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Stahlproduktion Stahl Metall Arbeiter dapd Panorama, 2010-1011
  Foto: dapd, dapd
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Viele Arbeitnehmer hoffen: Der Boom erreicht die Lohntüten

zuletzt aktualisiert: 27.10.2010 - 14:48

Düsseldorf (RPO). Die Wirtschaft brummt. Zunehmend machen sich die Mitarbeiter Hoffnungen, vom Aufschwung zu profitieren. Insbesondere beim Gehalt. Wegen der unerwartet guten Lage zog zuletzt Autozulieferer Bosch seine Lohnerhöhung um zwei Monate vor. Die IG Metall rechnet damit, dass andere Unternehmen dem Beispiel folgen werden.

Die Nachricht ließ aufhorchen: Der weltgrößte Autozulieferer Bosch zieht die für April 2011 geplante Tariferhöhung von 2,7 Prozent auf den 1. Februar vor. Davon profitieren 85.000 Beschäftigte unter dem Metall-Tarifvertrag. "Nachdem sich die wirtschaftliche Erholung schneller als erwartet vollzogen hat, werden wir die flexiblen Komponenten des Tarifvertrags erneut nutzen, nun zugunsten unserer Mitarbeiter", sagte der Personalchef der Bosch-Gruppe, Wolfgang Malchow.

Es ist ein Dankeschön an die Kooperation der Mitarbeiter während der Wirtschaftskrise. Die hatten sich im vergangenen Jahr auf eine Kürzung von tariflichen Sonderzahlungen eingelassen, um die Gesamtkosten der Kurzarbeit zu senken. So habe die Kurzarbeit verlängert werden könne - trotz eines deutlichen Rückgangs des Geschäfts. "Wir haben in dieser schwierigen Zeit eine große Loyalität unserer Mitarbeiter erfahren, die nicht selbstverständlich ist. Ihnen allen sind wir zu großem Dank verpflichtet", sagte Malchow.

"Nur gerecht"

Die IG Metall zieht daraus den Schluss, das das Beispiel von Bosch Schule macht. "Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung und Dynamik gehe ich davon aus, dass zahlreiche Firmen die Tariferhöhung ebenfalls vorziehen werden", sagte Bezirksleiter Jörg Hofmann in Stuttgart. Die Beschäftigten hätten in der Krise zahlreiche Opfer gebracht. Es sei deshalb mehr als gerecht, wenn jetzt die Entgelte angehoben werden. Seine Hoffnungen erscheinen nicht ohne Aussichten auf Erfolg. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung liebäugelt auch Bosch-Konkurrent Continental mit einem Vorziehen der Lohnerhöhungen.

Schon jetzt, so errechnete das Statistische Bundesamt kürzlich, sind die Reallöhne so stark gestiegen wie seit 2007 nicht. Für das zweite Quartal 2010 ermittelte die Behörde im Vergleich zum zweiten Quartal 2009 ein Plus von durchschnittlich 2,3 Prozent.

Unterstützung von höchster Ebene

Die Bundesregierung hatte zuletzt die Gewerkschaften angesichts des Konjunkturaufschwungs zu kräftigen Lohnforderungen ermuntert. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sagte, zwar entschieden die Tarifpartner über Lohnerhöhungen, aber es gelte die Regel: "Leistung muss sich lohnen." Der Wirtschaftsaufschwung gehöre den fleißigen Menschen im Land.

Zudem bekommen die deutschen Arbeitnehmer Unterstützung aus dem Ausland. Frankreich forderte Deutschland unlängst unmissverständlich auf, endlich wieder höhere Lohnabschlüsse zuzulassen, damit auch die EU-Partner ihre Produkte verkaufen könnten. Die Abnehmer deutscher Produkte könnten diese bald nicht mehr bezahlen, warnte Frankreichs Wirtschaftsministerin Christine Lagarde. Der geringe Lohnzuwachs war im vergangenen Jahrzehnt ein Erfolgsgeheimnis der exportorientierten deutschen Industrie. Die eigenen Produkte blieben billig, während die der Konkurrenten teurer wurden. 

Der Appetit ist geweckt

Für die kommenden Tarifrunden sind die Erwartungen groß. Die wegweisende Marke hatten im September die Stahlarbeiter vorgelegt. Sie haben mit den Arbeitgebern ein Plus von 3,6 Prozent ausgehandelt. Es war die erste Tarifverhandlung nach der großen Krise. Weitere Runden werden folgen. Die Bahngewerkschaften Transnet und GDBA fordern sechs Prozent mehr, die Beamten gar sieben für den Öffentlichen Dienst der Länder.

Die Arbeitgeberseite sieht die Zeit für flächendeckende Lohnerhöhungen noch nicht gekommen und mahnt zu einem differenzierten Blick auf die Branchen. „Der Aufschwung hat noch längst nicht alle Sparten und Betriebe der Metall- und Elektroindustrie erfasst", ließ der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, via Bild-Zeitung wissen. Nach dem bisher tiefsten Absturz müssten erst einmal die Betriebe wieder zu Kräften kommen. Auch das Baugewerbe klagt, der Aufschwung sei dort noch nicht angekommen.
Auch Experten aus der Wissenschaft zeigen sich eher skeptisch.

Experte: Wettbewerb zwingt zur Vorsicht

DIW-Präsident Klaus Zimmermann warnte vor einer "Tarifpolitik des schnellen Geldes". Vor allem exportabhängige Firmen stünden in einem eher noch härter werdenden globalen Wettbewerb um Kosten und Produktivität. Dies zwinge sie, auch in Zukunft bei den Löhnen vorsichtig zu operieren. Die Tarifpolitik der Zukunft wird nach Zimmermanns Ansicht zunehmend von Erfolgsprämien und Einmalzahlungen geprägt sein.

Quelle: RTR/AFP/dapd

 
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