren die Aktien von Daimler die um zwei Prozent nachgaben. BMW und VW verzeichneten Abschläge von 1,6 und ein Prozent. Die Titel des Lkw-Bauers MAN gaben ein Prozent nach. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen bei den Favoriten des Vorjahres. "Außerdem macht man sich weiterhin Sorgen, dass die Lieferkette durch das Erdbeben in Japan ins Stocken geraten könnte", sagte ein Händler. Ein anderer Börsianer begründete die Verluste mit dem Wahlerfolg der Grünen. "Die Grünen sind ja nicht gerade als Freunde der Autoindustrie bekannt", sagte er.
Porsche im Rückwärtsgang
Außerhalb des Dax fielen die Aktien von Porsche um bis zu 4,8 Prozent. Der Sportwagenbauer will ab Mittwoch bis zu 131,25 Millionen neue Aktien platzieren. Dieser Schritt komme nicht überraschend, erklärte DZ-Bank-Analyst Michael Punzet. Mit dem frischen Geld könne Porsche seine Verschuldung reduzieren oder eine höhere Dividende zahlen.
Die im MDax notierten Continental-Aktien zogen um 3,7 Prozent an und gehörten damit zu den größten Gewinnern. Der Großaktionär Schaeffler reduzierte seinen Anteil an dem Unternehmen zwar. Parallel kamen angesichts des steigenden Streubesitzes jedoch Spekulationen auf, der Autozulieferer könnte damit mittelfristig wieder für eine Dax-Aufnahme infrage kommen.
Die 30 größten deutschen börsennotierten Konzerne schütten dieses Jahr insgesamt 25,6 Milliarden Euro an ihre Aktionäre aus. Die Dividenden der Konzerne des Deutschen Aktienindex für 2010 lägen damit 28 Prozent über dem Niveau für 2009, erklärte die Beratungsgesellschaft Ernst & Young am Montag in Stuttgart. Im vergangenen Jahr hatten die 30 Dax-Konzerne demnach trotz der Gewinneinbrüche im Krisenjahr 2009 noch 20 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner ausgeschüttet.
Die in diesem Jahr gezahlten Dividenden liegen laut Ernst & Young damit fast wieder auf Vorkrisen-Niveau: 2008 hätten die Konzerne, die heute im Dax vertreten sind, für 2007 insgesamt 27,2 Milliarden Euro ausgeschüttet. Das meiste Geld an die Aktionäre zahlt dieses Jahr demnach die Deutsche Telekom, deren Anteilseigner rund drei Milliarden Euro erhalten sollen. Auf den Telekommunikationsriesen folgen Eon und Siemens. Als einziger Dax-Konzern keine Dividende zahlt - wie schon im Vorjahr - die Commerzbank, die noch immer auf Staatshilfen angewiesen ist.
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