Verdacht auf Steuerhinterziehung: Deutsche Post hält an Zumwinkel fest
zuletzt aktualisiert: 14.02.2008 - 21:39Mainz (RPO). Trotz des Verdachts auf Steuerhinterziehung soll Postchef Klaus Zumwinkel im Amt bleiben. Das erklärte das Unternehmen, nachdem Polizeibeamte Zumwinkel von zu Hause abgeholt und verhört hatten. Dabei soll der Bundesnachrichtendienst (BND) schon länger gegen ihn ermitteln.
Der 64-Jährige soll rund eine Million Euro an Steuern über Stiftungen in Liechtenstein am Fiskus vorbei geschleust haben, wie die Staatsanwaltschaft Bochum am Donnerstag mitteilte. Zuvor hatten Steuerfahnder Haus und Büro von Zumwinkel durchsucht. Der Postchef wurde verhört, später aber gegen Zahlung einer Kaution auf freien Fuß gesetzt. Die Post erklärte, Zumwinkel werde trotz der Vorwürfe im Amt bleiben. Politiker und Aktionärsschützer warnten vor Schaden für das Ansehen deutscher Manager.
Laut Staatsanwaltschaft ist Zumwinkel in dem Verfahren einer von mehreren Beschuldigten. Die Ermittler hatten am Donnerstagmorgen zeitgleich Zumwinkels Büro in der Bonner Post-Zentrale und seine Villa im Kölner Stadtteil Marienburg durchsucht. Medienberichten zufolge war die Aktion seit Wochen unter strengster Geheimhaltung geplant worden.
Die Bundesregierung rechnet einem Zeitungsbericht zufolge indes nicht damit, dass der wegen Steuerhinterziehung verdächtigte Postchef Klaus Zumwinkel sein Amt weiter ausüben wird. Die "Financial Times Deutschland" schreibt unter Berufung auf Regierungskreise, dass Zumwinkel aller Voraussicht nach nicht weiter als Postchef tätig sein werde.
Nach der Durchsuchung seines Privathauses wurde Zumwinkel von den Ermittlern zur Staatsanwaltschaft nach Bochum gefahren und dort vernommen. Zu weiteren Details schwiegen die Strafverfolger aus "ermittlungstaktischen Gründen". Später kehrte Zumwinkel nach Hause zurück.
Ein Haftbefehl gegen Zumwinkel wurde laut Staatsanwaltschaft außer Vollzug gesetzt, weil sich der Postchef in seiner Vernehmung zur Kooperation bereit zeigte und eine Kaution "in namhafter Höhe" hinterlegte. Berichten zufolge soll Zumwinkel seit zwei Jahrzehnten mit Hilfe der Stiftung in Liechtenstein Steuern hinterzogen haben.
Laut dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" wird seit Sommer vergangenen Jahres nach einer anonymen Anzeige gegen einen Familienangehörigen Zumwinkels ermittelt. Aus Aufzeichnungen eines Liechtensteiner Geldinstituts soll demnach hervorgehen, dass der Postchef auch überlegte, sein Vermögen nach Asien oder auf die Cayman-Inseln zu verlagern.
Laut der "Süddeutschen Zeitung" hatte sich im vergangenen Jahr ein Informant mit brisantem Material über Zumwinkel an den BND gewandt, der an die Steuerfahndung weitergeleitet wurde. In den Steuerakten Zumwinkels gab es demnach keinen Hinweis auf ein Konto in Vaduz oder Einkünfte aus einer Stiftung. Es soll sogar jeglicher Hinweis auf eine ordnungsgemäße Versteuerung des Liechtensteiner Vermögens, das rund zehn Millionen Euro betrage, gefehlt haben.
Zumwinkel steht seit 18 Jahren an der Spitze der Deutschen Post, er ist auch Aufsichtsratschef der Deutschen Telekom. Sein Vertrag bei der Post läuft im November aus. Schon vor den Durchsuchungen vom Donnerstag war erwartet worden, dass Zumwinkel seinen Vertrag nicht verlängern wird - er wird im Dezember 65 Jahre alt. Die Post teilte jedoch am Donnerstagabend mit, der Vorstand inklusive Zumwinkel sei "vollständig handlungsfähig und führt seine Geschäfte wie gewohnt fort". Zuvor hatte es Spekulationen über eine Ablösung des Postchefs durch Post-Vorstand Frank Appel gegeben.
Der Bund, der noch immer zu 30 Prozent an der Post beteiligt ist, rief Zumwinkel auf, "zur Aufklärung beizutragen". Allerdings seien die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft eine "private Angelegenheit von Herrn Zumwinkel" und "eine Sache der Post", sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums zu AFP. SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Wend forderte gegenüber "Spiegel Online", bei einer Bestätigung der Vorwürfe gegen Zumwinkel müsse das Strafrecht "mit voller Härte" angewandt werden.
Sollte sich der Verdacht bewahrheiten, sei Zumwinkel "keine Minute länger in dem Amt zu ertragen", fügte er hinzu. Der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jürgen Kurz, sagte der "Neuen Ruhr/Neue Rhein Zeitung" (Freitagsausgabe), es könne "sinnvoll" sein, wenn Zumwinkel nun seine Ämter ruhen lasse.
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