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Der Zebrastreifen für die Bierflasche: Der Strichcode feiert 30. Geburtstag

zuletzt aktualisiert: 01.07.2007 - 12:43

München (RPO). Man mus schon Mitte 30 sein, um sich noch daran zu erinnern: Damals klebten auf sämtlichen Produkten in Supermärkten Preisschilder. Eine Wahnsinnsarbeit für die Angestellten, die jede Soße, jede Schokolade, jeden Joghurt entsprechend kennzeichnen mussten. Doch dann - am 1. Juli genau vor 30 Jahren - erschienen plötzlich Etiketten mit schwarz-weißen Strichen und Zahlen auf den Produkten: Der Strichcode hatte Deutschland erreicht. Doch auch sein Ende ist bereits besiegelt.

Die vielen "Tante Emmas" in Deutschland werden sich ebenso die Augen gerieben haben wie die Kassiererinnen der immer schneller wachsenden Supermärkte: Am 1. Juli 1977 brachte der Gewürzhersteller Wichartz aus Wuppertal eine Gewürzmischung in die Regale, auf der eine Art Zebrastreifen und dreizehn Zahlen gedruckt waren.

Was sie bedeuten sollten, wussten damals die wenigsten Verkäufer und erst recht nicht die Kunden. Doch nach anfänglichen Startschwierigkeiten entwickelte sich der Strichcode zu einem der erfolgreichsten Standards der Welt, in Deutschland wird er inzwischen fast auf jede Ware gedruckt. Wie den verschwundenen "Tante Emma"-Läden droht aber auch den charakteristischen Balken im Handel das Aus.

Logische Bedeutung

Die auf den ersten Blick verwirrende Folge von dünnen und dicken Strichen und Leerräumen hat eine ganz logische Bedeutung: Sie steht für Zahlen, die unterhalb des Strichcodes auch ausgeschrieben stehen. Die ersten drei Ziffern geben das Herkunftsland an, die folgenden vier den Hersteller, dann folgen fünf Ziffern für die vom Hersteller ausgewählte Artikelnummer und am Ende eine Prüfziffer. So wird der herkömmliche Biertrinker auf seiner Flasche höchstwahrscheinlich eine Zahl zwischen 400 und 440 finden, da dies die Kennung für deutsche Produkte ist. Beim Getränke-Exoten könnte dagegen am Anfang die 609 stehen, der Ziffer für Mauritius.

Die Idee für solch ein System hatten die amerikanischen Wissenschaftler Joseph Norman Woodland und Bernard Silver 1949. Damals schafften sie es, mit einem Lesegerät einen Strichcode zu entziffern. Doch noch weit über das Jahr 1977 hinaus mussten in den Supermärkten die Beschäftigten mit dem Etikettierer von Regal zu Regal ziehen, um Preise auf die Waren zu kleben. Erst Ende der 80er Jahre schafften sich die großen Supermarktketten in Deutschland die nötigen Scanner-Kassen an, mit denen die Produkte erkannt werden können. Der Discounter Aldi ließ noch bis vor ein paar Jahren Preise eintippen.

Computer sorgte für Siegeszug

Der Erfolg der Computer sorgte für den Siegeszug, den der mittlerweile in 105 Ländern geltende Standard erlebte. Denn die Unternehmer lesen nicht nur für die Kasse den Preis über den Strichcode ab. Die Informationen werden auch dafür genutzt, um das Auffüllen der Regale zu organisieren oder Bestellungen von Neuware zu optimieren.

Diese verbesserten Abläufe hätten die Kosten der Supermärkte gesenkt, sagt der Sprecher des Einzelhandelsverbands HDE, Olaf Roik. Für die Kunden habe dies in den vergangenen 30 Jahren bares Geld gebracht, da Einsparungen sich auch in niedrigeren Preisen niedergeschlagen hätten. Die Wartezeiten an den Kassen wurden dagegen kaum kürzer.

"Kaum eine technologische Innovation hat die Wirtschaft so nachhaltig beeinflusst wie der Barcode", sagt Jörg Pretzel, Geschäftsführer des für die kostenpflichtige Vergabe der Artikelnummern verantwortlichen Unternehmens GS1 Germany. Die Nachfolgelösungen stehen aber bereits in den Startlöchern. Im Jahr 2010 soll ein "renovierter" Strichcode auf die Produkte kommen, er ist nur etwa halb so groß wie der jetzige. Und schon länger scharren, unterstützt von der Politik, die Entwickler der Radiofrequenz-Technologie, kurz RFID, mit den Hufen.

Ablösung in Sicht

Mit Hilfe der RFID-Minisender können Daten berührungslos und ohne Sichtkontakt gelesen und gespeichert werden: "Technisch ist es machbar, einen gefüllten Einkaufswagen an der Kasse auf einen Schlag zu registrieren, ohne die Ware zunächst auf ein Förderband zu legen und damit ohne Wartezeit", pries das Bundeswirtschaftsministerium eine Anwendermöglichkeit der Technik. Nach der am Dienstag beendeten RFID-Konferenz erklärte Wirtschafts-Staatssekretär Bernd Pfaffenbach die Einführung zu einer "der wichtigsten technologischen Herausforderungen der kommenden Jahre."

Bislang stehen der im Vergleich zum Strichcode hohe Preis und Bedenken von Datenschützern einer größeren Verbreitung der High-Tech-Chips noch im Wege. Die auch für die RFID-Chips verantwortliche GS1 geht davon aus, dass dennoch bis zum Jahr 2015 alle Produkte in den Supermärkten die neue Etikette tragen.

Quelle: afp2

 
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