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Jahrelange Hängepartie: Die Gesundheitskarte soll jetzt kommen

VON ULRIKE WINTER - zuletzt aktualisiert: 27.03.2008 - 20:41

Düsseldorf (RP). Nach jahrelangen Verzögerungen scheint die elektronische Gesundheitskarte nun doch eingeführt zu werden: Im Bezirk Nordrhein in Nordrhein-Westfalen sollen Ende Dezember die ersten Karten verteilt werden - in einer Basisversion.

Es wäre das Ende einer jahrelangen Hängepartie: Am nächsten Mittwoch soll die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) in Nordrhein beschlossen werden. Die Ausgabe soll Ende Dezember beginnen und in den umliegenden Regionen Westfalen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz fortgesetzt werden. Das sagte Leonhard Hansen, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNo), unserer Redaktiuon.

Neben den Stammdaten des Patienten und seinem Auslandskrankenversicherungsnachweis enthält die eGK ein Foto, das dem Missbrauch durch Fremde vorbeugen soll. Um den Krankenkassen aber die 2,2 Milliarden Euro an Einsparungen zu bescheren, die sie sich in den ersten fünf Jahren erhoffen, muss die Karte deutlich mehr können. Die übrigen Funktionen sollen nach und nach eingeführt werden - abhängig davon, wie erfolgreich die Probeläufe in den Testregionen laufen.

Nach jahrelangen Planungen und Verzögerung ist die Betreibergesellschaft Gematik, der mit Sachsen bereits ein Pilotland abgesprungen war, nun genauso an einer Einführung in Nordrhein interessiert wie die KV. Hansen: „Wir wären dann bei jeder Entscheidung in Bezug auf die Karte vorne dran.“ Die Karte sei ein Standortfaktor, den er sich von anderen Interessenten nicht wegschnappen lassen wolle, so der KVNo-Chef: „Sollten die Bayern merken, dass es hier wackelt, sind die schnell auf dem Plan.“ Letzter offener Punkt nach drei Gesprächen sei nun die Zusage der Gematik, dass die Basiskarte spätestens Mitte nächsten Jahres mit zusätzlichen Funktionen aufgerüstet werden kann.

Von der schnellen Einführung dieser Funktionen hängt auch ab, ob sich das 1,4 bis 1,6 Milliarden Euro teure IT-Objekt nach zehn Jahren tatsächlich amortisiert haben wird. Die ungleiche Verteilung von Kosten und Nutzen auf die Beteiligten war einer der vielen Kritikpunkte, die in den vergangenen Jahren immer wieder gegen die eGK ins Feld geführt wurden. Um die über Anschaffungskosten klagenden Ärzte zu besänftigen, beschlossen die Spitzenverbände der Krankenkassen, die Kartenlesegeräte zu bezuschussen. Über weitere Anschaffungen muss jedoch neu verhandelt werden. Dazu könnte auch die EDV-Ausrüstung gehören. Jede zehnte der 17.500 Praxen in Nordrhein arbeite immer noch ohne EDV, so Hansen.

Was den Datenschutz angeht, den Verbraucherschützer immer bedroht sehen, verweist das Bundesgesundheitsministerium auf die PIN-Sicherung der Gesundheitskarte. Nur mit dieser Nummer könnten Daten abgerufen werden, Ärzte und Apotheker benötigen für den Zugang auch einen elektronischen Heilberufausweis. Jeder Zugriff wird dokumentiert. Medizinische Daten werden nur mit Zustimmung des Patienten gespeichert. Die Kassen haben darauf keinen Zugriff.


 
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