Unternehmen plant radikale Veränderungen: Deutsche Steinkohle streicht rund 20.000 Stellen
zuletzt aktualisiert: 27.06.2004 - 11:23Hamburg (rpo). Bei der Deutschen Steinkohle (DSK) fallen tausende Arbeitsplätze weg. Wie das Unternehmen bestätigt, soll es einen radikalen Umbau geben. Laut dem Chef der Muttergesellschaft RAG, Werner Müller, sollen viele Mitarbeiter in "Service-Centern" unterkommen.
Bis Ende 2005 sollten nach bereits erfolgten erheblichen Kosteneinsparungen und Produktivitässteigerungen verstärkt Verwaltung und Dienstleistungen an den künftigen Bedarf angepasst werden, teilte die Tochter des Essener Energie-und Chemiekonzerns RAG am Wochenende mit.
Bis 2010 solle die Belegschaft sozialverträglich von heute 40.000 auf rund 20.000 Mitarbeiter verringert werden. In der Zentrale in Herne werden dann noch etwa 120 Mitarbeiter, im eigentlichen Produktionsprozess Kohle und Koks etwa 15.000 Kumpel und in vier Service-Centern noch rund 3080 Mitarbeiter beschäftigt sein. Hinzu kämen rund 1800 Auszubildende.
Nachdem die Politik jetzt die Weichen bis 2012 gestellt habe, konnte das Unternehmen seine Beschlüsse für einen zukunftsfähigen deutschen Steinkohlebergbau fassen, "um die DSK fit für die Zukunft zu machen", erklärte Vorstandschef Bernd Tönjes. "Damit sichern wir den Abbau von Steinkohle weit über das Jahr 2012 hinaus", betonte er. Die gesamte Neustrukturierung der DSK solle bis Ende 2005 mit Beteiligung der Mitbestimmungsgremien abgeschlossen werden, hieß es. Der DSK-Chef selbst wird ab 1. Juli neben seiner bisherigen Funktion Vorstandsmitglied der Muttergesellschaft RAG.
Deren Vorstandschef Werner Müller will nach einem "Spiegel"-Bericht die DSK-Hauptverwaltung schon um im nächsten Jahr von 1760 auf 200 Mitarbeiter kappen und die Belegschaft der Bergwerke und Kokereien um 1700 auf 25.800 verkleinern. Laut Magazin sollen die betroffenen Mitarbeiter in vier Service-Center "ausgelagert" werden und sich dort um Technik, Logistik, Personal, Standort- und Geodienste oder kaufmännische Aufgaben kümmern.
"Die RAG muss in der Lage sein, flexibel auf eine sich verändernde Kohle-Nachfrage zu reagieren", zitiert das Magazin den früheren Bundeswirtschaftsminister. Es reiche längst nicht mehr aus, subventionierte Kohle nach staatlichen Vorgaben zu produzieren.
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