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Medien berichteten über Einsparungen
Bahnchef Grube: Bahncard wird nicht abgeschafft

So sieht der ICE 3 aus
So sieht der ICE 3 aus FOTO: dpa, dan lre
Berlin. Die Deutsche Bahn plant einem Medienbericht zufolge eine Abschaffung der BahnCard und andere Einsparungen im Fernverkehr. Auch die Streichung aller Nachtzüge sei im Gespräch, berichtete der Radiosender HR Info am Donnerstag unter Berufung auf eine vertrauliche Vorlage für den Aufsichtsrat. Die Deutsche Bahn dementiert umgehend.

Bahnchef Rüdiger Grube hat einen Bericht über die Abschaffung der Bahncard als "Quatsch" bezeichnet. "Es gibt kein Abschaffen der Bahncard, das ist völliger Quatsch", sagte Grube am Donnerstag in Hannover. Grubes Dementi wurde durch die Aussagen von Verkehrsminister Alexander Dobrindt und einem Vorstandskollegen bei der Bahn unterstützt.

Vorstandsmitglied Ulrich Homburg sagte, dass das Bahncard-Angebot sogar erweitert und nicht eingeschränkt werde. "Die Bahncard wird es weiter in bisheriger Form geben", sagte Homburg am Donnerstag . Mit der Bahncard 50 könne man auch künftig Fahrscheine zum halben Preis erwerben. Die Bahncard 25 bringt weiterhin 25 Prozent Rabatt. Dies gelte auch für Sonderangebote (Sparpreise). Die Bahn überlege jedoch, Kundengruppen, die sich von den bisherigen Bahncards nicht angezogen fühlten, zusätzliche Rabattmöglichkeiten einzuräumen. Alexander Dobrindt (CDU), Verkehrsminister des Bundes, sagte zur Bahncard: "Sie ist beliebt, hat sich bewährt und wird Bestand haben". Der Bund ist Eigentümer des Bahn-Konzerns.

Die Bahn reagierte mit ihren Erklärungen auf Berichte des Radiosenders HR Info. Dieser hatte berichtet, dass die Bahn die BahnCard abschaffen wolle. Der Sender zitierte aus einer Vorlage, die im Aufsichtsrat des Unternehmens verhandelt werden sollte. Bei der Sitzung des Gremiums am 10. Dezember wolle sich das Management die Abschaffung der BahnCard genehmigen lassen, so der Tenor des Radioberichtes. Sie solle zu einem Kundenkonto umgewandelt werden, das nur noch "Rabatte gemäß Auslastung eines Zuges und individuelle Rabatte nach Kundenumsatz" garantiere, also für Großkunden und Vielfahrer.

Desweiteren berichtete HR Info, der Staatskonzern wolle im Fernverkehr drastisch sparen und die Kosten bis 2019 um 1,5 Milliarden Euro senken. Unwirtschaftliche Linien sollten eingestellt und die Nachtzüge nur noch "abhängig vom Optimierungspotential" weitergeführt werden. Der Umsatzverlust durch die Fernbus-Konkurrenz werde mit mittelfristig 240 Millionen Euro pro Jahr beziffert. 2014 seien es rund 120 Millionen.

Aufsichtsrat berät über Anpassung des Geschäftsmodells

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn will am kommenden Mittwoch über mögliche Änderungen am Geschäftsmodell für den Fernverkehr beraten. Das Kontrollgremium will in der turnusmäßigen Sitzung aber keinen Beschluss zu Änderungen an der Preisstruktur fassen, wie die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag aus zwei zuverlässigen Quellen erfuhr. Es gebe dazu auch keine Beschlussvorlage.

Dem Aufsichtsrat liegt nach dpa-Informationen eine 33-seitige Unterlage des Managements vor. Darin werden verschiedene Szenarien für Änderungen an der Preisstruktur und am Zugangebot dargestellt. Der "Zwischenbericht" solle als Diskussionsgrundlage dienen. Der Bahn-Vorstand habe den Auftrag, bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung im März 2015 einen Abschlussbericht mit konkreten Vorschlägen zu erarbeiten, hieß es.

HR Info blieb bei seiner Darstellung

HR Info hatte sich bei Twitter zwischenzeitlich zu dem Dementi geäußert. Der Sender bleibt bei seiner Darstellung und bezeichnet seine Quelle als "zuverlässig".

Die Redaktion twitterte zudem ein "Beweisfoto" der Vorlage.

Seit mehr als 22 Jahren steckt die BahnCard in den Geldbörsen von Millionen Reisenden. Seit der Einführung 1992 hat die Bahn mehr als fünf Millionen der 8,5 mal 5,3 Zentimeter kleinen Plastikkärtchen verkauft. Mit rund 3,5 Millionen Kunden sei die BahnCard 25 besonders beliebt, teilt das Unternehmen mit. Knapp 1,5 Millionen sind mit der BahnCard 50 unterwegs. Eine BahnCard 100 nutzen fast 43 000 Reisende. "Erfinder" ist Hemjö Klein. Als Personenverkehrs-Vorstand hatte er seinerzeit die Idee, aus den verschiedenen Junioren-, Senioren-, Familien- und Taschengeld-Pässen eine einzige Karte zu machen.

(REU)
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