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Opel-Betriebsrat Klaus Franz misst sich mit GM: Der Ober-Überlebenskämpfer gibt nicht auf

zuletzt aktualisiert: 10.11.2009 - 21:44

Rüsselsheim (RPO). Bei den einen heißt er Mr. Opel. Bei den anderen leicht spöttisch "Kaiser Franz". Wenn es jemanden gibt, der sich im Überlebenskampf des Autobauers zerreißt, dann ist es Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz. An diesem Dienstag trifft er angeblich auf GM-Boss Fritz Henderson. Im Kampf um Opel hat Franz vorsorglich neue Geschütze gegen den US-Konzern in Stellung gebracht.

Nach Angaben aus informierten Kreisen will Henderson sich zunächst mit Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz treffen. Für den Nachmittag sind Gespräche mit Führungskräften des Autoherstellers geplant. Wie mehrere Zeitungen übereinstimmend berichten hat der Betriebsrat sich bereits am Freitag an EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes gewandt und ein Eingreifen der Behörde gegen GM verlangt.

Sein Argument: Der US-Konzern verstoße mit seinen Sanierungsplänen gegen das europäische Wettbewerbsrecht. GM plane in Großbritannien, Spanien und Polen um Staatshilfen nachzufragen. Die EU müsse sicherstellen, dass dies nicht mit Standortgarantien verknüpft werde.

Franz bleibt sich treu. Er ist ein Kämpfer. Anderen hätte eine derart bittere Niederlage wie die Opel-Kehrtwende von GM wohl das Genick gebrochen. Franz ficht das nicht an. Die erste Auseinandersetzung um einen neuen, selbständig agierenden Opel-Konzern habe die Belegschaft verloren, räumt der 57-Jährige unverblümt ein. Und doch will er den Bossen des alten und neuen Opel-Eigners General Motors weiter die Stirn bieten.

"Ich bin voller Kampfeslust", sagt Franz. Das Ringen um mehr Eigenständigkeit für den Rüsselsheimer Autobauer werde weitergehen. Fast ein Jahr lang hat Franz um die Unabhängigkeit von Opel gekämpft. Er hat sich politische Unterstützung bis hinein ins Kanzleramt gesichert. Er glaubte zeitweise sogar das Management von GM auf seiner Seite, bis der Traum von Opel als globaler Automarke am Verwaltungsrat des US-Konzerns scheiterte.

"Es war kein verlorenes Jahr", sagt Franz im Rückblick. Der Kampf um mehr Unabhängigkeit habe zumindest ein Ergebnis gebracht: "Wir haben Opel vor dem Untergang am 1. Juni 2009 gerettet." Damals sah es in der Tat finster aus für Opel. Der deutsche Autobauer drohte in der Strudel der Insolvenz von GM hineingerissen zu werden. Erst der staatliche Brückenkredit über 1,5 Milliarden Euro sicherte das Überleben.

Der 57-Jährige war in den vergangenen Monaten der Mann, der Opel derzeit ein Gesicht gegeben hat: Während sich Opel-Geschäftsführer Hans Demant oder der inzwischen abgelöste Aufsichtsratschef Carl-Peter Forster in der Öffentlichkeit rar machten, verging kaum ein Tag, an dem Franz nicht zur Opel-Krise Interviews gab oder die Medienberichterstattung in seinem Sinne zu beeinflussen versuchte. "Mister Opel" nennen ihn die Bewunderer unter seinen Weggefährten, "Kaiser Franz" die Spötter.

Nie mit Schlips und Kragen

Franz scheut sich auf Betriebsversammlungen nicht vor klaren Worten, doch wartet er in der Regel lange, bis er zu Arbeitsniederlegungen aufruft. Im Umgang mit den Opel-Bossen setzt der ehemalige Autolackierer auf Diplomatie. Franz sieht sich nicht als Gegner der Unternehmensführung, sondern als Co-Manager. Co-Management bedeute nicht, dass der Betriebsrat dem Management "auf dem Schoß sitze", betont der 57-Jährige. Co-Management bedeute "verhandeln und kämpfen, kämpfen und verhandeln". Dabei hat er immer wieder gezeigt, dass er im Ringen mit Konzernbossen weiß, wann es Zeit ist, den Rückzug anzutreten.

Klaus Franz wurde am 4. April 1952 in Bad Cannstatt geboren. Nach der Schule macht er zunächst eine Lehre als Drogist, anschließend eine Ausbildung an der Fotofachschule in Kiel. 1975 fängt er im Rüsselsheimer Opel-Werk an. Franz beginnt bald, sich gewerkschaftlich zu engagieren. Er schlägt das Angebot aus, Meister zu werden und lässt sich 1981 in den Betriebsrat wählen, wo er nach und nach aufsteigt. Nebenher studiert er und macht 1994 sein Diplom als Sozialarbeiter. Seit 2000 ist er Vorsitzender des Rüsselsheimer Opel-Betriebsrates, zugleich Vorsitzender des Opel-Gesamtbetriebsrates und der europäischen Arbeitnehmervertretung von General Motors.

"GM verhindert unser Wachstum"

Es waren keine einfachen Jahre für einen Betriebsratschef. 2001 kam Carl Peter Forster als Vorstandschef zu Opel und es begann ein harter Sanierungskurs. Mehrfach sind seither die Einkommen der Opel-Mitarbeiter beschnitten worden. Hart kämpfte Franz dagegen um den Erhalt der Arbeitsplätze, letztlich vergeblich. 2004 wurden rund 12.000 Stellen bei Opel gestrichen, davon fast 10.000 Stellen in Deutschland. Immerhin konnte der Betriebsrat aber Werksschließungen verhindern und großzügige Abfindungen durchsetzen.

Eine Wachstumsoption aber war mit dem damaligen Sanierungskonzept nur in Europa verbunden, wie Franz in den Folgejahren nicht müde wurde zu kritisieren: "GM verhindert unser Wachstum." Während BMW, Mercedes und Volkswagen weltweit immer mehr Autos verkauften, bleibe Opel unter dem Diktat der US-Mutter eine europäische Regionalmarke. Das ist der Grund, weshalb der Betriebsratschef so sehr für mehr Eigenständigkeit von Opel eintritt.

Quelle: AP/pst

 
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