Ackermann lehnt staatliche Hilfe ab: „Die Deutsche Bank braucht das nicht”
zuletzt aktualisiert: 14.01.2009 - 20:20Frankfurt M. (RP). Der Milliardenverlust der Deutschen Bank hat derenVorstandschef schockiert. „Schwer enttäuscht” ist der Manager, der von deutlichen Schwächen in der Bank spricht. Der Post-Einstieg ist eine Hilfsaktion für den erfolgsverwöhnten Schweizer, auch wenn der das so nicht formuliert sehen will.
Bis Montagabend erschien Josef Ackermann vielen wie ein Fels in der Finanzkrisen-Brandung. Sicher, die Deutsche Bank hatte auch ihre Probleme, aber sie brauchte doch nicht wie andere Banker das Rettungspaket. Schämen würde er sich, Staatshilfe in Anspruch zu nehmen, hatte Bankchef Ackermann in einem internen Zirkel gesagt.
Jetzt hat ihn die Wirklichkeit eingeholt. Die manifestiert sich in 4,8 Milliarden Euro Quartalsverlust, 3,9 Milliarden Euro Minus für das Gesamtjahr, einer Kernkapitalquote, die auch auf acht Prozent abzurutschen drohte jene magische Grenze, ab der die Wettbewerbsfähigkeit kritisch beäugt wird. Ackermann hat die Konsequenzen gezogen: Er hat in Berlin bei der Kanzlerin die „Bad Bank” gefordert bei der er ausnahmsweise die Bundesländer und Sparkassen hinter sich haben dürfte. Bisher ist er damit abgeblitzt. Auch auf Dauer?
„Bei uns sind einige Schwächen aufgezeigt worden.”
„Schwer enttäuscht” sei er, hat Ackermann gestern erklärt. Dass sich der Branchenführer nach eigenem Bekunden besser geschlagen hat als die Konkurrenz, ist nur ein schwacher Trost: „Bei uns sind einige Schwächen aufgezeigt worden.” Aber Besserung wird gelobt: „Wir haben eine Reihe von Maßnahmen beschlossen, um diese Schwächen zu beheben. Die Umsetzung der Maßnahmen ist bereits im Gange.”
Die aktuelle Krise seines Arbeitgebers gehört zu den bitteren Momenten im Berufsleben von Josef Ackermann. Dabei hatte sich der Schweizer zwischenzeitlich geradezu als Liebling der Medien entpuppt stets freundlich, stets jovial. Die zum Siegeszeichen gespreizten Finger im Mannesmann-Prozess und Ackermanns Freispruch zweiter Klasse in diesem Verfahren waren ebenso vergessen wie die unglückliche Verbindung von Milliardengewinn und tausendfachem Stellenabbau in Deutschland. Jetzt verliert Ackermann vieles von seinem Sieger-Habitus.
„Bad bank ist nichts, was die Deutsche Bank braucht”
Er schließt offiziell staatliche Hilfe immer noch aus („Die Deutsche Bank braucht das nicht”), und auch die „Bad bank ist nichts, was die Deutsche Bank braucht”. Sein Vorsprechen bei Merkel wäre also nur ein Angebot im Dienste der Mitbewerber?
Das glauben Branchenkenner nicht. Ackermann nimmt derzeit in ungeahntem Ausmaß Hilfe in Anspruch, um die Postbank-Übernahme so durchziehen zu können, dass die Anteilseigner der Deutschen Bank möglichst geschont werden. Die Post beteiligt sich mit acht Prozent am Bankenprimus, der kauft im Gegenzug die ersten 22 Prozent an der Postbank für etwa 1,1 Milliarden Euro. Im zweiten Schritt kauft die Deutsche Bank Post-Anleihen, die sie dann später in weitere 27,8 Prozent an der Postbank beteiligen kann Gegenwert: 2,7 Milliarden Euro.
"Das ist die Rückkehr der Deutschland AG"
Und dann bekommt sie noch Postbank-Aktienoptionen für 1,1 Milliarden Euro. Sowohl die Anleihe als auch die Optionen werden allerdings erst in drei Jahren wirksam, so dass die Post bis 2012 noch mit über 39 Prozent an der Postbank beteiligt bleibt. Die schnelle Übernahme durch die Deutsche Bank findet also nicht statt. Indirekt ist durch den Einstieg der Deutschen Post der Bund mit knapp zweieinhalb Prozent an der Deutschen Bank beteiligt. Die Post hilft der Bank, die Bank der Post bei der Postbank „das ist die Rückkehr der Deutschland AG”, sagen manche.
Und das ist vermutlich das letzte, was Josef Ackermann gewollt hat. Das Institut, dessen Vordenker in dieser Deutschland AG einst die Fäden zogen, wird nun selbst zum Mittelpunkt einer konzertierten Hilfsaktion auch wenn diese nur vorübergehend ist, weil die Post die übernommenen Deutsche-Bank-Aktien schon im zweiten Quartal dieses Jahres wieder verkaufen kann. Ob das zu einem guten Preis funktioniert, wird man sehen.
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