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Interview mit Reinhard Clemens
"Deutscher Datenschutz bringt mehr Aufträge"
Der Knigge fürs Internet
Der Knigge fürs Internet FOTO: ddp
Düsseldorf. Am Dienstag begeht Deutschland den "Safer Internet Day". Reinhard Clemens, Chef der Telekom-Sparte T-System sprach mit unserer Redaktion über den Aktionstag und den neuen Personalabbau. Von R. Kowalewsky

Herr Clemens, heute begeht Europa den „Safer Internet Day“. Was bedeutet Datensicherheit für die von Ihnen koordinierte Strategie der Telekom, immer mehr Dienste aus der Internet-Wolke (Cloud) anzubieten?

Clemens Die Telekom startet eine breite Offensive, um sichere Dienste aus der Cloud viel breiter zu vermarkten. Privatkunden kennen ja schon unser Mediencenter, wo wir zum Start Speicher im Netz kostenlos bereitstellen. Das dient der Kundenbindung und dem Datenschutz sensibler Daten wie den wichtigsten Inhalten des PCs zuhause. Der Mittelstand bekommt ein neues Angebot und kann sich so gegen Sicherheitsrisiken schützen, indem er sensible Daten oder Programme über uns laufen lässt. Und bei den Konzernen liegt Cloud-Computing sowieso im Trend.

Speicherplatz im Netz bieten viele an. Was ist Ihre Besonderheit?

Clemens Beim Cloud Computing geht es nicht so sehr um das Was, sondern um das Wie. Ist alles auch sicher? Welchen Service bekomme ich? Unsere Cloud-Angebote können alle unseren mehr als 30 Millionen Telefon- und Onlinekunden nutzen und über regelmäßige Rechnung bezahlen. Aber um von den neuen Diensten zu profitieren, muss man keinen Telefon-Vertrag mit der Telekom haben. Und als Telekom stehen wir für höchsten Datenschutz nach deutschem Recht - ein globaler Vorteil.

Von Datenschutz reden auch die deutschen Filialen der US-Giganten IBM, Facebook oder Google.

Clemens Ja, aber am Ende unterliegen die Ableger von US-Konzernen US-Recht, denn der Hauptsitz entscheidet. In Deutschland gelten für uns härtere Standards als in vielen anderen Ländern – das schätzen unsere internationalen Kunden.

Daten aus der Apple-Cloud kann man nur mit Apple-Geräten aufrufen. Planen Sie ähnliche Restriktionen für Ihre Daten im Netz?

Clemens Nein, unsere Dienste sollen unabhängig vom Gerät und Betriebssystem genutzt werden können - wie zum Beispiel unser Adressbuch MyPhonebook. Und unsere Cloud-Angebote für Geschäftskunden können auch Firmen in Afrika nutzen, um vertrauliche Daten abzulegen. Cloud-Dienste ermöglichen den Zugriff von überall - auch mobil.

Apple-Kunden müssen für immer Nutzer von Apple-Geräten bleiben, um im Online-Shop ITunes gekaufte Musik oder Filme weiter nutzen zu können. Planen Sie ein ähnliches „Gefängnis“?

Clemens Wir gehen einen anderen Weg. Ich glaube, auf Dauer setzen sich sowieso offene Systeme durch. Menschen werden in ein paar Jahren voraussichtlich Abos mit hinterlegten Services und Nutzungsrechten kaufen statt einzelne Musiktitel oder Alben in geschlossenen Systemen. Telekom-Kunden können unser TV-Angebot „Entertain“ bald mobil bekommen und dann Filme auch auf ihrem Smartphone anschauen, egal von welchem Gerätehersteller es ist.

Kommen wir nun zur T-Systems als Dienstleister im Konzern Telekom und für externe Kunden. Wie wollen Sie die Kosten weiter senken, um wettbewerbsfähig zu sein?

Clemens Unsere vielen neuen Großaufträge wie von Shell, Philips oder Linde haben gezeigt, dass wir auf dem Weltmarkt mithalten können. Es hat uns aber auch Kraft gekostet, die vielen Aufträge auf einen Schlag umzusetzen. Das erfordert Investments gerade in der Anlaufphase, darunter hat unser Ergebnis gelitten. Das ursprüngliche Ziel, 2011 ein operatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von mehr als fünf Prozent zu erzielen, schaffen wir nicht, doch das letzte Quartal war ermutigend. Wir haben mittlerweile mehr internationale Kunden. Die müssen wir stärker vor Ort betreuen. Das heißt, wir müssen mehr Arbeit außerhalb Deutschlands erbringen und so auch die Kostenvorteile günstigerer Standorte nutzen.

Was bedeutet das?

Clemens Aktuell erledigen Programmierer und Techniker in Ländern mit besonders günstigen Löhnen rund ein Viertel der Arbeit, 2015 sollte dieser „Offshore-Anteil“ bei 40 bis 50 Prozent liegen. So entfällt hierzulande ein entsprechender Anteil – bei Freiberuflern und Partnerfirmen, aber auch Mitarbeitern.

Gleichzeitig führen Sie bis Juli die gesamte Computertechnik der Telekom unter dem Dach der T-Systems zusammen. Wird das wirklich bis 2015 ein Drittel der internen IT-Kosten von mehr als drei Milliarden Euro senken?

Clemens Wir versprechen uns vom Bündeln der IT weit mehr als nur Sparen. Wir müssen den Konzern für die Zukunft ausrichten – dazu braucht es eine eingespielte IT. Ja, es wird ein Kraftakt, die angestrebte Milliarde zu einzusparen. Wir wollen das schaffen, indem wir viel mehr einheitliche, automatische Systeme nutzen. Viel zu viele Programme werden heute noch handgearbeitet und sind deshalb teuer.

Wie viele der 8500 Jobs in dieser internen IT fallen weg?

Clemens Wenn ein Drittel der Kosten weg soll, kostet das auch Stellen. Aber wir schaffen auch Jobmöglichkeiten in anderen Bereichen - zum Beispiel mit IT für Telemedizin oder für intelligente Stromnetze. Wenn wir Personalumbau machen, dann ist der auch sozialverträglich.

R. Kowalewsky führte das Gespräch.

Quelle: sap/jco
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