Experte fordert Aktionsbündnis: Deutsche misstrauen der Pflegeversicherung
VON EVA QUADBECK - zuletzt aktualisiert: 16.10.2009 - 08:08Berlin (RP). Beim Thema Pflege fühlt sich die Mehrheit der Bürger alleingelassen. 71 Prozent sind der Meinung, dass die Politik der Pflege nicht den nötigen Stellenwert gibt. Dies geht aus einer Studie des Allensbach-Instituts hervor.
Die Bürger sorgen sich vor allem, dass sie ihre Pflege im Alter nicht finanzieren können und dass sie in einem Heim nicht gut versorgt werden. Schon heute kämpfen viele Pflegebedürftige mit der Finanzierung ihres Heimplatzes. Die Pflegeversicherung übernimmt nur einen Teil der Kosten.
Ein Platz kostet zwischen 2600 und 4050 Euro im Monat. Die Durchschnittsrente beträgt 1067 Euro. Bei der mittleren Pflegestufe II schießt die Versicherung für einen Heimplatz 1279 Euro zu. Wenn die Senioren keine weiteren Zusatzeinkünfte haben, müssen für den Rest die Sozialhilfe oder die Kinder einspringen.
Auch die Qualität der Pflege wird in der Bevölkerung skeptisch eingeschätzt. 42 Prozent meinen, man treffe auf frustrierte Pfleger, und nur 27 Prozent denken, dass das Pflegepersonal gut ausgebildet sei. Bei der Frage, was ein gutes Heim ausmacht, nennen rund 90 Prozent der Bevölkerung "freundliches Personal" und "Sauberkeit". Als wichtige Punkte für die Wahl eines Heims nannten zudem etwa drei Viertel der Befragten die Zahl der Pflegekräfte.
Der CDU-Pflegeexperte Willi Zylajew forderte eine breite gesellschaftliche Debatte, wie würdige und bezahlbare Pflege künftig organisiert werden kann. "Wir brauchen ein Aktionsbündnis Pflege, das auf drei Jahre angelegt ist und das Thema ähnlich stark in die Gesellschaft trägt, wie dies die Aids-Kampagnen in den 80er Jahren mit dem Thema HIV gemacht haben", sagte Zylajew unserer Zeitung.
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