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Prozess gegen die Telekom hat begonnen: Der Absturz der Volksaktie

zuletzt aktualisiert: 07.04.2008 - 10:11

Düsseldorf (RPO). "Die T-Aktie wird so sicher wie eine vererbbare Zusatzrente sein", hatte Telekom-Chef Ron Sommer vor dem Börsengang versprochen. Dass es anders kam, ist bekannt. Das als Volksaktie angepriesene Papier erlebte einen beispiellosen Absturz. Jetzt wird der Fall vor Gericht verhandelt.

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Das Gesicht der T-Aktie will mit dem Börsengang längst nichts mehr zu tun haben: Schauspieler Manfred Krug hat sich öffentlich bei den Telekom-Aktionären für seine Werbekampagne entschuldigt. 1,9 Millionen Privatanleger hatten am 18. November 1996 Anteile des ehemaligen Staatskonzerns Telekom gekauft - viele von ihnen dürften den Werbespots vertraut haben, in denen Krug verkündete: "Wenn die Telekom an die Börse geht, geh ich mit". Viele Kleinaktionäre wagten sich damals zum ersten Mal an Aktien, kauften sich das Papier als Altersvorsorge - und schlidderten damit in eine wirtschaftliche Katastrophe.

So auch der Musterkläger, ein Pensionär aus Baden-Württemberg. Für ihn geht es um seine Altersvorsorge. 1,2 Millionen Euro hatte der Mann mit Telekom-Aktien verloren. "Für unseren Mandanten ist die Entscheidung der Richter von existenzieller Bedeutung", sagt Kläger-Anwalt Andreas Tilp. Das Oberlandesgericht hat den Pensionär als Musterkläger ausgewählt, weil kein anderer der rund 17.000 Betroffenen so viel investiert hat. Im Schnitt geht es für die klagenden T-Aktionäre um ein Anlagevermögen von 5000 Euro.

Vielversprechender Start

Dabei hatte alles vielversprechend angefangen. Am 18. November 1996 werden 600 Millionen Telekom-Papiere ausgegeben, etwa 240 Millionen an Kleinanleger. Der Ausgabepreis liegt bei 28,50 Mark (rund 14,57 Euro). Bereits am ersten Tag erreicht die T-Aktie 17,33 Euro.

Im Juni 1999 folgt der zweite Börsengang. Jetzt kosten die Aktien schon fast das Dreifache: 39,50 Euro. Am 6. März 2000 erreicht die T-Aktie ihren Höchststand, notiert bei 103,50 Euro. Als im Juni 2000 die dritte Tranche der Papiere an die Börse geht, kündigt sich erstmals an, dass die Erfolgssträhne abreißen könnte: Der Ausgabepreis liegt bei 66,50 Euro, und schon am ersten Handelstag sinkt der Kurs auf 65,79 Euro.

Aktie im freien Fall

Was dann folgt, beobachten die T-Aktionäre mit Fassungslosigkeit. Die Aktie befindet sich im freien Fall. Im September 2001 unterschreitet sie den Kurs vom ersten Handelstag. Am 26. Juni 2002 ist das Allzeittief erreicht - die Aktie ist nur noch 8,14 Euro wert. Heute liegt der Preis bei rund 11 Euro. Die Wut der Aktionäre ist noch längst nicht verpufft.

Die Anleger werfen der Telekom vor, sie nicht ausreichend über Risiken informiert zu haben. Es geht um den dritten Börsengang im Juni 2000. Nach Ansicht der Kläger war unter anderem der Wert der Telekom-Immobilien als viel zu hoch dargestellt. Außerdem machen die Aktionäre geltend, der damalige Konzernchef Ron Sommer haben ihnen die als zu teuer geltende Übernahme des US-Mobilfunkers Voicestream verschwiegen. Und auch die Risiken durch den Kauf der milliardenschweren UMTS-Mobilfunklizenzen seien nicht deutlich gemacht worden.

Aktionärschützer räumen der Klage nur geringe Chancen ein. Zumindest in näherer Zukunft dürfte der Musterkläger seine 1,2 Millionen nicht wiedersehen. Beobachter rechnen damit, dass der Prozess Jahre dauern wird.


 
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