GM-Chef Rick Wagoner: Der Mann, der mit Opel jongliert
VON PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 18.02.2009 - 13:35Düsseldorf (RPO). General Motors will 47.000 Stellen streichen, 26.000 davon außerhalb der USA. Auch die Opel-Mitarbeiter in Deutschland bangen nun um ihre Jobs. Sie sind die möglichen Opfer einer verfehlten Geschäftspolitik des Mutterkonzerns in Detroit. Verantwortlich für die Misere ist wie kein zweiter GM-Vorstandschef Rick Wagoner.
Der Auto-Manager erweist sich bereits seit neun Jahren als Überlebenskünstler. Schon oft wurde über seinen Abtritt spekuliert. Doch die zahlreichen Rücktrittsforderungen hat Wagoner bisher abgeschüttelt wie lästige Fliegen. Angesichts seiner Bilanz mutet das wie ein kleines Wunder an.
Katastrophen-Bilanz In der Nacht offenbarte Wagoner mit harten Zahlen, wie tief der Konzern unter seiner Führung in die Krise gefahren ist. Um das Überleben zu sichern, soll der Staat bereits im März 2 Milliarden US-Dollar zuschießen. Insgesamt fordert Wagoner zusätzlich zu den bereits gewährten Krediten in Höhe von 13,4 Milliarden Dollar weitere 16,6 Milliarden. Zudem sieht der "2009-2014 Restructuring Plan" den Abbau von 47.000 Arbeitsplätzen vor.
Hilfe aus dem Ausland Außerdem rechnet General Motors mit staatlicher Unterstützung auch im Ausland. Das Unternehmen befinde sich derzeit in Verhandlungen mit den Regierungen in Deutschland, Kanada, Großbritannien, Schweden und Thailand. Dabei gehe es um eine Unterstützung von insgesamt bis zu 6 Milliarden Dollar.
Marken abstoßen Vier Marken aus der in den USA angebotenen Produktpalette sollen abgestoßen werden oder ganz verschwinden: Hummer soll verkauft, Saturn bis Ende 2011 eingestellt werden. Für Pontiac und Saab würden die verfügbaren Optionen noch geprüft. Übrig bleiben Chevrolet, Buick, Cadillac und GMC.
Und Opel? Opel spielt nur eine untergeordnete Rolle. Im Sanierungskonzept wird der deutsche Autobauer nur einmal erwähnt: Mit einem Hinweis, dass mehr als zwei Drittel der potenziellen Opel-Käufer bei einer Insolvenz von General Motors ihre Kaufabsicht ändern würden. Entscheidend ist in dieser Lage nur eins: das eigene Überleben. Sollten staatliche Hilfsgelder aus deutscher Quelle dazu beitragen, wird GM sie gerne annehmen.
Partnersuche Es ist bezeichnend, dass die Opel-Führung zusammen mit GM Europa und dem Gesamtbetriebsrat am Mittwoch erklärte, man sei unter bestimmten Bedingungen zu Verhandlungen über "Partnerschaften und Beteiligungen mit Dritten" bereit. In der Erklärung heißt es wörtlich: "Wenn es für den nachhaltigen Erfolg von GME und Opel Sinn macht, ist das Management auch bereit, über Partnerschaften und Beteiligungen mit Dritten zu verhandeln."
Katastrophe mit Ankündigung Das Desaster hat sich schon seit Jahren abgezeichnet. GM geriet bereits im Jahr 2005 als erster der großen drei amerikanischen Autobauer in ernsthafte Bedrängnis. Seitdem fährt der Konzern unter der Führung von Wagoner in schöner Regelmäßigkeit Milliardenverluste ein.
Strategiefehler Die Fehler des Managements sind zahlreich. Kritiker heben vor allem die uninspirierte Produktpalette von GM hervor. Verbraucher in den USA kaufen lieber einen Toyota. Als der Konkurrenzdruck zunahm, hat GM lieber auf folgenschwere Rabatte gesetzt als den Wettbewerb anzunehmen. Das Geschäftsmodell bevorzugte weiterhin schwere Geländewagen und Transporter, anstatt mit neuen Ideen die Märkte der Zukunft zu gestalten. Die GM-Modelle gelten seither als blecherne Langeweile.
Die personifizierte Misere Rick Wagoner gibt dieser drögen Geschäftspolitik das Gesicht. Der wenig charismatische Manager gilt eher als Fachmann für Zahlen. Ihm eilt der Ruf voraus, mehr von Steuern und Bilanzen zu verstehen als von Autos. Der studierte Wirtschaftswissenschaftler begann seine Karriere in der Finanzabteilung. Gedanklich ist er auch nach seinem Wechsel an die Konzernspitze im Jahr 2000 dort geblieben. GM bevorzugte statt technischer Innovation in Sachen Sicherheit, Umweltverträglichkeit und Verbrauch lieber attraktive Finanzierungsmodelle.
Folgen für Opel Mit fatalen Folgen für die noch halbwegs gesunden Töchter in Europa. In Politik und Managementkreisen wird immer wieder eine Loslösung aus dem GM-Verbund als vielversprechende Überlebensoption gehandelt. Doch wird sich Wagoner darauf kaum einlassen. Da GM ohne Opel überhaupt keinen Gewinnbringer mehr hat, würden Wagoner höchstens einem Teilverkauf zustimmen.
Obamas Marionette Ob der Konzernchef dazu allerdings noch maßgeblich beitragen kann, erscheint höchst fraglich. Der Manager gilt als Marionette des neuen US-Präsidenten Barack Obama. Über die Zukunft von GM wird die Politik bestimmen. Im US-Kongress hat das Lager derer, die GM nicht noch mehr Geld geben wollen, fast eine Mehrheit.
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