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Poker in vollem Gange: Der Kampf um die WestLB

VON GEORG WINTERS - zuletzt aktualisiert: 16.06.2007 - 14:58

Düsseldorf (RP). Das Interesse der Landesbank Baden-Württemberg hat einige aufgeschreckt. Der Poker um die Anteile des Landes NRW und der Sparkassen ist in vollem Gang. Und auch über die Zukunft von Vorstandschef Fischer wird diskutiert.

Wenn NRW-Finanzminister Helmut Linssen über den geplanten Verkauf des Landesanteils an der WestLB redet, gibt’s immer zwei Aussagen: „Ich habe keine Eile mit dem Verkauf.“ Und: „Ich rede mit vielen, aber darüber rede ich öffentlich nicht.“ Ob unter den vielen die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) respektive deren politische Eigentümer im Ländle sind, lässt er offen.

In Finanzkreisen hieß es gestern, die LBBW wolle die WestLB komplett übernehmen und rede mit allen Eigentümern. Die Geschäftsmodelle der beiden Häuser passten gut zueinander. Die Württemberger haben gerade das Rennen um die Landesbank Berlin aufgegeben. Dort wird der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) für etwa 5,3 Milliarden Euro den 81-Prozent-Anteil des Landes Berlin übernehmen - was bei den Privatbanken den Verdacht hervorgerufen hat, das öffentlich-rechtliche Lager habe sich gegen den Mitbewerber Commerzbank abgesrochen. Die EU-Kommission will das Ganze jetzt prüfen.

Damit hat die WestLB nichts zu tun. Mit der LBBW vielleicht schon. Ein Verkauf der WestLB-Anteile an die Stuttgarter würde allerdings nicht in Helmut Linssens bisherige Strategie passen. Der Minister hat stets die Stärkung des Finanzplatzes Düsseldorf, eine europäische Lösung und eine Entstaatlichung der WestLB als Kriterien für den Verkauf des Landesanteils propagiert. Von europäischer Lösung und Entstaatlichung wäre die LBBW-Lösung weit entfernt.

Damit nicht genug: Nachdem der rheinische Sparkassen-Präsident Karlheinz Bentele dem „Handelsblatt“ gesagt hat, dass alle Anteilseigner die gleichen Rechte hätten, also auch die Sparkassen zum Verkauf ihrer Anteile an die LBBW bereit sein könnten, ist die Stimmung noch angespannter als sie es ohnehin schon war.

Über laufende Gespräche in Sachen Verkauf soll selbst WestLB-Chef Thomas Fischer erst vor wenigen Tagen informiert worden sein. Fischer im Abseits? Dazu passen Informationen aus dem Umfeld der Bank, WestLB-Aufsichtsratschef Rolf Gerlach sei dagegen, den Ende 2008 auslaufenden Vertrag von Fischer zu verlängern. Diese Entscheidung steht zwar noch gar nicht an, aber in Sparkassen-Kreisen dürfte die Meinung zumindest Fürsprecher haben. Dort sind einige nicht gut auf Fischer zu sprechen, weil sie ihm Großmannssucht und Eitelkeit vorwerfen.

Da sind sie sich im Zweifel einig mit NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. Der ist sich mit Fischer nicht mehr grün, seit die Berufung des künftigen RWE-Chefs Jürgen Großmann (Fischer ist RWE-Aufsichtsratschef) am Ministerpräsidenten vorbeigegangen ist. Finanzminister Linssen wiederum steht bei den Sparkassen nicht ganz oben auf der Beliebtheitsskala, weil er die Bildung von Stammkapital und eine Verpflichtung zur Zusammenarbeit mit der WestLB in das neue Sparkassengesetz hinein schreiben will.

Eine unübersichtliche Gemengelage: Gerlach gegen Fischer, die Sparkassen gegen Fischer, die Sparkassen gegen Linssen - und vielleicht auch Rüttgers gegen Linssen, der sich zuletzt in der „Aktien-Affäre“ um die Spekulationsgeschäfte im Eigenhandel der WestLB vor Fischer gestellt hatt. Die könnten die Bank nach neuesten Berechnungen angeblich mit 400 Millionen bis 500 Millionen belasten. Bisher hat die WestLB ein Minus von 243 Millionen Euro eingeräumt.

Vor dem Hintergrund verblasst die Diskussion um die Konsolidierung im Landesbanken-Lager. An deren Notwendigkeit hat Fischer nie gezweifelt, auch wenn er bestimmt nicht auf die Idee gekommen wäre, dass die WestLB dabei am Ende nur ein Juniorpartner sein könnte. Die Düsseldorfer wollten in diesem Konsolidierungsprozess eigentlich eine aktive Rolle spielen.


 
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