Krisenjahr 2008: Dax-Unternehmen senkten Boni kräftig
zuletzt aktualisiert: 03.05.2009 - 10:33Düsseldorf (RPO). Die Bonuszahlungen an deutsche Top-Manager sind 2008 laut einem Medienbericht gesunken. Gegenüber dem Vorjahr seien die erfolgsabhängigen Gehaltsanteile der Vorstände in den 30 Dax-Unternehmen um 16 Prozent auf durchschnittlich 1,076 Millionen Euro zurückgegangen, berichtet das Magazin "Wirtschaftswoche" am Sonntag vorab.
Demnach waren die Boni 2007 noch fast zweieinhalbmal so hoch wie das Grundgehalt der Manager, im vergangenen Jahr machten die Prämien dann noch das Anderthalbfache der Grundvergütung aus.
Wie das Magazin unter Berufung auf eine Studie der Wirtschaftsprüfgesellschaft Deloitte weiter berichtet, kürzten 21 der 30 Dax-Konzerne 2008 die Boni ihrer Vorstandsmitglieder. BASF, BMW, Commerzbank, Deutsche Bank, Metro, Siemens, ThyssenKrupp und Infineon zahlten demnach gar nichts zum Grundgehalt hinzu. Bei sieben Dax-Unternehmen stieg dagegen die erfolgsabhängige Vergütung. Die höchsten Prämien zahlten demnach VW mit durchschnittlich 2,5 Millionen Euro je Vorstandsmitglied, Linde mit 2,04 Millionen Euro und RWE mit 1,99 Millionen Euro.
Im Gegensatz zur öffentlichen Meinung zeige die Studie, "dass der variable Anteil der Managerbezüge bereits sehr flexibel gehandhabt wird", sagte Holger Jahn von Deloitte der "Wirtschaftswoche". Teilweise verzichteten die Vorstände auch freiwillig auf Boni, wie etwa Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Der Co-Vorsitzende der Koalitionsarbeitsgruppe "Managergehälter", Wolfgang Bosbach (CDU), sagte der "Wirtschaftswoche": "Die Praxis in vielen Unternehmen zeigt, dass die Pläne des Gesetzgebers schon heute weitgehend beachtet werden." Bis zur Sommerpause will die Bundesregierung ein Gesetz verabschieden, wonach die Boni für deutsche Manager an die dauerhafte wirtschaftliche Entwicklung gekoppelt werden müssen.
Auch beim Gesamtgehalt mussten viele Top-Manager in Deutschland Federn lassen. Die Finanzkrise wirbelte die Gehaltsverhältnisse unter Deutschlands führenden Managern kräftig durcheinander. Führte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann die Liste im vergangenen Jahr noch an, schaffte er es 2008 nicht einmal unter die Top 10. Dafür rückt VW-Chef Martin Winterkorn an die Spitze eines von der "Wirtschaftswoche" erstellten Rankings unter Deutschlands Top-Führungskräften - vor allem dank variabler Bezüge und Aktienoptionen. Die VW-Aktie machte 2008 im Zuge der Spekulationen um eine Übernahme durch Porsche Schlagzeilen.
EU-Regeln bleiben unverbindlich
Die Regeln der EU für Manager bleiben unterdessen unverbindlich. Die am Mittwoch in Brüssel vorgelegte Vorschläge der Europäischen Kommission haben reinen Empfehlungscharakter. Die Kommission bleibt damit hinter Plänen der Bundesregierung zurück, die Manager erstmals mit ihrem Privatvermögen für Verluste haftbar machen will.
EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy empfahl den EU-Staaten, übermäßige Boni für Führungspersonal zu beschneiden und sogenannte goldene Handschläge für ausscheidende Manager im Fall massiver Unternehmensverluste zu untersagen. "Versagen darf nicht belohnt werden", sagte der irische Kommissar. McCreevy rechnet damit, dass die meisten EU-Staaten seine Anregungen bis Jahresende umsetzen. Ähnlichen Empfehlungen von 2004 waren nur die Niederlande gefolgt.
Anders als von Europaparlamentariern gefordert plant die Kommission kein eigenes EU-Gesetz. Ein Teil der Empfehlungen soll im Juni lediglich in den Anhang zu einer bereits vorgelegten Richtlinie aufgenommen werden, die Unternehmen eine bessere Eigenkapitalvorsorge vorschreibt.
Die Bundesregierung begrüßte den Vorstoß. "Die gegenwärtige Krise beruht auch darauf, dass viele Manager in der Vergangenheit ihre Entscheidungen in unverantwortlicher Weise auf das Erreichen kurzfristiger Ziele ausgerichtet haben", erklärte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) in Berlin.
Das Bundeskabinett hatte Anfang März beschlossen, dass die Vergütung von Vorständen einer Aktiengesellschaft künftig in einem "angemessenen Verhältnis" zu den Leistungen der Manager stehen muss. Zudem sieht die große Koalition erstmals Haftungsregeln für Führungspersonal vor. Auch andere EU-Länder wie Frankreich und Großbritannien haben Regeln auf den Weg gebracht. Der CDU-Europaparlamentarier Klaus-Heiner Lehne warnte vor einem Flickenteppich unterschiedlicher Vorschriften.
Zur Regulierung hochspekulativer Hedgefonds, Beteiligungsgesellschaften ("Private Equity"), Immobilienfonds und anderen Investmentprodukten legte die EU-Kommission auf Druck des Europaparlaments erstmals ein Gesetzespaket vor. Die Vorschriften gelten für die Manager bestimmter Fonds und nicht für die Produkte selbst. Die Fondsverwalter sollen künftig für ihre Tätigkeit in Europa eine Genehmigung einholen und ihre Geschäfte transparenter gestalten. Das Gesamtvermögen der betroffen Fonds in der EU belief sich nach Kommissionsangaben im vergangenen Jahr auf rund zwei Billionen Euro.
Die Vorschriften gelten für Fonds in Höhe von mindestens 100 Millionen Euro. Damit gelte die Richtlinie für rund 30 Prozent der Hedgefondsmanager, die fast 90 Prozent des Fonds-Vermögens in der EU verwalteten, erklärte McCreevy. Ursprünglich wollte der Kommissar nur Investments ab 250 Millionen Euro berücksichtigen, er lenkte jedoch nach Kritik der Sozialdemokraten im Europaparlament ein.
Dem Richtlinienvorschlag müssen noch die Mitgliedstaaten und das Europaparlament zustimmen. In Kraft treten könnte das Gesetz frühestens Ende 2011 nach Ablauf der zweijährigen Umsetzungsfrist für die Mitgliedstaaten.
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