Solarworld bietet 250 Millionen Euro: Der "Sonnenkönig" greift nach Opel
zuletzt aktualisiert: 19.11.2008 - 16:12Bonn (RPO). Der Gesamtbetriebsrat des Autoherstellers Opel sieht das Übernahmeangebot des Bonner Solarunternehmens Solarworld nicht als Option für die Zukunft der vier deutschen Werke. Es sei ironisch gemeint, denn ernst nehmen könne man die Offerte schließlich nicht. Solarworld-Chef Frank Asbeck betonte aber, dass das Angebot absolut ernst gemeint ist.
Solarworld plant nach eigenen Angaben ein Übernahmeangebot für die deutschen Opel-Standorte. 250 Millionen Euro will das Unternehmen für Opel zahlen. Solarworld will aus Opel den ersten "grünen" europäischen Autohersteller Europas machen. "Das Angebot ist ernst gemeint. Es geht mir darum, den Verkaufsprozess für Opel in Gang zu setzen", sagte Solarworld-Chef Frank Asbeck dem "Handelsblatt". Die nötigen Barmittel in Höhe von 250 Mio. Euro stünden bereit. Zudem gebe es Banklinien über 750 Mio. Euro, die bei einer Bundesbürgschaft genutzt werden könnten.
Kein Scherz und keine PR-Kampagne
Es handelt sich somit offenbar um keinen Scherz oder gar eine aufwendige PR-Kampagne. Obwohl dies dem Solarworld-Chef Frank Asbeck durchaus zuzutrauen wäre. In der Branche gilt der Unternehmer als bunter Vogel. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Im Sommer trägt Asbeck gerne bunte Bermudas mit Gesundheitssandalen. Wird es kälter, trifft man ihn meistens mit Janker und grellen Einstecktüchern.
Die exotische Erscheinung des "Sonnenkönigs"
Der Haupsitz der Solarworld AG residiert in der ehemaligen Saarländischen Landesvertretung in Bonn. Innerhalb von zehn Jahren hat Asbeck die Solarworld AG von einer kleinen Klitsche zu einem erfolgreichen Solarkonzern aufgebaut. Er selbst entwickelte sich zum Börsenliebling und grünen Vorzeigeunternehmer. Aufgrund seiner exotischen Erscheinung und seines stattlichen Privatvermögens, hat ihn mittlerweile die Boulevardpresse zum "Sönnenkönig" von Bonn gekürt.
Ursprünglich stammt Asbeck aus Dortmund, wo sein Urgroßvater 1870 die Stahlwerke Südwestfalen gründete. Der Enkel ging einen anderen Weg. Vor seinem Engagement im Solargeschäft baute Frank Asbeck mit seinem Ingenieurbüro Kesselanlagen zur Herstellung von Babynahrung ab und verkaufte diese nach Griechenland. Ein anderer Geschäftsbereich war der Vertrieb von Schweißmaschinen in der Türkei.
Vom Obsthändler zum Solarriesen
Asbeck ist Händler von Kopf bis Fuß. Schon sein Studium finanzierte er mit dem Ertrag aus einer Streuobstwiese, die er auch heute noch bewirtschaftet. Mit 24 Jahren versuchte er sich an der Sanierung von Palmölfabriken in Afrika. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland gründete er 1988 sein Ingenieurbüro in Bonn. Fünf Jahre später folgte dann der Einstieg ins Solargeschäft. Asbeck bewarb sich für ein Fotovoltaikprojekt der Bonner Stadtwerke. Er wurde zum Großimporteur für Solaranlagen des Ölmultis BP. 1998 gingen die Geschäftsaktivitäten im Geschäftsfeld Solarenergie auf die neu gegründete SolarWorld AG über.
Im vergangenen Jahr setzte Solarworld knapp 699 Millionen Euro um. Weltweit beschäftigt der Konzern 2254 Menschen und zählt nach eigenen Angaben zum internationalen Spitzentrio der Solarstromindustrie. Der Gewinn lag bei 113,3 Millionen Euro.
Opel wäre nicht die erste spektakuläre Übernahme der Solarworld AG. Bereits im Frühjahr 2006 geriet das Unternehmen mal wieder in die Schlagzeilen, als Frank Asbeck dem Ölriesen Shell einen großen Teil seiner Solarenergieaktivitäten abkaufte. Solarworld wurde auf einen Schlag Marktführer in den USA – und drittgrößter Solarkonzern weltweit.
Opel soll zukünftig Solarflitzer bauen
Eine weitere Paralelle zu 2006 ist die Entwicklung des Aktienkurses. Auch nach dem Geschäft mit Shell brachen die Aktienkurse zunächst ein, bevor sie im Anschluss wieder steil nach oben gingen. Heute stürzten die Solarworld-Aktien nach der Bekanntgabe der Opel-Pläne um 14,5 Prozent auf 14 Euro ab und waren damit größter Verlierer im TecDax.
Frank Asbeck kann das aber nicht abschrecken. Solarworld will nach eigenen Angaben die erfolgreichen Opel-Baureihen weiterentwickeln und neue Autos mit effizienten und schadstoffarmen Antrieben herstellen. Bei einer Umsetzung der Pläne würde Opel künftig besonders Elektro- und Hybridfahrzeuge herstellen.
"Die Herausforderungen des Klimaschutzes und des Marktes lassen sich nur durch einen Übergang von Automotive- zu Sunmotivekonzepten bewältigen", erklärte Asbeck. Der Konzern arbeite bereits seit einigen Jahren an der Entwicklung und Erprobung von Elektrofahrzeugen, die mit Solarenergie erfolgreich Rennen bestritten.
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