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Milliardenübernahme
Deutsche Wohnen will LEG Immobilien übernehmen

Lexikon: Glossar - Aktienmarkt von A bis Z
Lexikon: Glossar - Aktienmarkt von A bis Z FOTO: dpa, Fredrik Von Erichsen
Frankfurt/Düsseldorf. Im boomenden deutschen Immobilienmarkt steht eine neue Milliardenübernahme an. Die Frankfurter Deutsche Wohnen AG und die kleinere Düsseldorfer Rivalin LEG Immobilien wollen sich zusammenschließen, wie beide im MDax notierte Unternehmen am Sonntag mitteilten. Der Mieterbund NRW äußert sich skeptisch.

Die Deutsche Wohnen verfügt über knapp 142.000 Wohnungen, die LEG kommt nach eigenen Angaben auf rund 110.000. Zusammen würden beide Unternehmen dichter an den frisch umbenannten Immobilienkonzern Vonovia heranrücken. Das früher als Deutsche Annington bekannte Unternehmen kommt auf etwa 350 000 Wohnungen und steigt an diesem Montag in den Dax auf. Hieran lässt sich unter anderem die rasant gestiegene wirtschaftliche Bedeutung der Branche ablesen, die in den vergangenen Jahren von der hohen Nachfrage nach Wohnraum, als auch den Niedrigzinsen profitiert hat. Damit einher gingen massive Investitionen von Anlegern in Immobilienwerte.

Zudem schwappt seit einiger Zeit eine Übernahmewelle durch den Immobiliensektor. So hatte sich Vonovia im vergangenen Jahr den Konkurrenten Gagfah für 3,9 Milliarden Euro einverleibt und auch danach noch weiter zugekauft. Deutsche Wohnen wiederum übernahm den Wettbewerber GSW im Jahr 2013 und beschaffte sich jüngst im Juni über eine Kapitalerhöhung frisches Geld im Volumen von 900 Millionen Euro.

Den Aktionären der LEG bietet Deutsche Wohnen nun 3,3 neue eigene Aktien für jedes LEG-Papier und bewertet das Unternehmen damit mit 4,62 Milliarden Euro. Das ist ein Aufschlag von rund 13 Prozent auf den aktuellen Börsenwert. Für die neuen Aktien will die Deutsche Wohnen bei einer außerordentlichen Hauptversammlung im Oktober eine Kapitalerhöhung beschließen.

Geht alles glatt und nehmen mehr als 50 Prozent der Aktionäre das Angebot an, soll die Übernahme bei Zustimmung der Kartellbehörden bereits Ende 2015 unter Dach und Fach sein. Aus dem Zusammenschluss erhoffen sich die Manager, von denen unter anderem zwei aus dem bisherigen LEG-Vorstand in das Führungsgremium der Deutsche Wohnen einziehen sollen, die Schaffung eines führenden europäischen Immobilienunternehmens. Kosten sollen gesenkt, der Gewinn erhöht werden.

Mieterbund NRW skeptisch

Derweil sieht der Mieterbund in NRW die  Übernahme der LEG durch die Deutsche Wohnen skeptisch. "Es wird in einem solchen Riesenkonzern weniger um die Mieter in ihren einzelnen Quartieren gehen als um Gewinnmaximierung", erklärte Silke Gottschalk, Geschäftsführerin des Mieterbundes NRW, gegenüber unserer Redaktion. Fusionen von Wohnungsunternehmen lägen zwar im Trend, aber als Ergebnis drohe, dass die Stadtteile vernachlässigt werden: "Ansich müssten einzelne Quartiere gezielt gestärkt werden, aber jetzt versucht man Kosten durch eine größere Einheit zu senken." Ob die Mieten steigen, hält die Juristin dagegen nicht für ausgemacht: "Eine Prognose über die Mieten sollten wir noch nicht wagen."

 

(dpa)
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