Strompreise steigen um 30 Prozent: Deutsche zahlen mehr für Strom als EU-Nachbarn
zuletzt aktualisiert: 27.08.2012 - 15:11Berlin (RPO). Infolge der Energiewende werden die Strompreise nach Einschätzung von Vattenfall-Europachef Tuomo Hatakka bis zum Jahr 2020 um 30 Prozent steigen. In den nächsten zehn Jahren seien für die Energiewende Investitionen von 150 Milliarden Euro nötig. Schon jetzt zahlen deutsche Verbraucher für Strom mehr als ihre europäischen Nachbarn.
Nur in Dänemark seien die Strompreise noch höher als in Deutschland, teilte der Energieversorger Flexstrom am Montag unter Verweis auf eine Erhebung der EU-Statistikbehörde Eurostat mit. Verbraucher in Frankreich zahlten gerade einmal 60 Prozent von dem, was Privathaushalte in Deutschland für Energie aus der Steckdose zahlen müssen. Für Familien ergebe sich dadurch eine Mehrbelastung von bis zu 440 Euro.
1000 Euro in Aachen - 600 Euro in Maastricht
Während eine Familie im österreichischen Salzburg für einen Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden 671,88 Euro zahlen müsse, müsse eine Familie im nur knapp 20 Kilometer entfernten Berchtesgaden jährlich rund 295 Euro mehr für die Grundversorgung zahlen. Noch größer sei der Preisunterschied an der deutsch-niederländischen Grenze, erklärte Flexstrom. So zahle eine Familie in Aachen für 4000 Kilowattstunden jährlich 1091,18 Euro in der Grundversorgung, im benachbarten Maastricht gebe es die gleiche Menge Strom für rund 400 Euro weniger.
"Deutsche Stromkunden sind im europäischen Vergleich klar benachteiligt", erklärte Flexstrom-Gründer Robert Mundt und forderte einen internationalen Wettbewerb auf dem Strommarkt. Davon würden die Verbraucher profitieren.
Vattenfall-Chef Hatakka: "Strom wird 30 Prozent teurer."
Zusätzlich werden nach Einschätzung des Vattenfall-Konzerns die Strompreise bis zum Ende des Jahrzents um fast ein Drittel steigen. Grund sei die Energiewende und die damit verbundenen Investitionen. "Wir müssen davon ausgehen, dass die Gestaltung der Energiewende länger dauert als geplant", sagte Vattenfall-Europachef Tuomo Hatakka der "Süddeutschen Zeitung".
Schuld seien Verzögerungen bei wichtigen Großprojekten, etwa dem Anschluss von Windparks auf hoher See. Die Strompreise würden bis 2020 um bis zu 30 Prozent steigen, sagte Hatakka weiter. Denn allein in den nächsten zehn Jahren seien für die Energiewende Investitionen von 150 Milliarden Euro nötig: "Ein Großteil dieser Kosten wird qua Gesetz auf die Stromrechnung umgelegt werden."
Engpässe in der Stromversorgung werde es in den kommenden zehn Jahren aber nicht geben, sagte der Manager aus Finnland. "Lediglich im Süden Deutschlands gibt es Problemzonen." Dort müssten neue Kraftwerke gebaut werden.
Der Umbau der Energieversorgung in Deutschland war vor mehr als einem Jahr wegen der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima beschlossen worden. Zu ihr gehört ein Ausstieg aus der Atomenergie bis 2022 und eine verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien. Mehrere Energiekonzerne, darunter auch Vattenfall, haben gegen den Atomausstieg geklagt.


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