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Handelskammer erwartet Erholung
Deutsche Exporte erleiden unerwarteten Rückschlag

Diese China-Autos kommen nach Europa
Diese China-Autos kommen nach Europa FOTO: AFP
Peking (RPO). Unerwarteter Rückschlag für die deutschen Exporteure: Die Ausfuhren sanken im Januar so stark wie seit einem Jahr nicht mehr. Sie schrumpften um 6,3 Prozent im Vergleich zum Dezember, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Experten hatten mit einem Plus gerechnet.

Das war der größte Rückgang seit Januar 2009 mit 7,2 Prozent. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem kalender- und saisonbereinigten Plus von 0,8 Prozent gerechnet. Die Importe nahmen dagegen mit 6,0 Prozent so stark zu wie seit Juli 2008 nicht mehr. Ein Grund dafür sind höhere Ölpreise.

Die Unternehmen verkauften Waren im Wert von 63,9 Milliarden Euro ins Ausland. Das waren 0,2 Prozent mehr als im Januar 2009. Während die Ausfuhren in die EU-Länder, dem mit Abstand größten deutschen Exportmarkt, um 1,1 Prozent zurückgingen, legten sie in die übrigen Staaten um 2,5 Prozent zu. Die Einfuhren sanken binnen Jahresfrist um 1,4 Prozent auf 56,0 Milliarden Euro.

Im Krisenjahr 2009 hatten die erfolgsverwöhnten Exporteure den schwersten Rückschlag seit Gründung der Bundesrepublik erlitten. Der Umsatz brach um 18,4 Prozent auf 803,2 Milliarden Euro ein. In diesem Jahr rechnet der Branchenverband BGA mit einem Umsatzplus von bis zu zehn Prozent, weil sich der Welthandel wegen niedriger Zinsen und riesiger Konjunkturprogramme wieder gefangen hat. Das vor der Krise erreichte Niveau werde aber nicht vor 2012 wieder erreicht.

Experten hatten Plus erwartet

Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem kalender- und saisonbereinigten Plus von 0,8 Prozent gerechnet. Sie sagten in ersten Reaktionen:

STEFAN BIELMEIER, DEUTSCHE BANK: "Produktion und Aufträge waren zuletzt okay. Da muss bei den Ausfuhren ein Sondereffekt eine Rolle gespielt haben. Denn diese Zahlen passen nicht in das Bild der anderen Wirtschaftsindikatoren. Auch Einkaufsmanagerindex und Ifo-Umfrage hatten für eine Erholung der exportabhängigen Industrie gesprochen."

SIMON JUNKER, COMMERZBANK: "Ich kann nicht genau sagen, was da passiert ist. Ich bin überrascht, dass die Zahlen so schlecht sind. Anscheinend ist die Binnennachfrage gut, wenn die Importe so stark steigen. Das ist aber auch das einzige Positive, was man aus den Daten herausziehen kann. Die Zahl ist eine Katastrophe. Das spricht nicht dafür, dass der Außenhandel zum Wachstum beitragen wird.

Trotzdem sind wir nach wie vor der Meinung, dass das erste Halbjahr stark werden wird. Vielleicht nicht unbedingt das erste Quartal. Wir gehen davon aus, dass wir schon in den nächsten Monaten wieder Zuwächse beim Export bekommen. Die Auftragslage ist ordentlich, die Stimmungsindikatoren sprechen auch dafür."

JÜRGEN MICHELS, CITIGROUP: "Dieser starke Einbruch kommt überraschend. Die Frage ist, inwieweit das kalte Winterwetter das Ergebnis verzerrt hat. Es ist deshalb noch zu früh zu sagen, die Exporte laufen nicht mehr. Die Ifo-Umfragen waren zuletzt positiv für die exportabhängige Industrie. Hinzu kommt, dass die Exporte durch den niedrigeren Eurokurs gestützt werden.

Es sieht im Moment nicht danach aus, dass der Außenhandel die Konjunktur im ersten Quartal gestützt hat. Aber es gilt, die Ergebnisse für Februar und März abzuwarten."

DIHK - Nach Winterflaute ist Besserung in Sicht

Trotz des kräftigen Einbruchs im Januar rechnet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) weiter mit einer Exporterholung. "Das ist ein schlechter Start ins Jahr", sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Axel Nitschke am Mittwoch zu Reuters. "Aber das ist nur eine kurzfristige Winterflaute. Besserung ist in Sicht." Dies deuteten steigende Aufträge an. Auch die Unternehmen hätten ihre Exporterwartungen nach oben geschraubt.

Ungeachtet des schwachen Auftakts sagt der DIHK eine kräftige Erholung der Exporte voraus. Sie dürften in diesem Jahr um etwa 8,5 Prozent zulegen, sagte Nitschke. "Zugpferde sind China und Brasilien, aber auch aus Russland kommen wieder positive Signale." Auch aus dem Euro-Raum dürften wieder mehr Bestellungen ankommen.

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) rechnet spätestens im Frühjahr mit einem weiteren Aufwärtstrend der Wirtschaftsentwicklung. "Auch wenn die konjunkturelle Erholung unserer Wirtschaft derzeit stockt, einen Rückfall in die Rezession schließen wir aus", sagte der Geschäftsführende BdB-Vorstand, Manfred Weber, am Mittwoch in Berlin.

Er warnte aber zugleich vor überzogenem Optimismus. Die deutsche Wirtschaft profitiere derzeit vor allem von den Exporten und den wirtschaftspolitischen Hilfen. Der private Konsum hingegen könnte vor allem wegen der dämpfenden Wirkung der wachsenden Arbeitslosigkeit 2010 zurückgehen.

Chinesische Exporte steigen um 45 Prozent

Die chinesischen Exporte sind im Februar im Vergleich zum Vorjahr um 45,7 Prozent gestiegen. Die offiziellen Zahlen lagen noch über den Erwartungen von Analysten, die mit einem Wachstum von 35 bis 40 Prozent auf Grund der gestiegenen weltweiten Nachfrage gerechnet hatten.

Der chinesische Zoll meldete am Mittwoch, auch die Importe seien im Februar deutlich gestiegen: um 44,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

China hat Deutschland bereits im Krisenjahr 2009 den Rang des Exportweltmeisters abgelaufen. Die deutschen Ausfuhren brachen mit minus 18,4 Prozent so stark ein wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. Nach der neuen Statistik exportiert China nun mehr Waren als jedes andere Land.

Die deutschen Ausfuhren beliefen sich im Gesamtjahr 2009 auf umgerechnet 1,121 Billionen US-Dollar. Das Reich der Mitte exportierte nach Angaben des chinesischen Handelsministeriums dagegen Waren im Wert von 1,202 Billionen Dollar.

(apd/csr)
 
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