Mobilfunk und Internet: Deutsche Telekom startet Billig-Marke
zuletzt aktualisiert: 17.07.2007 - 13:31Köln (RPO). Die Deutsche Telekom bietet seit heute unter der Namen "congstar" einen neuen Billigtarif für Mobilfunk und DSL an. Damit will der Bonner Konzern das massenhafte Abwandern seiner Kunden stoppen. Mit der Zweitmarke peilt die Telekom bis 2010 einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro an.
Mit der neuen Marke "nimmt die Telekom den Kampf gegen die Anbieter im Discountsegment des Telekommunikationsmarktes auf", sagte der Vorstandsvorsitzende des Bonner Konzerns, René Obermann, in Köln. Punkten will "congstar" den Angaben zufolge mit dem Verzicht auf Mindestvertragslaufzeiten sowie einer kostengünstigen und individuell zusammenstellbaren Kombination der angebotenen Tarife.
"congstar" offeriert den Kunden ausschließlich Mobilfunk- und DSL-Pakete. Handygespräche ins deutsche Festnetz und in alle Mobilfunknetze kosten bei "congstar" einheitlich 19 Cent pro Minute. Dabei verzichtet der Konzern auf eine Grundgebühr oder einen Mindestumsatz. Als Extras kann der Kunde unter zahlreichen Flatrates wählen. Eine Flatrate für Anrufe ins Festnetz gibt es beispielsweise zum Preis von 9,99 Euro im Monat. Für Anrufe ins Vodafone-Netz kostet sie 19,99 Euro. Auch SMS-Flats sind im Angebot.
Die "congstar"-Angebote liegen in der Preisgestaltung deutlich unter dem Preisniveau der Telekom. Allerdings gibt es für die Kunden durchaus noch Möglichkeiten günstiger zu telefonieren. So kostet das Telefonieren etwa bei der E-Plus-Tochter Simyo in alle Netze nur 15 Cent pro Minute, vier Cent weniger als bei "congstar". Und die SMS sind dort sogar um fast 50 Prozent billiger. Allerdings muss der Kunde bei Simyo im Voraus bezahlen, während er bei congstar erst ist nachhinein seine Rechnung erhält. Auch bei DSL kann sich ein Preisvergleich lohnen.
"congstar" soll nach dem Willen der Telekom ohnehin nicht nur mit einem günstigen Preis glänzen. Marktforscher haben herausgefunden, dass sich die Mobilfunk- und DSL-Nutzer nicht nur über hohe Preise ärgern, sondern vor allem auch über die langen Vertragslaufzeiten und die vorgefertigten Tarifpakete. Hier will die Telekom-Tochter mit Flexibilität punkten. Alle "congstar"-Produkte sind mit einer Frist von zwei Wochen zum jeweiligen Monatsende kündbar. Außerdem kann sich der Kunde bei congstar sein ganz eigenes Tarifpaket zusammenstellen.
Das neue Unternehmen, das bislang nicht einmal 50 Mitarbeiter beschäftigt, soll nach den Plänen der Telekom bis 2010 einen Umsatz von einer Milliarde Euro erreichen. Dass unter den "congstar"-Nutzern mit Sicherheit auch etliche ehemalige Telekom-Kunden sein werden, nimmt der Bonner Konzern dabei in Kauf. Das Hauptaugenmerk des Unternehmen liege ohnehin auf Zielgruppen, "die die Telekom so nicht anspricht", betonte Geschäftsführer Alexander Lautz. Deshalb habe man auch auf das sonst bei Konzerntöchtern fast unvermeidliche T von T-Mobile oder T-Com im Markennamen verzichtet. Keine Angaben machen wollte Lautz, wann die Telekom-Tochter die schwarzen Zahlen erreichen soll.
Für die Telekom, die zuletzt vor allem im Festnetz unter Kundenschwund litt, ist der Start von congstar ein weiterer Versuch ihre führende Marktposition auf dem Heimatmarkt zu behaupten. Dort liefern sich rund 350 Internetanbieter und 90 Mobilfunkanbieter einen harten Kampf um jeden Kunden liefern, die Preise scheinen nur noch eine Richtung zu kennen: abwärts.
"congstar" löst den Anfang 2005 gestarteten T-Online-Ableger "congster" ab, der nach Angaben des Unternehmens zuletzt noch knapp 100.000 Kunden zählte. Die Angebote für die verbliebenen "congster"-Kunden sollen vorläufig bestehen bleiben. Schrittweise würden dann die "congster"-Kunden in die neue Marke überführt. Zu den "congstar"-Plänen für die anvisierte Zahl von Kunden wollte Lautz keine Angaben machen.
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