Die wichtigsten Fragen: Die Inflation kehrt zurück
VON ANTJE HÖNING - zuletzt aktualisiert: 03.05.2008 - 13:39Düsseldorf (RP). Zehn Jahre lang hat die Globalisierung Deutschland niedrige Preise beschert. Nun zieht die Inflation kräftig an. Das belastet vor allem Rentner und Familien mit vielen Kindern. Schwacher Trost: Der Euro hat damit nichts zu tun.
Inflation war für zehn Jahre zum Fremdwort für Deutschland geworden. Doch nun steigen die Preise wieder kräftig. Schuld daran ist der Euro, glaubt die Hälfte der Deutschen. Falsch, sagen Ökonomen und räumen auch mit anderen Vorurteilen auf.
Ist der Euro schuld?
„Der Euro hat zu Unrecht das Image, ein Preistreiber zu sein“, sagt Holger Sandte, Chefvolkswirt der WestLB, unserer Zeitung. Nur einzelne Branchen haben die Euro-Einführung zu kräftigen Preiserhöhungen genutzt. „Viele Bürger verklären zudem die Vergangenheit“, meint Sandte. Auch die Bundesbank habe es nicht geschafft, die Preise ganz stabil zu halten. Um die Vereinigung herum etwa hatten wir Inflationsraten von sechs Prozent.
Warum blieb Deutschland zwischenzeitig von Inflation verschont?
„In den vergangenen zehn Jahren hat die Globalisierung der Notenbank die Arbeit abgenommen, die Preise stabil zu halten“, sagt der WestLB-Volkswirt. Der starke weltweite Wettbewerb sorgte für tiefe Preise. Wurde die Produktion in Deutschland zu teuer, verlagerten Betriebe sie in Niedriglohn-Länder. Doch nun steigen auch in Osteuropa und China die Löhne und machen dort produzierte Waren teuer.
Woher kommt jetzt die Inflation?
Preistreiber sind nun vor allem Energie und Nahrungsmittel. Nahrungsmittel kosten 8,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Schlechte Ernten etwa in Australien haben das Angebot verknappt, zugleich steigt die Nachfrage asiatischer Staaten. Der Ölpreis hat sich seit Anfang 2007 verdoppelt, erläutert Sandte.
Wieso steigt der Ölpreis trotz des starken Euro?
„Der starke Euro mildert den Preisdruck etwas“, meint der Volkswirt. Denn Rohöl wird meist in Dollar gehandelt und für einen Euro gibt es derzeit viele Dollar. Doch Probleme in Ölländern wie Nigeria und gleichzeitig hohe Nachfrage in Asien treiben den Ölpreis, die Spekulation der Finanzmärkte heizt ihn weiter an.
Wen trifft die Inflation?
„Inflation ist ungerecht“, sagt Sandte. Sie treffe vor allem Bürger wie Rentner oder Arbeitslose. Diese können ihr Einkommen eben nicht in Lohnverhandlungen erhöhen. Und Inflation trifft Arme stärker als andere. Im Schnitt geben deutsche Haushalte 14 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel, Getränke und Tabak aus. Bei armen Haushalten, die weniger als 130 Euro netto im Monat haben, sind es über 16 Prozent. Ähnlich bei Ausgaben für den Verkehr. Hierfür geben Durchschnittshaushalte 13 Prozent aus, Familien mit mehreren Kindern 17 Prozent, so der Schweizer Forschers Brachinger.
Was kann die Notenbank tun?
„Sie muss aufpassen, dass aus dem Anstieg einzelner Preise kein Anstieg auf breiter Front wird“, fordert Sandte. Das geschehe leicht, wenn die Löhne stark steigen und der private Konsum zulegt. Um solche „Zweitrunden-Effekte“ zu verhindern und das Geld wieder knapp zu machen, erhöhen Notenbanken im Zweifel die Zinsen. In den USA liegt die Inflation bereits bei vier Prozent. Daher dürfte die Zeit der Zinssenkungen nach der Senkung vom Mittwoch auch vorbei sein.
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