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Deutsche Wirtschaft
Hauptsache, es bleibt in der Familie

Deutsche Wirschaft: Hauptsache, es bleibt in der Familie
Ein Blick in die legendäre Villa Hügel im Essener Stadtteil Bredeney. FOTO: afp
Düsseldorf. Sie ziehen die Strippen bei Großkonzernen wie Volkwagen, Henkel oder BMW, sorgen für Tausende Arbeitsplätze und Wohlstand und mehren gleichzeitig geschickt das eigene Vermögen: Familien dominieren die deutsche Wirtschaft. Von Reinhard Kowalewsky und Florian Rinke

Manchmal gibt einem das Leben keine Zeit zu reifen. Dann muss man funktionieren. So war es auch bei Alfred Krupp, der nach dem frühen Tod des Vaters bereits in jungen Jahren die elterliche Gussstahlfabrik übernahm. Er hätte scheitern können, doch Krupp funktionierte und baute das Werk zum größten Industriekonzern Europas aus. Fortan stand der Name Krupp für eine der einflussreichsten Dynastien der Wirtschaft. "Anfangen im Kleinen, Ausharren in Schwierigkeiten, Streben zum Großen", das sei das Erfolgsrezept gewesen, soll Krupp mal gesagt haben.

"Streben zum Großen"

Aus Krupp ist inzwischen Thyssenkrupp geworden, ein börsennotierter Stahlkonzern, die Familie spielt keine Rolle mehr. Doch der Satz bleibt - und wird weiter gelebt: In zahlreichen Familienunternehmen im Land. Sie dominieren die deutsche Wirtschaft, sorgen für Wohlstand und Arbeitsplätze. Laut einer Studie der "Stiftung Familienunternehmen" werden neun von zehn Unternehmen in Deutschland von Familien kontrolliert, mehr als jeder zweite Arbeitsplatz entfällt auf sie. Die Quandts, Henkels, Haniels oder Porsches ziehen noch immer viele Strippen in der Republik.

Auch die Bundeskanzlerin weiß um ihre Bedeutung. Beim heutigen "Tag des deutschen Familienunternehmens" ist sie zu Gast. Ein Grund für den Erfolg der Familien sei ihre Denkweise, sagt Thomas Rick, NRW-Landesvorsitzender des Verbands "Die Familienunternehmer": "Wir denken nicht in Quartalen, sondern in Generationen." Gleichzeitig seien die Unternehmer in der Heimat stark verwurzelt - vom Fußball- bis zum Schützenverein.

Wenn eine Schwebebahn mit dem Spruch "Vorwerk hängt an Wuppertal" vorbeifährt, kann man das durchaus wörtlich nehmen. Auch mehr als 130 Jahre nach der Gründung ist Vorwerk eng mit der Stadt verwurzelt, zuletzt spendete Erbe Jörg Mittelsten Scheid 1,5 Millionen Euro an Wuppertaler Einrichtungen, vom Zoo bis zur Universität. Gleichzeitig hat die Familie gelernt, die Zukunft in fremde Hände zu geben. Um Thermomix, Kobold und Co. kümmern sich heute drei geschäftsführende Gesellschafter - zur Familie gehört niemand.

Richtige Auswahl von Fremdpersonal

Es ist wohl eine der schwersten Aufgaben für Familienbetriebe, das richtige Maß zwischen Traditionsbewusstsein und Verbohrtheit zu finden. Beispiele wie die Drogeriemarktkette Schlecker zeigen, wie schnell es bergab gehen kann.

Umgekehrt sind andere Familienunternehmen durch die richtige Auswahl von Fremdpersonal zu Weltkonzernen geworden: Bosch, Bertelsmann, vor allem aber natürlich die Dax-Konzerne BMW oder Henkel. Speziell letztere zeigen, wie erfolgreich man sein kann mit einem Unternehmen, bei dem die Familie zwar eine stabile Mehrheit hält, das aber gleichzeitig stark auf externe Manager setzt.

BMW ist so zu einem der erfolgreichsten Autokonzerne der Welt geworden. Der Börsenwert liegt bei 47 Milliarden Euro, die Aktie ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten um rund 700 Prozent gestiegen. Als größte Stärke gelten die langfristig geplanten Modellpolitik und eine kluge Auswahl des Spitzenpersonals. Das ist auch der nachhaltigen Politik der Quandts zu verdanken, die das Unternehmen über Generationen hinweg kontrollieren.

Interessanterweise mischt BMW-Aufsichtsratschef Norbert Reithofer, ein Vertrauter der Quandts, auch im Gesellschafterauschuss von Henkel mit. In diesem Gremium diskutiert die Henkel-Familie intensiv die Strategie des Konzerns. Mit Erfolg: Der Gewinn hat sich alleine seit 2011 um rund 80 Prozent auf zwei Milliarden Euro erhöht, an der Börse ist Henkel 43 Milliarden Euro wert. Nachhaltige Politik zahlt sich eben aus. Auch hier bewies die Familie um Aufsichtsratschefin Simone Bagel-Trah, eine Ururenkelin von Gründer Fritz Henkel, ein gutes Händchen bei der Personalauswahl.

Wie Familienunternehmen sich dagegen mit Fehlern schwächen können, zeigen Haniel aus Duisburg und Aldi Nord aus Essen. Bei Aldi streiten sich die Erben von Theo Albrecht senior um die Macht im Unternehmen, es drohen jahrelange Prozesse. Bei Haniel vertraute die große Familie dagegen dem von Daimler geholten Vorstandschef Eckhard Cordes zu viel. Als Ergebnis stockte der die Zahl der Aktien an Metro massiv auf - und bescherte der Familie am Ende doch nur hohe Verluste. Mit Krupps "Streben zum Großen" ist es daher so eine Sache. Es kann auch schiefgehen, Familienkrach inklusive.

Quelle: RP
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