Bundesagentur legt Zahlen vor: Deutlich weniger Arbeitslose im April
zuletzt aktualisiert: 29.04.2010 - 11:25Nürnberg (RPO). Die konjunkturelle Erholung in Deutschland schlägt überraschend stark am Arbeitsmarkt durch. Im April registrierte die Bundesagentur für Arbeit nur noch 3,406 Millionen Arbeitslose und damit 162.000 weniger als im März, wie die Behörde am Donnerstag in Nürnberg mitteilte.
Analysten hatten lediglich einen Rückgang um 78.000 erwartet. Die Arbeitslosenquote ging von 8,5 auf 8,1 Prozent zurück. Damit wurden 178.000 Erwerbslose weniger gezählt als ein Jahr zuvor und so wenige wie seit Dezember 2009 nicht mehr.
"Auf dem Arbeitsmarkt hat es im April einen unerwartet kräftigen Frühjahrsaufschwung gegeben", sagte BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise. Insgesamt seien die Auswirkungen der Krise weiter moderat - vor allem, weil Kurzarbeit und andere betriebliche Vereinbarungen den Arbeitsmarkt entlastet hätten.
"Die Arbeitskräfte-Nachfrage hat deutlich zugelegt." Impulse kämen vor allem aus der Gastronomie, dem Einzelhandel und Gesundheitsberufen. "Der Arbeitsmarkt hat sich abgekoppelt von der unsicheren Wirtschaftslage", ergänzte Weise.
Auch Ökonomen sehen das so. "Das deutsche Job-Wunder setzt sich fort", sagte Postbank-Experte Heinrich Bayer. "Und das nach diesem massiven Wirtschaftseinbruch. Das ist fast eine sensationelle Entwicklung." Es zeichne sich ab, dass sich diese positive Entwicklung fortsetze. "Damit stehen die Chancen gut, dass wir in diesem Jahr im Schnitt weniger Arbeitslose haben werden als im Krisenjahr 2009", sagte der Experte von HSBC Trinkaus, Lothar Hessler.
Weise warnt vor zu viel Optimismus
BA-Chef Weise warnte aber auch vor zu optimistischen Erwartungen. Die wirtschaftliche Lage bleibe unsicher - viele Staaten kämpften mit sehr hohen Verschuldungen und auch die Banken seien noch nicht über den Berg.
Bereinigt um jahreszeitliche Schwankungen ging die Zahl der Arbeitslosen um 68.000 zurück. Hier hatten Analysten ein Minus von 10.000 erwartet.
Die Wirtschaft ist primär wegen besser laufender Exporte wieder angesprungen. Die Industrie erhält vor allem aus den schnell wachsenden Schwellenländern wie China immer mehr Aufträge: Im ersten Quartal 2010 steigerten zum Beispiel Audi, BMW und Daimler ihre Verkaufszahlen in der Volksrepublik auf Rekordniveaus. Dabei hilft der schwächelnde Euro, der deutsche Waren dort billiger macht.
Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist inzwischen so gut wie seit zwei Jahren nicht mehr, wie das Ifo-Institut bei seiner monatlichen Umfrage unter 7000 Firmenchefs herausfand. Die Bundesregierung geht deshalb davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen in diesem und im nächsten Jahr jeweils bei 3,4 Millionen liegen wird.
Zwei Prozent weniger in NRW
Die Zahl der Arbeitslosen in Nordrhein-Westfalen ist im April im Vergleich zum Vormonat um knapp zwei Prozent auf 807.870 Personen gesunken. Das teilte die Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag mit. Die Arbeitslosenquote sank danach von 9,1 Prozent im März auf 9,0 Prozent im April. Gegenüber dem März und auch gegenüber dem April des Vorjahres ging die Arbeitslosigkeit in allen Regionen des Landes zurück.
Von einer Trendwende kann aus Sicht der Chefin der Regionalagentur NRW der Bundesagentur für Arbeit, Christiane Schönefeld, jedoch keine Rede sein. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit im April sei saisontypisch. Angesichts der anhaltenden Wirtschaftskrise liege das Kernproblem des Arbeitsmarktes weniger in anstehenden Entlassungswellen, sondern in der verhaltenen Arbeitskräftenachfrage der Wirtschaft.
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