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Wirtschaftsleistung schrumpft auch im zweiten Quartal
Deutschland steckt in der Rezession - aber wie tief?

Wiesbaden (rpo). Auch im zweiten Quartal des Jahres 2003 ist die Wirtschaftsleistung in Deutschland rückläufig gewesen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im Vergleich zum ersten Quartal um 0,1 Prozent. Damit steckt Deutschlands nach gängiger Definition in der Rezession. Die Frage ist nur, wie tief.

Auch im Jahresvergleich fiel das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,6 Prozent. Die Zahlen hat das Statistische Bundesamt in Wiesbaden herausgegeben.

Damit stellt sich erneut die Frage, ob sich Deutschland in einer Rezession befindet. Das formale Kriterium - zwei Minusraten in zwei aufeinander folgenden Quartalen - ist zwar erfüllt. Bereits im ersten Vierteljahr 2003 mit einem Rückgang von 0,2 Prozent und im Schlussquartal 2002 mit einer roten Null hatte es leichte Rückschläge gegeben. Da die Zahlen aber nur äußerst knapp unter der Null-Linie lagen, steckte die Bundesrepublik nach Ansicht der meisten Volkswirte auch zwischen April und Juni in einer hartnäckigen Stagnation. Die Commerzbank sieht erst bei Minusraten ab zwei Prozent eine Rezession.

Im Vergleich zu den letzten Rezessionsjahren 1993 und 1982 steht Deutschland deutlich besser da. Für die zweite Jahreshälfte zeichnet sich zudem bereits eine Besserung der Konjunkturlage ab.

Der erneute Rückschlag im zweiten Vierteljahr ging von den Exporten aus. Durch den starken Euro im Vergleich zum Dollar, die Ausfälle in der Autoproduktion in Folge der ostdeutschen Metallerstreiks und wegen der verhaltenen Weltkonjunktur fiel der Rückgang der Ausfuhren weit stärker aus als die Abnahme der Importe. Dies führte zu einer Verringerung des Exportüberschusses und bremste die Konjunktur.

Diese negative Entwicklung konnte von der nur leichten Erhöhung der inländischen Nachfrage nicht ausgeglichen werden. Der private Konsum blieb trotz leichter Besserung ohne Dynamik. Auch die Investitionen der Unternehmen kamen nicht in Gang.

Im Jahresvergleich wirkte sich zudem ein Kalendereffekt auf die Entwicklung des BIP aus. Im Vergleich zum Vorjahr gab es einen Arbeitstag weniger. Diese Entwicklung herausgerechnet hätte es binnen Jahresfrist nur einen Rückgang von 0,2 Prozent gegeben. Die Wirtschaftleistung wurde von 38,1 Millionen Erwerbstätigen erbracht. Dies waren 646 000 Personen oder 1,7 Prozent weniger als zwölf Monate zuvor.

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