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Jain und Fitschen gehen
Der Brite John Cryan übernimmt bei der Deutschen Bank

Deutsche Bank: John Cryan folgt auf Jürgen Fitschen und Anshu Jain
Der Brite John Cryan soll die Deutsche bank wieder in die Spur bringen. Er wird der Nachfolger von Fitschen und Jain. FOTO: ap
Frankfurt/Main. Die Kritik war wohl zu heftig, die Erfolge überschaubar und der Kulturwandel nicht überzeugend genug: Die Co-Chefs der Deutschen Bank, Fitschen und Jain, kündigen ihren Abgang an. Der Brite John Cryan soll das Geldhaus nun wieder in die Spur bringen.

Die Tage der Doppelspitze bei Deutschlands größter Bank sind gezählt: Spätestens im kommenden Frühjahr wird die Deutsche Bank wieder von einem einzigen Vorstandschef regiert, dem Briten John Cryan. Der 54-Jährige soll bereits in rund drei Wochen Anshu Jain an der Spitze des Geldhauses ersetzen und die Bank für eine Zwischenzeit dann noch mit dem anderen Co-Chef Jürgen Fitschen führen.

Ab Mai 2016 wird Cryan, der Mann mit der auffälligen Halbglatze, dann alleine an der Spitze des skandalgeplagten Frankfurter Instituts stehen. Die Herausforderungen für ihn sind gewaltig. Er soll das verlorene Vertrauen bei Investoren und Mitarbeitern in das Management der Deutschen Bank wiedergewinnen, die vielen Rechtsstreitigkeiten beilegen und das Institut wieder zu alter Renditestärke führen.

Teure juristische Pleiten für die Deutsche Bank

Viele trauen ihm zu, den lang versprochenen Kulturwandel in Gang zu setzen: "Cyran ist bescheiden und vertrauensvoll", sagt ein Branchenkenner. "Er mag das Understatment - im Gegensatz zu der 'Masters-of-the-Universe'-Generation, zu der Jain gehört." Anders als Jain spricht Cryan gut Deutsch - er lebte zeitweise in München, als er bei S.G. Warburg einer der führenden Investmentbanker für die Finanzbranche war. Das dürfte in der Öffentlichkeit und auch in der Politik gut angekommen, wo man es schätzt, wenn man sich mit dem Chef der Deutschen Bank vertrauensvoll in seiner Landessprache austauschen kann.

Cryan wohnt noch in London, doch in seiner neuen Rolle werde er nach Deutschland ziehen, sagte eine Person aus dem Umfeld der Deutschen Bank. Es sei immer klargewesen, dass Cryan der "Plan B" sei, wenn Jain kurzfristig gehe.

Cryan kennt die Probleme der Deutschen Bank

Cryan sitzt seit 2013 im Aufsichtsrat der Deutschen Bank und hat sich ein gutes Bild von den Problemen des Instituts machen können. Er unterstütze grundsätzlich den von Jain und Fitschen kürzlich eingeleiteten Strategiewechsel, sagt ein hochrangiger Bank-Insider. "Die Strategie wird nicht umformuliert, aber es gibt offensichtlich Spielraum bei der Ausarbeitung der Details."

Bei der UBS hat Cryan schon einmal geholfen, eine Bank aus dem Schlamassel zu ziehen. 2008 wurde der Cambridge-Absolvent Finanzchef bei der Schweizer Großbank - mitten in der Finanzkrise. Er baute die riskanten Kreditderivate konsequent ab und etablierte neue Überwachungssysteme für die Bilanzrisiken des Instituts. 2011 verließ er die UBS und heuerte beim Staatsfonds Temasek aus Singapur an, wo er von 2012 bis 2014 Europa-Chef war.

Nun wird also "CEO, Deutsche Bank" als nächste Station in seinem Lebenslauf stehen. In Wirtschaft und Politik hoffen viele, dass Cryan die Deutsche Bank wieder in ruhigeres Fahrwasser lenken kann. Von einem hochrangigen Vertreter der deutschen Wirtschaft bekommt er einen Vertrauensvorschuss. "Das sind gute Nachrichten", sagte er nach Cryans Berufung.

Milliardenschwere Rechtsstreitigkeiten, eine unrühmliche Vergangenheit und eine maue Aktienkursentwicklung: Das Duo Jain/Fitschen sah sich seit Jahren Kritik aus vielen Richtungen gegenüber. Bei der Hauptversammlung im Mai räumten beide auch selbst ein, dass ihre bisherige Amtszeit seit Juni 2012 keine reine Erfolgsgeschichte gewesen sei. Am Sonntag hatten beide ihren Abgang angekündigt.

(REU/dpa)
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