Insolvenzverwalter attackiert Borletti: Der Ton im Karstadt-Poker wird rauer
zuletzt aktualisiert: 31.08.2010 - 16:15Essen (RPO). Der Ton im Karstadt-Poker wird rauer. Mit scharfen Worten wies Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg am Dienstag das Kaufangebot des italienischen Kaufhausbetreibers und Karstadt-Interessenten Maurizio Borletti zurück. Die angeblich unterschriftsreifen Verträge für einen Kauf der insolventen Warenhauskette seien ohne Substanz, erklärte Görg in Essen.
In einem Brief, den Görg an die Gruppe des Italieners schrieb, heißt es: "Die mir übermittelten Texte enthalten in ganz wesentlichen Teilen Hoffnungen und sie enthalten Lücken, die die von Ihnen geäußerte Erwartung, dass mit Ihrer Hilfe die Liquidation von Karstadt nach einem Scheitern des Berggruen-Prozesses abgewandt werden könnte, widerlegen."
So liegen Görgs Angaben zufolge unter anderem - anders als behauptet - keine unterschriebenen Mietverträge mit dem Vermieterkonsortium Highstreet vor. Zudem seien die Finanzierung des Borletti-Angebots sowie kartellrechtliche Fragen ungeklärt.
Dass er Inhalte aus seinem Brief an Borletti veröffentliche, liege am bevorstehenden Treffen eines Teils der Highstreet-Gläubiger am Donnerstag (2. September) in London, sagte Görg. Dort soll über die künftigen Mietkonditionen für die Karstadt-Käufhäuser abgestimmt werden. Jeder der Beteiligten "kann, soll und muss wissen, dass Borlettis Papiere nicht unterschriftsreif sind", erklärte Görg. Die Mutmaßung, Borlettis Angebot könne besser sein als das Angebot des vorgesehenen Karstadt-Käufers Nicolas Berggruen, erschließe sich nach Analyse der Texte des Italieners nicht.
Mit Berggruen besteht Kaufvertrag
Borletti hatte Ende Juli überraschend ein Angebot für Karstadt abgegeben, obwohl die Frist bereits mehrere Monate abgelaufen war. Görg hatte auf die Offerte ablehnend reagiert. Trotzdem legte Borletti vor wenigen Tagen ein überarbeitetes Angebot vor.
Eigentlich soll jedoch der deutsch-amerikanische Investor Berggruen Karstadt übernehmen. Mit ihm besteht bereits ein Kaufvertrag. Dieser ist allerdings noch nicht in Kraft getreten, weil sich Berggruen und das Vermieterkonsortium Highstreet bislang nicht auf die künftigen Mietkonditionen einigen konnten.
Das Amtsgericht Essen will am Freitag (3. September) über den Karstadt-Insolvenzplan entscheiden. Der Termin war zuvor bereits viermal verschoben worden, weil eine Einigung im Mietstreit noch ausstand.
Sollten die Highstreet-Gläubiger am Donnerstag ihre Zustimmung zu den von Berggruen geforderten niedrigeren Mieten verweigern, droht Karstadt die Zerschlagung. Rund 25 000 Beschäftigte müssten dann um ihren Arbeitsplatz bangen.
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