Telekom-Chef warnt vor Scheitern: Deutsche Telekom verliert so viele Kunden wie noch nie
zuletzt aktualisiert: 21.04.2007 - 11:35Frankfurt/Main (RPO). Die Deutsche Telekom steckt in der Krise. Dem erst vor einigen Monaten ins Amt des Vorstandschef berufene René Obermann muss der Kunstgriff gelingen, den Konzern wieder wettbewerbsfähig zu machen. Nun warnt Obermann eindringlich vor einem Scheitern der in Angriff genommenen Sanierung.
Die Warnung ist berechtigt. Grund: Nach einem Bericht des Magazins "Spiegel" hat der Konzern im ersten Quartal so viele Kunden verloren wie noch nie. Von Januar bis März kündigten demnach 600.000 Kunden ihren Telefon-Anschluss bei dem Bonner Konzern, berichtete das Magazin am Samstag. Dennoch könne Konzernchef René Obermann an seinen Ergebnisprognosen für das Jahr 2007 festhalten, da parallel zu den Kundenverlusten der Verkauf von Breitbandanschlüssen deutlich gestiegen sei. Wie der "Spiegel" weiter berichtet, soll Anfang Mai der bisherige Continental-Manager Thomas Sattelberger den seit Monaten verwaisten Posten des Personalchefs der Telekom übernehmen.
Noch am Freitag hatte Vorstandschef René Obermann vor Journalisten in Frankfurt am Main die geplanten Einschränkungen für die Beschäftigten als kleineres Übel gegenüber einer Gefährdung der Arbeitsplätze verteidigt. Wenn es nicht gelinge, die im Vergleich zur Konkurrenz sehr viel höheren Stundenkosten zu senken, sei die Telekom schon in wenigen Jahren nicht mehr wettbewerbsfähig, warnte Obermann.
Eine mögliche Zerschlagung des Konzerns könne niemand wollen, die Konsequenzen für die Mitarbeiter wären fatal, sagte er. Noch habe die Telekom 86 Prozent der Festnetzanschlüsse in Deutschland, doch schon in diesem Jahr sei mit dem Verlust von mehr als zwei Millionen weiteren Anschlüssen zu rechnen, erklärte Obermann. Schon daher sei es unerlässlich, die Wettbewerbsfähigkeit mit der Sanierung des Konzerns zu sichern. Bei einem dem entgegenstehenden Kompromiss in den laufenden Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft ver.di drohe der Konzern, in zwei bis drei Jahren in die Verlustzone zu rutschen.
So koste die Telekom eine Stunde im Callcenter derzeit 90 Euro, während die gleiche Dienstleistung von Konkurrenten kaum schlechter für 40 Euro erbracht werde. Sein Ziel sei, diese Lücke zumindest um die Hälfte zu verringern, sagte Obermann. Er wolle dafür aber nicht die Löhne um 30 bis 40 Prozent kürzen. Die stattdessen vorrangig angestrebte Verlängerung der Wochenarbeitszeit auf 38 Stunden tue niemandem weh.
Leider reiche dies aber nicht aus, so dass auch die Gehälter in den Servicebereichen stufenweise binnen drei Jahren um zwölf Prozent gekürzt werden müssten. Nur so könne die Telekom ihre Angebote zu wettbewerbsfähigen Preisen erbringen. Dies wiederum sei die einzige Chance, die Arbeit im Konzern zu halten und damit den Beschäftigten eine langfristige Chance zu geben. Obermann zeigte sich zuversichtlich, bei den am Dienstag weitergehenden Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft doch noch eine Einigung zu finden. Voraussetzung sei aber, dass das Ziel der Sanierung nicht gefährdet werde und die Stundenkosten auf ein bezahlbares Niveau abgesenkt werden könnten.
Zu Meldungen über die angeblich anstehende Berufung des bisherigen Continental-Personalchefs Thomas Sattelberger in die gleiche Funktion bei der Telekom wollte sich Obermann nicht äußern. Er betonte nur, dass er mit der Arbeit von Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick, der zurzeit das Personalressort mitverwaltet und auch die Tarifverhandlungen mit ver.di führt, sehr zufrieden sei. Gleichwohl solle als Nachfolger des zum Jahresanfang ausgeschiedenen Heinz Klinkhammer auch wieder ein eigener Personalchef in den Vorstand berufen werden.
Sein Verhältnis zu Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück bezeichnete Obermann als gut. Beide unterstützten den Sanierungskurs, und kein vernünftiger Politiker wolle eine Zerschlagung der Telekom.
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