Unruhen in Ägypten: Deutsche Unternehmen ziehen Mitarbeiter ab
zuletzt aktualisiert: 31.01.2011 - 18:39Berlin (RPO). Aufgrund der verschärften Unruhen in Ägypten haben mehrere deutsche Unternehmen damit begonnen, ihre Mitarbeiter aus dem nordafrikanischen Land abzuziehen. Auch BASF und Autobauer reagierten. Die Lufthansa setzte am Montag eine Sondermaschine ein.
Die Öl- und Gasfördergesellschaft RWE-Dea ließ in der Nacht zu Montag 40 Mitarbeiter mitsamt ihrer Familien nach Hamburg ausfliegen, sagte eine Firmensprecherin. Chemiekonzern BASF lässt seine Büros und eine kleinere Produktionsstätte in Kairo geschlossen. Auch deutsche Autobauer stellten Vertrieb oder Produktion ein.
Die Produktion bei RWE-Dea laufe "völlig normal" weiter, sagte die Sprecherin. Die ausgeflogenen Mitarbeiter sollen die Kollegen in Ägypten von der Zentrale in Hamburg aus unterstützen. BASF ließ seine Mitarbeiter durch das lokale Management anweisen, zu Hause zu bleiben, wie ein Sprecher sagte. Das Wohlbefinden der Mitarbeiter habe oberste Priorität. Dem Sprecher zufolge beschäftigt der DAX-Konzern 100 Mitarbeiter im Marketing und Vertrieb sowie in einem kleineren Produktionsstandort für Bauchemikalien in Kairo.
Autobauer stellen Produktion ein
Daimler kündigte an, seine entsendeten Mitarbeiter zurückzuholen. Produktion und Vertrieb wurden eingestellt. Volkswagen unterbrach seine Auslieferungen nach Ägypten, BMW stoppte die Bänder bei der Endmontage in Kairo.
Auch der Metro-Konzern flog seine europäischen Beschäftigten mit ihren Familien aus dem Land. Dabei handelt es sich einem Sprecher zufolge um 20 bis 30 Personen. Die beiden Großmärkte der Metro AG in Kairo sind derweil geplündert worden. Ein Markt sei dabei teilweise abgebrannt, wie der Sprecher sagte. Zur Höhe des Schadens konnte er zunächst keine Angaben machen.
Nach Angaben der Deutschen Industrie- und Handelskammer machen "einige tausend deutsche Unternehmen" Geschäfte mit Ägypten - 80 von ihnen haben eigene Niederlassungen vor Ort. Einem Sprecher zufolge gebe es derzeit "keine großen Evakuierungswellen". Der Zorn der Menschen richte sich derzeit nicht gegen ausländische Investoren beziehungsweise die Mitarbeiter. Eine Sprecherin des Bundesverbandes der deutschen Industrie wollte sich unter Hinweis auf die derzeit unübersichtliche Lage in Ägypten nicht zu den Auswirkungen auf die hiesigen Unternehmen äußern.
Lufthansa setzt Sondermaschine ein
Die Lufthansa flog derweil am Montag mit einer Sondermaschine mehrere hundert Passagiere aus der ägyptischen Hauptstadt aus. Der Jumbo sei in Abstimmung mit den Auswärtigen Amt zusätzlich zum regulären Linienflug eingesetzt worden, um Touristen und Geschäftsreisende aus dem von Unruhen erschütterten Land zu holen, wie ein Sprecher der Fluggesellschaft in Frankfurt sagte. Beide Flugzeuge mit insgesamt rund 660 Passagieren an Bord sollten am Abend in Frankfurt landen.
Der Sprecher sagte, eine zweite Sondermaschine habe entgegen anfänglichen Überlegungen nicht eingesetzt werden müssen. "Es hat sich gezeigt, dass unsere Kapazitäten ausgereicht haben", fügte er hinzu.
Wie das Auswärtige Amt am Abend mitteilte, brachten die Maschinen sowohl Deutsche als auch Bürger anderer europäischer Staaten nach Deutschland. Weitere Flüge nach Deutschland sollen in den kommenden Tagen folgen, damit alle Deutschen, die ausreisen wollen, in die Bundesrepublik zurückkehren können.
Der Lufthansa-Sprecher sagte, am Dienstag werde jeweils eine reguläre Lufthansa-Maschine in Frankfurt und München mit Ziel Kairo starten, um weitere Passagiere nach Deutschland zurückzubringen. "Ob für Dienstag erneut zusätzliche Kapazitäten bereitgestellt werden, steht noch nicht fest", sagte er.
Ägypten ist drittwichtigster Handelspartner im arabischen Raum
Ägypten ist für Deutschland nach Angaben des Auswärtigen Amtes der drittwichtigste Handelspartner im arabischen Raum. Der Warenaustausch lag 2009 bei etwa 3,5 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2010 habe der Export von Deutschland nach Ägypten auf etwa 1,55 Milliarden Euro zugenommen und damit den durch die Wirtschafts- und Finanzmarktkrise verursachten Einbruch der letzten Jahre nahezu wieder ausgeglichen.
Zudem besuchen nur die britischen und russischen Touristen Ägypten häufiger als die deutschen. 2009 hätten etwa eine Million deutsche Touristen zu rund zehn Prozent der ägyptischen Tourismuseinnahmen beigetragen, heißt es beim Auswärtigen Amt weiter.
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