Wegen chinesischer Konkurrenz: Deutschland soll bei Transrapid Gas geben
zuletzt aktualisiert: 20.02.2006 - 15:43München (rpo). Die Chinesen sind schnell. In Bezug auf den Transrapid möglichweise sogar schneller als die Deutschen. Dennoch klafft beim Bau der Münchner Transrapid-Strecke eine Finanzierungslücke von mehr als einer Milliarde Euro. Deshalb will Angela Merkel nun Gas geben und hat klar gestellt, dass eine deutsche Vorzeigestrecke schneller gebaut werden müsse und "nicht erst 2010".
Die Magnetbahn-Strecke vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen koste gut 1,8 Milliarden Euro. Der Bund habe bisher nur 550 Millionen Euro zugesagt, das sei "bei weitem nicht ausreichend", sagte der CSU-Chef. Bayern habe 185 Millionen Euro zugesagt und könne auch "nicht sehr weit über 185 Millionen hinausgehen".
Deshalb müsse der Bund den größten Teil der fehlenden Milliarde übernehmen; aber auch die Industrie und die Deutsche Bahn müssten ihren Beitrag leisten, forderte Stoiber. Die öffentliche Hand könne das Technologieprojekt, das der deutschen Wirtschaft nach dem Bau einer deutschen Referenzstrecke Exportchancen im Nahen Osten, Nordamerika und Asien eröffne, nicht alleine schultern.
Auf dem nächsten G-8-Gipfel in St. Petersburg würden die führenden Industriestaaten über die chinesischen Praktiken sprechen, sagte Stoiber: "Es gibt Missbrauch von geistigem Eigentum." Er sei sich mit Merkel einig, dass dieses Thema auf die Tagesordnung müsse.
Der von Siemens und Thyssen gebaute Transrapid fährt seit drei Jahren in Schanghai als Flughafen-Zubringer. Chinesische Forscher haben für Juli die Erprobung einer eigenen Schwebebahn angekündigt. Stoiber warnte, Deutschland drohe wie beim Fax oder beim MP-3-Player schon wieder das Nachsehen bei der wirtschaftlichen Verwertung einer deutschen Erfindung. Neben der Kurzstrecke in München sollte auch eine zweite deutsche Strecke zum Beispiel von Nordrhein-Westfalen in die Benelux-Staaten gebaut werden.
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