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Skandal um Betrugssoftware
Der erste deutsche Großkunde verklagt VW

Deutsche See: Der erste deutsche Großkunde verklagt VW
FOTO: ap
Berlin. Nach einem Medienbericht will die Deutsche See aus Bremerhaven als erster VW-Großkunde von Dienstwagen das Unternehmen auf eine Millionensumme verklagen.

"Wir fühlen uns aufs Übelste hintergangen", sagte Firmenchef Egbert Miebach der "Bild am Sonntag". Der Marktführer für Fisch und Meeresfrüchte hatte mit VW 2010 eine Partnerschaft mit "ökologischer Nachhaltigkeit" geschlossen und insgesamt 456 Fahrzeuge geleast. In vielen der VW-Kleinlaster habe aber die Betrugssoftware VW gesteckt. "Wir wollen jetzt unser Geld zurück", sagte Miebach. Es soll um rund 36 Millionen Euro gehen.

Derweil hat Volkswagen-Chef Matthias Müller die Forderungen nach Entschädigungen auch europäischer Kunden unter Hinweis auf eine dann drohende Pleite des Konzerns zurückgewiesen. Solch eine Entschädigung sei anders als in den USA nicht zu leisten, sagte Müller der "Welt am Sonntag".

VW hat sich im Zusammenhang mit dem Abgasskandal in den USA mit den US-Behörden auf 13,3 Milliarden Euro an Entschädigungen geeinigt; Müller sagte der "WamS", insgesamt habe der Konzern 16,2 Milliarden Euro zur Lösung des Problems in den USA zurückgestellt.

VW sei weiterhin finanziell solide aufgestellt, doch würde "eine Entschädigungszahlung in beliebiger Höhe auch Volkswagen überfordern", sagte Müller. Forderungen nach einer Entschädigung europäischer Kunden wie in den USA seien falsch - "und was es nicht zuletzt wirtschaftlich für unser Unternehmen bedeuten würde, wenn wir das doch tun würden, muss ich wohl nicht weiter ausführen", sprach der VW-Chef indirekt eine dann drohende Pleite an.

EU-Kommissarin Elziete Bienkowska hatte von VW eine Entschädigung für seine europäischen Kunden gefordert, die der in den USA entspricht. Auch US-Anwälte forderten dies.

Müller: USA und Europa nicht vergleichbar

Müller sagte der "WamS", er habe Biekonwska Donnerstag in Brüssel gesagt, dass die Sachlage in den USA nicht mit der in der EU zu vergleichen sei. In den USA seien die Grenzwerte deutlich strenger, damit werde auch die Nachrüstung komplizierter. Außerdem sei die Teilnahme an einer Rückrufaktion freiwillig - um die von den US-Behörden geforderte hohe Beteiligung zu erreichen, werde ein finanzieller Anreiz zwischen 5100 und 10.000 Dollar pro Auto gegeben.

US-Anwaltskanzleien nahmen derweil nach einem Bericht von "Spiegel Online" auch VW-Zulieferer Bosch ins Visier. Sie werfen dem Portal zufolge dem Unternehmen eine Mittäterschaft in der Affäre vor. Bosch hatte die Steuerungs-Software entwickelt, die für die Manipulation von Abgaswerten genutzt worden war.

VW-Manager sollen im Rahmen des Verfahrens mit den US-Behörden Schriftwechsel vorgelegt haben, die den Stuttgarter Autozulieferer belasten. "Unterlagen belegen, dass Bosch wusste, wofür die Software zur Motorsteuerung genutzt werden sollte", zitierte "Spiegel Online" einen nicht näher bezeichneten Informanten.

Bosch bestreitet Mitwissen

Bosch hat bislang bestritten, von den Manipulationen gewusst zu haben. Ein Konzernsprecher sagte laut "Spiegel Online": "Bosch beabsichtigt, sich in den Zivilgerichtsverfahren entschieden gegen die erhobenen Ansprüche zu verteidigen."

(felt/AFP)
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