Sparqoute auf höchstem Stand seit 1993: Deutsche Sparer trotzen der Wirtschaftskrise
VON MARK ZELLER - zuletzt aktualisiert: 29.10.2009 - 17:12Düsseldorf (RPO). Die Deutschen sind und bleiben eifrige Sparer. Trotz Wirtschaftskrise hielt sich das Sparvolumen im ersten Halbjahr stabil bei 89 Milliarde Euro. Das Sparverhalten differiert allerdings stark nach Einkommensgruppen.
Auch in der Wirtschaftskrise verändern die deutschen Verbraucher ihr Sparverhalten nicht. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres seien je Einwohner monatlich durchschnittlich 180 Euro zur Seite gelegt worden und damit der gleiche Betrag wie im Vorjahr, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit. Die Sparquote aller privaten Haushalte lag demnach bei 11,2 Prozent des verfügbaren Einkommens – und damit auf dem höchsten Stand seit 1993. In der ersten Jahreshälfte ergab sich für alle Haushalte ein Sparvolumen in Höhe von 89 Milliarden Euro.
“Hierzulande gibt es traditionell eine ausgeprägte Sparneigung“, weiß Matthias Rumpf, Pressesprecher der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Mehr gespart wird europaweit nur in der Schweiz, Frankreich und Österreich. In Deutschland koppelte sich das Sparverhalten von der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Denn obwohl das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach Angaben der Behörde in der ersten Jahreshälfte 2009 um 5,4 Prozent einbrach, hielten sich Einkommen, Konsum und Sparneigung auf dem Vorjahresniveau.
Wohlhabende heben die Quote
Die generelle Lust am Sparen ist aber nicht der einzige Grund für die trotz Wirtschaftskrise stabile deutsche Sparquote. „Ein wichtiger Faktor für das insgesamt große Sparvolumen ist die weiter auseinander gegangene Einkommensschere“, erklärt Rumpf. Die bedeute nämlich, dass es sehr wohlhabende Gruppen gebe, die die gesamte Quote heben. Denn: „Menschen mit höheren Einkommen können mehr sparen und tun das auch.“
Laut der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) des Statistischen Bundesamtes 2008 verfügen bereits Haushalte mit einem monatlichen Nettoeinkommen von 2600 bis 3600 Euro über ein durchschnittliches Nettogeldvermögen von 60.000 Euro. Demgegenüber haben untere Einkommen oft nichts mehr zum Sparen übrig, sonder lösen sogar Vermögen auf“, so ein EVS-Statistiker.
Die die könnten, verwendeten ihr Gespartes sowohl für vielfältige Finanzanlagen als auch durch den Kauf von Sachvermögen. Im vergangenen Jahr investierten die privaten Haushalte unter dem Strich 44 Milliarden Euro, vor allem in den Wohnungsbau.
Nach einer Umfrage des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) ist die Sicherheit einer Anlage (für 75 Prozent sehr wichtig) das mit Abstand wichtigste Anlageziel der Deutschen. „Das ist eine Reaktion auf die Auswüchse der Finanzmärkte, die in die Krise geführt haben“, begrüßt DSGV -Präsident Heinrich Haasis das „gestiegene Sicherheitsbewusstsein der Sparer“. Viele Anleger hätten erkannt, dass Spitzenrenditen immer auch ein besonders hohes Maß an Risiken beinhalten. Nach der Umfrage liegt die Rendite mit 17 Prozent erst auf Platz 11 der Anlageziele.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum
