Ausschuss berät über Hitze-Chaos: Die Deutsche Bahn unter Druck
zuletzt aktualisiert: 22.07.2010 - 09:37Berlin (RPO). Für die Bahn geht es heute ums Ganze. In Berlin kommt der Verkehrsausschuss zusammen, um über das Hitze-Chaos in ICE-Zügen zu beraten. Auf der Agenda sind auch die geplanten Entschädigungen. Schon im Vorfeld hagelt es von allen Seiten Kritik.
So forderte der Grünen-Politiker Winfried Hermann ein Notfalltraining für das Zugpersonal. "Die Bahn muss sich mehr Mühe geben beim Trainieren von Sonderfällen, von extremen Chaos-Situationen - dass die Zugbegleiter in Übungssituationen lernen, mit Notfallsituationen umzugehen", erklärte er im ARD-Morgenmagazin.
Hermann ist Vorsitzender des Gremiums, das am Vormittag zusammenkommt, um das Chaos bei der Bahn in einer Sondersitzung zu hinterfragen. Neben Bahnchef Rüdiger Grube wird auch Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) daran teilnehmen.
Auf Grube werden unangenehme Fragen zukommen. "Es muss geklärt werden: Wie konnte es dazu kommen, was hat die Bahn schon eingeleitet, um die Probleme zu lösen?", so Hermann. Aber auch um die politische Verantwortung soll es gehen. Und um die geplanten Entschädigungen von 500 Euro.
Kritik an Entschädigung
Die Entschädigung hatte bereits am Mittwoch der Fahrgastverband Pro Bahn als zu gering angeprangert. "Wer deswegen im Krankenhaus behandelt werden musste, sollte sich nicht mit 500 Euro zufrieden geben", sagte Vorstandsreferent Joachim Kemnitz der "Berliner Zeitung". Das decke nicht einmal die Transportkosten ins Krankenhaus.
Für die Bahn steht bei dem Treffen einiges auf dem Spiel. Denn immer wieder bringen Pannen das Unternehmen in Verruf. Doch der jüngste Vorfall hat das Image des Unternehmens mehr geschädigt als zuvor. Und gerade in den Sommerferien und bei den extremen Temperaturen, die es gab und wieder geben wird, muss die Bahn reagieren. Denn einen Verlust von Fahrgästen kann sie sich in der Hochsaison nicht leisten.
Ausweichende Antworten jedenfalls werden dem Bahnchef nichts nutzen. Auch wenn Grube der Bahnindustrie die Schuld in die Schuhe schieben wollte. Er hatte im Zusammenhang mit dem Hitze-Chaos erklärt, die Bahn habe von der Industrie bislang "fast nie Züge geliefert bekommen, die auch das geleistet haben, wofür wir bezahlt haben". Der Verband der Bahnindustrie hatte dies empört zurückgewiesen.
Sparprogramm im Visier
Auch der Verkehrsausschuss wird sich nicht damit nicht zufrieden geben. Zumal auch Vertreter des Verbraucherausschusses zugegen sein werden. Und schon jetzt wird vor allem auf das kritisch auf das Sparprogramm der Bahn geschaut.
So sieht etwa Verkehrsminister Ramsauer in den Sparmaßnahmen eine der möglichen Ursachen für die Hitzepannen. In Vorbereitung des Börsenganges habe die Bahn "alle Einsparpotenziale ergriffen, die es gibt", sagte er im Deutschlandfunk. So etwas wirke sich aus. Schon kurz nach den Vorfällen hatte auch Pro Bahn die Sparmaßnahmen für das Chaos verantwortlich gemacht.
Allerdings schränkte er ein, es wäre zu einfach, jetzt einen "unmittelbaren monokausalen Zusammenhang" zwischen den Einsparungen und den ausgefallenen Klimaanlagen herzustellen. Vielmehr sei ein Zusammenwirken von technischen Problemen älterer Anlagen und extrem hohen Temperaturen wahrscheinlich.
Egal, was bei dem Treffen herauskommt, das Hitzechaos wird bei der Bahn noch lange nachhallen. Zumal die Schule, deren Kinder in einem der Züge saßen und ärztlich versorgt werden mussten, mit einer Klage gedroht hatte.
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