Studie belegt fehlende Akzeptanz: DGB kritisiert verkürzte Berufsausbildungen
zuletzt aktualisiert: 30.07.2010 - 09:35Berlin (RPO). Die auf zwei Jahre verkürzten Berufsausbildungen haben sich aus Sicht des Deutschen Gewerkschaftsbundes nicht bewährt. Viele dieser "Schmalspurausbildungen" mit hoher Spezialisierung führten die Lehrlinge in eine berufliche Sackgasse, bilanziert der DGB in einer neuen Analyse.
In der Praxis seien nach wie vor Fachkräfte mit einer breit angelegten, dreijährigen Lehrzeit erste Wahl bei den Betrieben. Dem achtseitigen Papier, welches der Nachrichtenagentur DAPD in Berlin vorliegt, zufolge wurden 2009 bundesweit 52.027 Lehrlinge mit regulär zweijähriger Ausbildungsdauer eingestellt, das sind gut 30 Prozent mehr als noch 2005. Momentan sind 40 der insgesamt rund 350 anerkannten Ausbildungsberufe in Deutschland auf nur zwei Jahre angelegt.
Über die Hälfte der zweijährigen Ausbildungsverträge wurden zuletzt im Beruf "Verkäufer/in" abgeschlossen. Erst mit großem Abstand folgen die Berufe Fachlagerist (6069 Verträge), Fachkraft im Gastgewerbe (3856), Maschinen- und Anlagenführer (2812) und Teilezurichter (1933).
Der DGB bilanzierte, die Forderung von Arbeitgeberverbänden und Politik nach verkürzten "Benachteiligten-Berufen" mit weniger Theorie-Anteil gehe von falschen Grundannahmen aus. Es sei "unbewiesen und auch nicht plausibel", dass eine Verkürzung der Ausbildung den Erfolg von Jugendlichen mit schlechten Schulabschlüssen verbessere und zum Beispiel die Abbrecherquoten vermindere. Die Erziehungswissenschaft und auch das Berufsbildungsgesetz setzten im Gegenteil bei Leistungsdefiziten auf Verlängerung und nicht auf Verkürzung.
Hoffnung auf neue Beschäftigungschancen kaum erfüllt
Der DGB rechnet zudem vor, dass sich die Hoffnung auf zusätzliche Ausbildungs- und Beschäftigungschancen auch nur zum Teil erfüllt hat. Eine vom Bundesministerium für Wirtschaft in Auftrag gegebene Untersuchung sei 2003 zum Ergebnis gekommen, dass jährlich bis zu 22.000 zusätzliche Lehrstellen geschaffen werden könnten. Doch starteten in den zehn zusätzlich seit 2004 geschaffenen zweijährigen Berufen lediglich 6088 Auszubildende ihre Einfachausbildung.
"Zweijährige Berufe finden in vielen Branchen kaum Anklang", heißt es in dem DGB-Bericht. Das sie auch "nicht krisenfest" seien, zeige auch der Rückgang der Ausbildungsverträge 2009 um 20 Prozent bei den Maschinen- und Anlagenführern. Dieser Beruf sei aber vom Wirtschaftsministerium oft als besonders wichtiger Kern-beziehungsweise Einstiegsberuf bezeichnet worden.
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