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Personal und Konzernstruktur
Deutsche Bank kündigt umfassenden Umbau an

Deutsche Bank kündigt umfassenden Umbau an
Bei der Deutschen Bank soll sich eine Menge ändern. FOTO: dpa, fru tba soe
Frankfurt/Main. Das Stühlerücken bei Deutschlands größtem Geldhaus hat begonnen. Der neue Chef, John Cryan, drückt aufs Tempo: Mehrere Top-Manager verlieren ihren Job oder bekommen neue Aufgaben. Die Investment-Sparte wird aufgespaltet. Von Max Plück

Der Chef der Deutschen Bank, John Cryan, schlägt beim Umbau des Geldhauses Pflöcke ein - und was für welche! "Veränderungen können belastend sein, aber den Status quo beizubehalten, ist keine Option", hatte Cryan schon im Sommer gesagt. Wie stark diese Belastungen gehen werden, wurde nach der gestrigen außergewöhnlichen Sitzung des Aufsichtsrates dann deutlich, als das Management seine Anteilseigner und die Öffentlichkeit per Ad-hoc-Meldung über den Umbau informierte.

Seinem Ruf als harter Sanierer macht der Brite mit den geplanten Maßnahmen alle Ehre, denn sie bedeuten für mehrere Manager das Aus: So müssen altgediente Manager wie Stefan Krause und Stephan Leithner bis Ende des Monats ihren Hut nehmen. Der langjährige Finanzvorstand Krause war zuletzt für die Transaktionsbank und die Restrukturierungseinheit des Konzerns verantwortlich. Zudem war er Aufsichtsratsvorsitzender der Postbank. Der Österreicher Leithner war für das Europa-Geschäft - mit Ausnahme von Deutschland und Großbritannien - verantwortlich, darüber hinaus fungierte er als Personalvorstand und verantwortete die Bekämpfung der Finanzkriminalität.

Doch Cryan beschränkt sich nicht nur auf den Austausch von Köpfen. Er geht auch grundlegend die Struktur der Deutschen Bank an. Ziel sei es, "die Komplexität im Management der Bank zu verringern und damit den Kundenbedürfnissen sowie den Anforderungen der Aufsichtsbehörden besser gerecht zu werden", heißt es in der Mitteilung.

Konkret heißt das: Der erweiterte Vorstand, das Group Executive Committee, wird ebenso aufgelöst wie zehn der derzeit 16 Vorstandsausschüsse. Stattdessen wird ab Januar der Vorstand auf zehn Mitglieder sowie um vier sogenannte Generalbevollmächtigte erweitert.

Der aber wohl wichtigste Einschnitt ist die erwartete Aufspaltung des Investmentbankings. Der bisherige Unternehmensbereich "Corporate Banking & Securities" (CB&S) wird in zwei Bereiche aufgeteilt: Künftig gibt es die Unternehmenskunden- und Investmentbank sowie den neuen Unternehmensbereich Globale Märkte. CB&S-Co-Chef Colin Fan, der zuletzt wegen eines Geldwäscheskandals in Russland in die Kritik geraten war, verliert mit sofortiger Wirkung seinen Job.

Weitere Veränderungen betreffen etwa die Vermögensverwaltung, die sich künftig ausschließlich um institutionelle Anleger und Fonds kümmern wird. Wohlhabende Privatkunden, die bislang ebenfalls zur Vermögensverwaltung zählten, werden künftig - wenn auch als eigenständige Einheit - aus der Privat- und Geschäftskundenbank heraus geführt.

Offen bleibt weiterhin, welche Folgen der Umbau für die 98.000 Vollzeitstellen haben könnte. In der Vergangenheit war darüber spekuliert worden, dass bis zu 10.000 wegfallen könnten. Dazu gab es gestern keinerlei Angaben. Weitere Details könnten dazu am 29. Oktober bekannt gegeben werden. Dann will Cryan seine "Strategie 2020" vorstellen, mit der er die Bank wieder in die Spur bringen will.

Dass der Radikalumbau des seit Juli amtierenden Chefs schnell Früchte und den Aktionären damit eine reiche Dividende bescheren könnte, ist fraglich. Dafür sind die Altlasten, die die Deutsche Bank mit sich schleppt - namentlich die hohen Rückstellungen für zahlreiche Rechtsstreitigkeiten - einfach zu hoch. Erst Anfang des Monats hatte Cryan zusätzlich 1,2 Milliarden Euro in die Rückstellungen für juristische Streitigkeiten einstellen lassen. Hinzu kamen rund 5,8 Milliarden Euro an Wertberichtigungen im Investmentbanking und Privatkundengeschäft.

Quelle: RP
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