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Gewinne und Kreditklemme: Die Banken stehen unter Verdacht

VON FRANK HERRMANN UND GEORG WINTERS - zuletzt aktualisiert: 22.07.2009 - 10:07

Düsseldorf (RP). Die Geldwirtschaft verdient wieder Milliarden – in Amerika, in Deutschland, in der Schweiz. Es herrscht Argwohn: Kann das sein? Machen die sich wieder die Taschen voll? Und was ist mit der Kreditklemme?

Im Asiengeschäft sieht sich die Deutsche Bank zurzeit mit ungewohnten Problemen konfrontiert.  Foto: AP, AP
Im Asiengeschäft sieht sich die Deutsche Bank zurzeit mit ungewohnten Problemen konfrontiert. Foto: AP, AP

In zwei Wochen präsentiert die Deutsche Bank ihre Zahlen für das zweite Quartal 2009. Und so mancher Aktionär reibt sich schon wieder die Hände in der Hoffnung, ein neuerlicher Milliardengewinn könnte den Aktienkurs und die Aussicht auf eine höhere Dividende befeuern. Den hat die Bank schon im ersten Quartal geschafft. Finanzkrise?

In den USA jubeln die Banker auch – beispielsweise bei Goldman Sachs. Der Primus der US-Finanzbranche verdiente im zweiten Quartal 3,4 Milliarden Dollar (2,4 Milliarden Euro) – den höchsten Vierteljahresprofit in 140 Jahren. Nicht einmal die kühnsten Optimisten hatten das erwartet. Zehn Milliarden Dollar, die sich das Institut vom Staat borgte, um über die Runden zu kommen, sind zurückgezahlt. Seit Januar gab es mehr als elf Milliarden Dollar für Prämien und Gehälter.

Aber Sherrod Brown hat keine Freude an der Bank. "Die Leute können kaum glauben, dass das System so funktioniert", wundert sich der Senator und erzählt von seinen Wählern in Ohio. In Browns Heimatstadt Mansfield beträgt die Arbeitslosigkeit 13 Prozent. "Die Leute sind unglaublich frustriert", sagt der Demokrat Brown, "sie sehen, wie ihr Nachbar seinen Job verliert. Sie sehen, wie die Regierung Konzernen wie AIG und Goldman Sachs aus der Patsche hilft. Und was sehen sie als Nächstes? Riesige Gewinne, riesige Boni." US-Präsident Barack Obama hat diese Gefühlslage jetzt so beschrieben: "Man hat nicht den Eindruck, dass bei den Leuten an der Wall Street Reue aufkommt für die Risiken, die sie eingegangen sind."

In Deutschland ist der Graben zwischen Politik und Bankenwelt mindestens genau so groß wie jenseits des Atlantiks. Der SPD-Fraktionsvize Joachim Poß empfahl nach den Zwischenzahlen der Deutschen Bank fürs erste Quartal sogar, die Branche möge sich von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann distanzieren. Dessen Renditeanforderungen seien unmoralisch, die Branche habe nichts gelernt. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück droht den Geldhäusern mit Zwangsmaßnahmen gegen die von ihm beobachtete Kreditklemme, die Kanzlerin höchstpersönlich will den Geldhäusern noch stärker auf die Finger schauen. Aber: Wer als Landesregierung Boni wie den für den HSH-Nordbank-Chef Dirk Jens Nonnenmacher genehmigt, stellt sich letztlich selbst an den Pranger. Hier ist die Politik nicht glaubwürdiger als die Banken.

Gleichwohl dokumentiert die Haltung von Poß und Co. gegenüber Ackermann und Co. eine These: Gute (weil erfolgreiche) Banker sind böse Banker. Ist das so? Tatsache ist, dass die Finanzbranche auf breiter Front Gewinne einfährt. Richtig ist auch, dass einige Mitglieder der Branche von ihnen ohne die rettende Hand des Steuerzahlers nicht mehr da wären (IKB, Hypo Real Estate, WestLB, HSH Nordbank).

Aber es ist nicht so, dass die Banker mit den großen Gewinnen ihre Erträge erneut mit Hilfe von Finanzprodukten erzielen, von denen sie nichts verstehen. Oft geht es hier wie in Amerika vor allem um das Investmentbanking, und das ist schon ein traditionelles Geschäftsfeld. Es beschäftigt sich unter anderem mit Aktienhandel und mit dem Geschäft aus Übernahmen und Firmenkäufen. Gewinne, die hier erzielt werden, sind nicht zwangsläufig ein Indiz für Zockerei vielgescholtener Manager, sondern ein Signal dafür, dass Kapitalmärkte wieder funktionieren.

Trotzdem herrscht zu Recht Misstrauen. Aber nicht wegen der nackten Zahlen, sondern weil eine Bank, die wie Goldman Sachs Milliarden für Boni zurücklegt, sich naturgemäß dem Verdacht aussetzt, sie sei vor allem auf das Wohl ihres Führungspersonals und nicht auf das des Unternehmens bedacht. Die Manager werden mit überbordenden Wohltaten gesegnet, während die Firmen wegen gefühlten Kreditmangels stöhnen.

Der Zwiespalt sät Misstrauen bei der breiten Masse, er schürt Wut bei den Firmen, er sorgt für Unverständnis bei Fachleuten. "Es ist unverständlich, dass sich die Institute ihrer Aufgabenstellung, für die sie ja das billige Geld beziehen, doch immer wieder verweigern", sagt der Wirtschaftsprofessor Wolfgang Gerke. Natürlich verweisen Banken immer wieder darauf, dass potenzielle Kreditkunden an ihrer eigenen schlechten Bonität scheitern und daran, dass sie für höheres Risiko keine höheren Prämien zahlen wollen. Der andere Teil der Wahrheit: Einige Banken legen billiges Geld lieber selbst gut an als es zu verleihen. Da ist der Zinsgewinn höher.

Weil das alles so ist, lebt das gut konservierte Bild vom raffgierigen Banker wieder auf, der in der Krise nichts dazugelernt hat. Es geht die Sorge um, dass sich alles wiederholt: die Casino-Mentalität, der Spieltrieb, die Gier nach Millionenboni, die alle Vorsicht vergessen lässt. Bald könnten alle wieder das alte Lied singen – dass man guten Leuten ordentliche Boni zahlen muss, will man sie nicht an die Konkurrenz verlieren. Das klingt für viele verdächtig nach alten Zeiten. Motto: Nach der Krise ist vor der Krise.

Quelle: RP

 
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