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Arbeitszeiten: Deutsche sind besonders fleißig

zuletzt aktualisiert: 01.08.2009 - 08:56

Berlin (RPO). Die Arbeitnehmer in Deutschland arbeiten pro Woche mit 41,2 Stunden deutlich länger als ihre Kollegen in den meisten anderen EU-Ländern. Dies geht aus einer neuen EU-Studie zur Entwicklung der Arbeitszeiten im Jahr 2008 hervor. Doch nicht alle sind glücklich darüber - und die Arbeitgeber widersprechen.

Über das Ergebnis berichtete die Tageszeitung "Die Welt" am Freitag. Der Europäische Gewerkschaftsbund kritisierte die Entwicklung scharf: "Das schadet dem Familienleben und beeinträchtigt langfristig möglicherweise auch die Gesundheit. Wer in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit neue Beschäftigung schaffen will, muss die Arbeit auf mehr Schultern verteilen anstatt immer weniger Menschen immer länger arbeiten zu lassen", sagte der stellvertretende Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann. Studien zeigen, dass Arbeitnehmer um o häufiger krank werden, je länger sie arbeiten.

Hintergrund der Äußerungen sind die neuesten Statistiken der EU-Behörde zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in Dublin. Demnach gehören die Deutschen mit einer tatsächlichen Wochenarbeitszeit von 41,2 Wochenstunden (2003: 39,6 Stunden) zusammen mit Rumänien, Tschechien und Österreich zur europäischen Spitzengruppe. Schlusslicht ist Frankreich mit 38,4 Wochenstunden, Spitzenreiter ist Rumänien mit 41,8 tatsächlichen Wochenarbeitsstunden. Der Vizechef der europäischen Arbeitnehmervertreter, Hoffmann, sagte: "Die Arbeitnehmer arbeiten in Zeiten einer normalen wirtschaftlichen Entwicklung immer länger. Es ist bedenklich, dass die tatsächliche Arbeitszeit in Deutschland 3,6 Stunden höher ist als in den Tarifverträgen vereinbart."

Die von den Tarifparteien vereinbarte Wochenarbeitszeit liegt laut neuer EU-Statistik in Deutschland im Durchschnitt aller Branchen bei 37,6 Stunden. Die tatsächliche Wochenarbeitszeit ist aber länger, weil viele Beschäftigte Überstunden machen müssen oder in Betrieben arbeiten, die keine Tarifbindung haben.

Wirtschaft: Deutsche sollen noch mehr arbeiten

Deutschlands Arbeitgeber widersprachen dem Eindruck, nach dem die Deutschen länger arbeiten als andere Europäer. Die Studie beziehe sich auf Daten aus dem vergangenen Jahr, sagte der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände, Reinhard Göhner, der "Mitteldeutschen Zeitung". "Die effektive Wochenarbeitszeit spiegelt die gute Konjunktur im vergangenen Jahr wider."

Geht es nach der mittelständischen Wirtschaft, sollen die Deutschen zum Kampf gegen die Rezession sogar einen Urlaubstag weniger nehmen. "Wer einen Urlaubstag opfert, sichert seinen Arbeitsplatz. Und er hilft seinem Betrieb, die Krise besser zu überstehen", sagte der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft, Mario Ohoven, der "Bild"-Zeitung laut Vorabmeldung.

Zur Begründung sagte der Verbandschef, derzeit kämpften 45.000 mittelständische Unternehmen mit rund 450.000 Beschäftigten ums Überleben. Betroffen seien Autozulieferer, aber auch Metall- und Handwerksbetriebe. "Wir müssen uns für die Zeit nach Auslaufen der Kurzarbeit warm anziehen. Die Krise wird in vielen Unternehmen erst im kommenden Jahr voll durchschlagen."

Quelle: DDP/sdr

 
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